Freispruch im Kriegsfoto-Streit

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Das sind die umstrittenen Kriegsfotos: Künstler Wolfram Kastner vor dem Gerichtssaal

München - Im Streit um eine Ausstellung mit fürchterlich verstümmelten Kriegsopfern mitten in einem Wohngebiet hat der Münchner Aktionskünstler Wolfram Kastner einen Sieg errungen.

Das Amtsgericht München sprach ihn gestern vom Vorwurf der „Belästigung der Allgemeinheit“ frei. Der 65-Jährige sollte wegen seiner Fotoausstellung „teilen statt kriegen“ ein Bußgeld von 250 Euro plus 23 Euro Bearbeitungsgebühr bezahlen, wogegen sich der Künstler erfolgreich gewehrt hat. Ihm ging es nach eigener Aussage nicht ums Geld – es gehe vielmehr um „die grundgesetzlich garantierte Freiheit der Kunst“.

Kastner, der durch spektakuläre politische Kunstaktionen schon mehrmals in den Fokus der Justiz geraten war, hatte im April 2011 seine Schau in einem Raum mit großen Fenstern mitten in einem Münchner Wohngebiet und zwischen zwei Spielplätzen gezeigt. Eltern in dem Viertel nahmen Anstoß, ihre Kinder seien durch den Anblick der Fotos verängstigt und schockiert. Die Polizei war eingeschritten, der Künstler hatte die Bilder daraufhin umgehängt.

Kastner sprach am ersten Verhandlungstag von einer „pazifistischen Ausstellung“. Er habe „die Folgen des Waffenexports in alle Welt zeigen“ wollen.

Amtsrichter Jürgen Hanselmann bezweifelte auch nicht, dass die Gesamtinstallation der Fotos mit den dazugehörigen Texten Kunst sei.

Die Freiheit der Kunst stoße aber an ihre Grenzen, wenn dadurch andere Grundrechte eingeschränkt ürden – hier etwa das Erziehungsrecht der Eltern.

Im konkreten Fall liege dennoch kein Bußgeldtatbestand vor.

Verboten seien laut Gesetz „grob ungehörige“ Handlungen, wenn sie geeignet sind, „die Allgemeinheit zu belästigen oder zu gefährden und die öffentliche Ordnung zu beeinträchtigen“. Bei dieser Formulierung konnte Kastner laut Urteil „der Auffassung sein, dass sein Verhalten zulässig war“. Das Urteil sei aber eine „Einzelfallentscheidung“.

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