Einsatz in sieben Metern Höhe

Forst Kasten: Polizei beendet Baumbesetzung - Aktivisten: „Wird neue geben“

Polizisten stehen am Rande des Protestcamps im Forst Kasten nahe München. Das Camp wurde geräumt.
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Polizisten stehen am Rande des Protestcamps im Forst Kasten nahe München. Das Camp wurde geräumt.

Die Polizei hat die besetzten Bäume im Forst Kasten geräumt und das Lager in rund sieben Metern Höhe abgebaut. Die Aktivisten leisteten passiven Widerstand – und kündigten weitere Baumhäuser an.

München - Lange hat es nicht existiert, das erste Baumhaus im Forst Kasten. Die Polizei hat die Baumbesetzung in Neuried am Donnerstagmorgen nach rund zwei Tagen beendet und das Holz-Plateau in gut sieben Metern Höhe entfernt. 50 Beamte waren im Einsatz, inklusive Sondereinsatzkommando (SEK). Zwei Protestler holten die Spezialkräfte von ihrem luftigen Lager.

Baumbesetzung im Forst Kasten: Aktivisten leisten passiven Widerstand - Sechs Demonstranten

„Die Aktivisten leisteten nur passiven Widerstand, demnach war das eine friedliche Geschichte“, sagt Polizei-Sprecher Andreas Franken. „Die Aktion verlief friedlich“, bestätigt Baumbesetzer Ingo Blechschmidt (32). Der Mathematik-Dozent war zusammen mit einem 21 Jahre alten angehenden Förster, der sich Tanni nennt, in dem Baumhaus. Die beiden wurden vom SEK gegen 7 Uhr mittels einer Leiter vom Baum geholt und abgeseilt.

Die Aktivisten sprechen von rund 15 „Klettercops“. Am Waldboden angekommen, ließen sich Blechschmidt und Tanni dann von der Polizei an einen neuen Versammlungsort, etwa 100 Meter weiter, führen. Insgesamt traf die Polizei vor Ort auf sechs Demonstranten. Vier waren am Boden, diese Personen trugen die Beamten an den neuen Platz.

Forst Kasten: Landratsamt untersagt Baumbesetzung - SEK baut Baumplateaus ab

Tags zuvor hatte das Landratsamt die Baumbesetzung untersagt und angeordnet, dass die Demo an einem anderen Ort am Boden stattfinden darf. Laut Polizei waren die Beamten vor Ort seit 5.15 Uhr mit den Baumbesetzern im Gespräch. Nachdem diese nicht freiwillig gehen wollten, folgte die Räumung. Gegen 10.30 Uhr war der Einsatz beendet. Die Polizei stellte Identitäten fest und prüft auf Ordnungswidrigkeiten.

Auf Anfrage unserer Zeitung erklärte Landrat Christoph Göbel (CSU) am Donnerstag: „Wir mussten davon ausgehen, dass eine im Übrigen nicht angemeldete Versammlung ausgeweitet werden soll zu einer überregionalen Aktion, die meines Erachtens höchst problematisch ist. Insofern sind wir dem von Anfang an konsequent entgegengetreten.“

SEK-Einsatzkräfte haben das Baum-Plateau abgebaut. Ebenso wurde ein Balken zwischen Bäumen in unmittelbarer Nähe entfernt. Dort hatten die Aktivisten am Dienstag begonnen, ein weiteres Baumhaus zu errichten – bis die Polizei sie gestoppt hat. Die Klimaschützer durften alle Teile mitnehmen. Laut den Aktivisten sei von der Polizei so gut wie nichts beschädigt worden. Sie selbst hätten auch nichts kaputtgemacht. „Wir hängen Dinge nur ein. Kein Baum hat Schaden genommen“, betont Blechschmidt. Er und die anderen Baumbesetzer machen nun erst einmal ein paar Tage Pause.

Forst Kasten: Aktivisten kündigen an - „Kommen auf jeden Fall zurück und es wird auch neue Baumhäuser geben“

Bei einer bereits länger bestehenden Mahnwache rund 250 Meter weiter sind nach wie vor ein paar Menschen. Diese Demo ist noch bis Ende Juni angemeldet. „Wir kommen auf jeden Fall zurück und es wird auch neue Baumhäuser geben“, kündigt Blechschmidt an. Bis zur geplanten Rodung in ein bis zwei Jahren solle ein ganzes Baumhausdorf entstehen – nach dem Vorbild der Waldbesetzung im Hambacher Forst.

Dem tritt Landrat Göbel entschieden entgegen: „Da möchte ich schon in aller Deutlichkeit sagen – auch im Unterschied zum Hambacher Forst: Im Landkreis München* wird einem solchen Gebaren in aller Konsequenz entgegengetreten, für solche Aktionen ist hier kein Platz. Wir setzen uns hier argumentativ mit den Dingen auseinander.“

Der Sozialausschuss der Stadt München hatte im Mai einer Firma den Zuschlag zum Kiesabbau erteilt. Das Landratsamt prüft derzeit, ob dieser genehmigungsfähig ist. Wie berichtet, müssten für die Kiesgrube rund 10 000 Bäume gefällt werden. Dagegen demonstrieren seit Mai Aktivisten im Wald. Unterstützt werden sie von Anwohnern, etwa aus der Bürgerinitiative „Wald Neuried erhalten“. - LAURA FELBINGER UND MARTIN SCHULLERUS -*tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA. Unser brandneuer München-Newsletter informiert Sie regelmäßig über alles, was in der Isar-Metropole passiert.

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