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Flüchtlingsstrom immer stärker: Neue Zeltstadt in München entsteht – Notfallszenario in den Weihnachtsferien?

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Von: Carmen Ick-Dietl

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Ukraine-Geflüchtete in Bayern
Geflüchtete aus der Ukraine werden nach ihrer Ankunft am Hauptbahnhof München betreut. © Sven Hoppe/dpa/Archivbild

Die Unterbringung von Flüchtlingen bereitet München große Probleme. Der Stadt fehlen gut 5600 Bettenplätze. In der Messe Riem entsteht deshalb gerade eine Zeltstadt für rund 2000 Menschen.

München - Die Zahl der Flüchtlinge und Asylsuchenden, die in München ankommen, steigt drastisch. Die Regierung von Oberbayern registriert seit drei Wochen immer häufiger deutlich mehr als 100 Menschen täglich in ihrem Ankunftszentrum an der Maria-Probst-Straße, erklärt Pressesprecher Wolfgang Rupp. Zwei Drittel stammen aus Afghanistan, der Türkei und Syrien. Seit Ende November weist die Regierung von Oberbayern der Stadt alle 14 Tage 100 dieser Asylbewerber zu. Dazu muss sich München auch noch wöchentlich um 50 zusätzliche ukrainische Kriegsflüchtlinge kümmern.

In der Erstanlaufstelle an der Dachauer Straße kommen inzwischen täglich knapp 50 Menschen an, die einen Unterkunftsplatz benötigen. Ein Großteil wird nach der Registrierung zur Unterbringung auf andere Kreisverwaltungsbehörden verteilt. Im Schnitt gibt es am Tag nur noch 13 Anmeldungen von Menschen, die in Privathaushalten untergekommen sind. Und dann ist die Stadt noch zuständig für die Rückkehrer aus Münchner Privatunterkünften, die derzeit bei knapp 30 pro Woche liegen. Macht insgesamt rund 130 Menschen, die die Stadt wöchentlich unterbringen muss.

München: Vier Standorte sollen Ende 2023 in Betrieb gehen, weitere sind in Planung

Deshalb sucht man händeringend nach neuen Unterkünften. Eigentlich müsse man mindestens 5600 weitere Bettenplätze schaffen, davon gut 4500 langfristig, erklärt das Sozialreferat. Dazu müssen etwa 20 Standorte für Container- und Festbauten gefunden werden. Vier Standorte sollen Ende 2023 in Betrieb gehen, weitere sind in Planung.

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Etwa 100 vulnerable Geflüchtete wurden im Rahmen einer Zwischennutzung in der alten Gewofag-Zentrale in Ramersdorf untergebracht sowie in Wohnungen der Stadtwerke und der GWG. In Riem entsteht eine zweite Zeltstadt auf dem Gelände der Messe mit bis zu 2000 Bettenplätzen, die von Anfang Januar bis Mitte März genutzt werden kann. Zudem soll an der Arnold-Sommerfeld-Straßen eine alte Schulcontaineranlage aufgebaut und als Unterkunft genutzt werden.

Es ist wahrscheinlich, dass über die Weihnachtsferien erneut Sporthallen geöffnet werden müssen

Das Sozialreferat weist darauf hin, dass die Verfahren für mittelfristig nutzbare Standorte in Gewerbe- und Büroobjekten sowie Modulbauten beschleunigt werden müssen. Das Baureferat müsse Objekte wie das frühere Allianz-Gebäude an der Fritz-Schäffer-Straße 9 schneller ertüchtigen, das Kommunalreferat schneller anmieten können. Konkret geht es um die Erweiterung der Dachauer Straße 122, die Meglinger Straße 7, den Frankfurter Ring 105, die Hohenlindener Straße 8 und die Verlängerung der Anmietung am Frankfurter Ring 20-22. Das Sozialreferat will diese Planungen so schnell es geht umsetzen können, „um in einem möglichst geringen Umfang auf die Nutzung von Schulturnhallen zurückgreifen zu müssen“.

Doch angesichts des derzeitigen Flüchtlingsstroms ist es sehr wahrscheinlich, dass als Notfallszenario über die Weihnachtsferien erneut Sporthallen geöffnet werden müssen. Mit dem Referat für Bildung und Sport hat man sich auf 13 mögliche Standorte geeinigt, die mit drei Wochen Vorlauf hochgefahren werden können. Zudem arbeitet das Sozialreferat an einem Plan, um im Notfall spontan Turnhallen zu belegen.

Sehr wahrscheinlich ist bereits, dass die Sporthalle der Berufsschule am Marsplatz in der Maxvorstadt geöffnet wird. Zudem ist ab 19. Dezember die Sporthalle an der Görzer Straße in Ramersdorf als Notunterkunft reserviert. In Letzterer könnten bis längstens Ende Januar bis zu 250 Menschen untergebracht werden. Die Regierung von Oberbayern hat die Übernahme der Kosten etwa für Sicherheitsdienst, Betreuung und Catering bereits zugesagt. (Carmen Ick-Dietl)

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