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Wieso hält das Giesinger Bier nur vier Wochen?

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Florian Sommer, Braumeister des privaten Giesinger Bräus, vor dem bescheidenen Sudhaus, einer umgebauten Garage in der Birkenau.

München - Während die meisten Münchner Biere auch nach Monaten oder sogar noch nach einem Jahr schmecken, ohne sauer oder fad zu sein, hält das Giesinger Bier nur vier Wochen. Doch woran liegt das?

Von einer solchen Haltbarkeit des „fünften Elements“ konnten frühere Bierbrauer trotz Erfindung der Kühltechnik nur träumen: Noch nach Monaten, ja sogar ein Jahr nach der Herstellung können die berühmten Münchner Bier-Sorten getrunken werden, ohne dass sie sauer, fad oder nach flüssigem Brot schmecken. Doch beim Giesinger Bräu, Münchens zweitgrößter Privatbrauerei, wird die volle Schmackhaftigkeit nur für vier Wochen garantiert – und zwar ganz bewusst.

Warum? „Bier macht schön und ist gesund“ – derartige Aussagen rufen meistens zweifelhafte Blicke oder ungläubiges Schmunzeln hervor. Dabei darf die positive Wirkung der Bierhefe auf den menschlichen Organismus nicht unterschätzt werden.

Die besten Brauereien Deutschlands

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Im Mittelalter schworen die Mönche auf den Nährwert von Bier, das viel mehr Vitamine enthielt als heutzutage. Man nannte Bierhefe einen „natürlichen Schönheitsquell“, der die Haut straffer, die Nägel stärker, die Haare voller und glänzender macht. Die reichhaltige Hefe hat so zwar gesundheitsfördernde Nebeneffekte, birgt aber ein Problem: Sie verkürzt die Haltbarkeit von Bier.

Weil es das Reinheitsgebot verbietet, etwas beizumischen, um eine bestimmte Wirkung zu erzielen, kann man höchstens etwas herausnehmen. Also filtern die meisten Brauer die Bierhefe einfach aus. Dadurch verliert das Produkt etliche Mineralstoffe, Spurenelemente und Vitamine, wird aber länger haltbar.

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Als das Reinheitsgebot im Jahr 1516 erlassen wurde, war die im Bier enthaltene Hefe noch unbekannt. Dabei leitet sie den Gärvorgang ein und ist damit für den Brauprozess unbedingt notwendig. Es heißt: „Malz verleiht dem Bier seinen Körper, Hopfen gibt ihm die Seele, Hefe aber bestimmt den Charakter.“ Und den will die Untergiesinger Brauerei, die erst seit sechs Jahren existiert, in vollem Umfang erhalten. Die Mitarbeiter filtrieren die Hefe nicht heraus, schließlich ist sie ein wichtiger Geschmacksträger. Zwar könnten sie die Haltbarkeit durch Pasteurisieren verlängern, aber sie wollen ihr Bier keiner thermischen Behandlung aussetzen. Der Hintergedanke: Man will den Abnehmern einen Biergeschmack liefern, wie ihn nur ein Brauer kennt – also direkt vom Lagertank frisch in die Flasche, ins Fass oder in den Magen. Den Export, für den es länger haltbare Produkte braucht, überlassen die Giesinger den Großbrauereien.

Die Frage, ob Bier wirklich „gesund“ ist, beantworten die Hersteller des unfiltrierten Gebräus mit „Jein“.

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Einerseits enthält Bier viele Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente und Ballaststoffe. Andererseits enthält es Alkohol. Dieser wird beim alkoholfreien Bier nachträglich entzogen oder ist erst gar nicht entstanden, ernährungswissenschaftlich gesehen hat es also nur Vorteile.

Was die Haltbarkeit anbelangt: Alkoholfreies Bier muss immer thermisch behandelt, also pasteurisiert werden. Dadurch büßt es an Geschmack ein, gewinnt allerdings an Haltbarkeit. Wer aus Versehen abgelaufenes Bier trinkt, braucht keine Angst um seine Gesundheit zu haben: Durch den enthaltenen Alkohol bilden sich keine Krankheitserreger. Allerdings verliert das Gebräu an Frische, der Geschmack verändert sich und kann an Brot erinnern.

Es gilt die Regel: Das Bier kühl und dunkel aufbewahren, und am besten so frisch wie möglich genießen!

Corinna Erhard

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Alle Fragen werden an unsere Autorin Corinna Erhard weitergeleitet, die interessantesten Fragen werden im Laufe der Serie in unsererr Zeitung beantwortet.

Das Buch zur Serie „München in 50 Antworten“ ist im Handel erhältlich (16,90 Euro, farbig bebildert).

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