Die Brücke der Liebe

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Margot und Thomas haben an der Thalkirchner Brücke ein graviertes Vorhängeschloss mit ihren Namen angebracht. Es soll ihre Liebe zusammenhalten.

München - An der Isarbrücke am Flaucher besiegeln Paare mit Schlössern ihr Glück. Das Ganze geht auf einen Brauch aus Italien zurück.

Margot und Thomas blicken sich tief in die Augen. Unter ihnen plätschert die Isar am Flaucher entlang. Hinter ihnen braust ein Auto über die Brücke an der Thalkirchner Straße in Richtung Tierpark. Thomas greift in seine Jackentasche und zieht ein grünes Vorhängeschloss heraus. Gemeinsam sucht das Paar eine geeignete Stelle im feinmaschigen Gitter des Brückengeländers. Dann klickt der Bügelverschluss. Margot nimmt einen der beiden Schlüssel, ruft „für immer“ und wirft ihn in hohem Bogen in den Fluss. Thomas tut es ihr gleich. Dann küssen sie sich.

Ihr Vorhängeschloss ist nicht das einzige: Insgesamt hängen 29 dieser sogenannten Liebesschlösser im feinmaschigen Gitter der knapp 200 Meter langen Holzbrücke. Wie auf dem von Margot und Thomas sind auch auf den meisten anderen die Namen von Liebenden eingraviert. Und jedes von ihnen erzählt eine eigene Geschichte. Wie zum Beispiel das von Margot und Thomas: Sie haben sich vor zwölf Jahren kennengelernt. Inzwischen sind sie seit elf Jahren glücklich verheiratet, haben vier Kinder und engagieren sich gemeinsam für die Kleine Sonne Kinderstiftung. Mit dem Schloss wollen sie ihrer Liebe ein Zeichen setzen. „Ich finde das romantisch“, erklärt die 39-Jährige und ihr Mann ergänzt: „Wir gehen oft hier spazieren. Das Schloss wird uns immer an unsere Liebe erinnern.“

Ursprünglich kommt dieser romantische Brauch wohl aus Italien. Das Kult-Buch Ho voglia di te (Ich steh auf dich) machte ihn 2006 schließlich zum Trend. Der Autor beschreibt in einer Szene ein verliebtes Paar, das sein „Lucchetti dell‘Amore“ (ital.: Liebesschloss) an der Ponte Milvio, einer Brücke in Rom, anbringt. Tausende Nachahmer haben seitdem das Brückengeländer und Laternenpfähle auf der Ponte Milvio mit ihren Liebesschlössern geschmückt. 2007 ist sogar einer der Laternenmasten unter der enormen Last eingeknickt. Inzwischen geht der Brauch als Trend in rasantem Tempo um die ganze Welt.

Wann die Münchner ihre Brücke der Liebe eingeweiht haben, ist unklar. Das Baureferat hat erst vor ein paar Monaten davon erfahren: „Momentan sind die Schlösser noch kein Problem. Wir tolerieren das“, sagt ein Sprecher der Stadt.

 

Andrea Pientka

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