69-Jährige nach Todesdrama auch noch in Not

Drama um alten Kater: Münchnerin muss Tier einschläfern lassen - „Jeder mochte Balou“

Gisela S. (69): Nach missglückter Behandlung verstarb ihr Kater - jetzt muss die Rentnerin auch noch vor Gericht.
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Gisela S. (69): Nach missglückter Behandlung verstarb ihr Kater - jetzt muss die Rentnerin auch noch vor Gericht.

Gisela S. verliert ihren Kater Balou. Alle Ersparnisse hatte sie für die Behandlung aufgebraucht. Die Klinik pocht vor Gericht auf die letzten Kosten.

München - Sanft und ruhig sei er gewesen. „Und so lieb, jeder mochte meinen Balou. Mit seinen Löwenpfoten kam er immer angekuschelt“, sagt Gisela S. (69) über ihren Kater. Wie ein Familienmitglied hat die Seniorin ihn geliebt und im Jahr 2018 dann schweren Herzens einschläfern lassen. 16 Jahre alt wurde Balou. Doch nach einer Behandlung in der Tierklinik soll der Kater angeblich nie mehr auf die Beine gekommen sein, behauptet Gisela S. Der Fall beschäftigt jetzt sogar das Münchner Amtsgericht.

München: Tierklinik klagt gegen Rentnerin - „Rechtsstreit bringt mich an die Grenzen“

Dort nämlich klagt die Tierklinik und fordert die Behandlungskosten von Halterin Gisela S. ein. „Es geht um 900 Euro“, bestätigt Gerichtssprecher Klaus-Peter Jüngst. Bitter für die Münchner* Seniorin: Denn sie kriegt nur 940 Rente, muss monatlich aber 700 Euro Miete zahlen. „Dieser Rechtsstreit bringt mich an Grenzen“, sagt Gisela S., die für Balou kämpfen will.

Kater Balou wurde drei Tage behandelt - „Entlassen wurde er dann plötzlich als Todeskandidat“

Bald vier Jahre liegt der Fall zurück und ist dennoch nicht aufgeklärt: Denn Balou (Rasse: Maine Coon) musste ursprünglich wegen eines Harnstaus in die Klinik. „Drei Tage lang wurde er dort behandelt. Entlassen wurde er dann plötzlich als Todeskandidat“, sagt Gisela S. Unter Tränen erinnert sie sich: „Mein Balou konnte nicht mehr gehen und stehen. Er hatte plötzlich schwere Entzündungen.“ Nachts habe sie den Kater abgeholt und kurz darauf in eine andere Tierklinik gebracht. Dort wurde der schlimme Zustand des Tieres bestätigt.

„Für die Nachbehandlungen musste ich 3600 Euro zahlen“, sagt die Rentnerin. „Das hatte Balou gerettet.“ Aber Gisela S. in große Not gebracht: „Ich hatte all meine Ersparnisse aufgebraucht und geriet mit der Miete in Rückstand. Bis November 2021 zahle ich noch die Raten ab.“

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Die Forderung der ersten Tierklinik will sie nicht begleichen. Vor Gericht bekräftigte Gisela S. am Montag ihre Anschuldigung, dass die Tierklinik einen Behandlungsfehler begangen habe. Ein Sachverständiger bestätigte das aber nicht: Seiner Ansicht nach müssen Tierhalter ein Infektionsrisiko in Kauf nehmen, wenn ein 15-jähriger Kater gesundheitliche Probleme habe. Er schätzte den Fall als „sehr bedauerlich“ ein.

Wie sich Balous Gesundheit in so kurzer Zeit so dramatisch verschlechtern konnte, bleibt unklar. Gisela S. ist traurig: „Balou war als Baby schon mal krank gewesen und hat sich durchs Leben gekämpft. Er wurde ein Prachtkerl, Züchter boten mir viel Geld, doch ich wollte ihn nie weggeben.“ Es wurde eine liebevolle Lebensverbindung.

Doch vor seinem Ende sei es dem Kater schlecht ergangen. „Nach dieser Behandlung war Balou nie mehr derselbe. Ich verstehe nicht, warum die Tierklinik seinen Zustand nicht bemerken konnte“, sagt Gisela S. Sie muss nun auf das Urteil warten. Es soll am 24. März fallen. Die Tierwelt ist voll von skurrilen Rekorden. Eine Auswahl gibt‘s hier in der Fotostory. *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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