Immer mehr Autos auf den Straßen

Fünf Strategien, damit Münchens Verkehr nicht kollabiert

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Jeden Tag stoßen Münchens Straßen an ihre Grenzen.

München - In den vergangenen zehn Jahren ist die Zahl der Münchner Autos um 100.000 gestiegen. Jeden Tag stoßen die Straßen an ihre Grenzen. Was kann München dagegen tun? Fünf Strategien. 

Da kommt was auf die Straßen zu: Zwei Milliarden Autos sollen bis 2050 in aller Welt unterwegs sein, schätzt die Internationale Energieagentur. Schon heute leiden viele Städte unter langen Staus und überlasteten Bahnen, so auch München mit 100.000 Autos mehr seit 2005. Ein paar Ideen, auch aus anderen Ländern, könnten der Landeshauptstadt vielleicht helfen:

1. Eigene Spuren für Fahrgemeinschaften

Schon 1969 wurden die ersten sogenannten HOV-Spuren in Washington D.C. und Virginia in den USA in Betrieb genommen. HOV steht für High-occupancy vehicle, also stark belegtes Fahrzeug. In den USA reichen dafür meistens schon Autos mit zwei Insassen, manchmal müssen es aber auch drei oder vier sein. Diese HOV-Spuren sind meist weniger befahren als die übrigen, manchmal dürfen die Autos dort sogar schneller fahren, um den Anreiz zu erhöhen. In Europa haben bislang unter anderem die Niederlande, Norwegen und Großbritannien diese Fahrgemeinschaftsspuren versuchsweise eingeführt.

2. Pendler durch die Luft transportieren

Die Favela „Complexo do Alemao“ in Rio - erschlossen durch eine Seilbahn.

Wie verbindet man am besten steil gelegene Stadtviertel, die nur schwer oder gar nicht mit Bussen oder U-Bahnen zu erreichen sind? Im kolumbianischen Medellín entschied man sich für eine Seilbahn, die 2004 eröffnet wurde. Sie ist die erste Seilbahn, die für öffentlichen Personennahverkehr entwickelt wurde. Inzwischen folgen viele Städte dieser Idee. Denn Seilbahnen sind relativ energiesparend, können Schnell und zuverlässig große Mengen an Menschen transportieren und das ohne Lärm. Ob in Mexiko-Stadt, Cardiff in Wales oder Lagos in Nigeria. Seilbahnen in Städten gibt es inzwischen jede Menge. In Medellín soll in den Vierteln, die von der Seilbahn angeschlossen wurden übrigens die Kriminalität zurückgegangen sein.

3. Selbstfahrende Autos

Das größte Problem beim Autofahren sind die Fahrer. Denn sie lassen sich ablenken oder verhalten sich falsch. Deshalb sollen computergesteuerte Autos alles besser machen, indem sie miteinander kommunizieren und so Abstände verkleinern und Staus erst gar nicht entstehen lassen. Dafür gibt es jetzt schon verschiedene Versuche:Momentan fahren etwa autonom fahrende BMWs durch Garching, ab 2017 sollen sie auch in der Münchner Innenstadt unterwegs sein. Auch mit Auto-Konvois wurde schon experimentiert. Dabei fahren mehrere Autos automatisch hinter einem Steuerfahrzeug her, bremsen ab und beschleunigen in einem gleichbleibenden Abstand.

4. Mehr Carsharing

Carsharing kann vor allem in den Städten für weniger Autos auf den Straßen sorgen.

Viele Pendler müssten nicht unbedingt das Auto nehmen, um in die Arbeit zu kommen. Oft leben sie ganz gut angeschlossen an den öffentlichen Nahverkehr. Weil sie aber tagsüber das Auto zum Arbeiten brauchen und flexibel sein müssen, nehmen sie eben doch das Auto in die Stadt und stehen im Stau. Deswegen kann Carsharing eine Lösung sein. Mehrere Anbieter gibt es in München, die Stadt hat zudem 2016 ein Projekt gestartet, bei dem Carsharing und Elektromobilität kombiniert werden sollen: eine E-Sharing-Station am Domagkpark. 

Fest steht: Die Carsharing-Angebote der Zukunft müssen attraktiv sein. Aktuell ist es oft so, dass es zum Problem wird, das Auto außerhalb des Innenstadtrings wieder abzustellen. Mit Drive Now zum Beispiel vom Stachus raus aufs Land zu fahren und den Wagen dort stehen zu lassen, ist derzeit nicht möglich.  

5. Neue Ideen für die Öffentlichen

Das Thema öffentlicher Nahverkehr ist in München ein riesiges Thema: Tram-Westtangente (darüber wird am 14. Dezember abgestimmt), die geplante U9 als Spange zwischen Schwabing und Sendling oder die S-Bahnstammstrecke. Ideen für Bauprojekte gibt es einige. 

In anderen Orten hat man etwas Grundsätzliches verändert: Dort fahren die U-Bahnen ohne Fahrer, zum Beispiel in Dubai oder Barcelona – aber auch in Nürnberg. Und das bringt einige Vorteile mit sich: Die Züge können enger nacheinander fahren, müssen kürzere Abstände einhalten und können deutlich schneller Waggons an- und abkuppeln, wenn der Passagierandrang sich verändert. Die spanische Provinz Castellón testet einen automatisierten Bus. Er fährt autonom auf eigenen Spuren, der Fahrer muss nur an Kreuzungen mit dem normalen Verkehr eingreifen.

Fotostrecke: Die irrsten Autofahrer der Welt

Die irrsten Autofahrer der Welt

Benedict Witzenberger

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