„Gewaltsam auf den Boden geworfen“

Nach Schlagstock-Einsatz am Gärtnerplatz: Betroffene erheben schwere Vorwürfe - Polizei reagiert

Eine Polizeikontrolle am Gärtnerplatz sorgt für Kritik. (Archiv)
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Eine Polizeikontrolle am Gärtnerplatz sorgt für Kritik. (Archiv)

Am Gärtnerplatz in München ist eine Polizei-Kontrolle eskaliert. Betroffene schildern, wie sie das Vorgehen der Polizei erlebt haben. Die Vorwürfe wiegen schwer.

  • Nach der Eskalation am Gärtnerplatz erheben drei Münchner Vorwürfe gegen das Vorgehen der Polizei.
  • Polizisten hätten die jungen Erwachsenen nur aufgrund ihrer Hautfarbe kontrolliert.
  • Die Münchner Polizei nimmt Stellung.

München - Einschüchterung, Schikane, Gewalt: Mit diesen Worten beschreiben junge Erwachsene, die auf Einladung der Linken-Stadtratsfraktion ins Rathaus gekommen waren, wie sie das Vorgehen der Polizei erleben. Zudem kritisieren Schwarze, dass sie nur aufgrund ihrer Hautfarbe von Polizisten kontrolliert worden seien.

München: Schlagstockeinsatz am Gärtnerplatz - „Wurde gewaltsam auf den Boden geworfen und hart angepackt“

Zur Sprache kommt am Montagvormittag auch der Schlagstock-Einsatz am Gärtnerplatz vor etwas mehr als einer Woche. Der 26-jährige Marco aus Haar, der an diesem Abend an der Lippe verletzt wurde, ist nicht gekommen. Er sei noch traumatisiert und fühle sich falsch verstanden, erzählen zwei seiner Freunde, die ebenfalls in den Vorfall involviert waren. „Wir wissen nicht, warum der Schlagstock eingesetzt wurde“, sagt eine 17-Jährige, die sich MSFTs nennt.

„Ich wurde gewaltsam auf den Boden geworfen und sehr hart angepackt“, berichtet die dunkelhäutige Frau. Sie sei mit zur Wache genommen worden, habe am Bein geblutet und musste rund sechs Stunden dort sitzen. Ihr dunkelhäutiger Kumpel, der sich Midnight nennt, habe mehrere Stunden in einer Zelle verbringen müssen. Der 20-Jährige habe an dem Abend am Gärtnerplatz seinen Ausweis zeigen sollen, es entstand eine Diskussion. In der Folge sei die Situation eskaliert.

München: So reagiert die Polizei auf „Racial Profiling“-Vorwürfe

Polizeisprecher Werner Kraus betont, man habe nach dem Einsatz sofort reagiert, das LKA ermittle. Dies sei immer dann der Fall, wenn ein mögliches Fehlverhalten eines Beamten im Raum steht.

Das „Racial Profiling“, sprich Kontrollieren von Menschen aufgrund äußerer Merkmale, beschäftigt auch eine 19-Jährige, die sich Lizzy2thedizzy nennt. Am 22. Mai habe sie nach der Umarmung eines Kumpels am Eisbach ihren Ausweis zeigen müssen, ihr weißer Bekannter nicht. „Bei der Münchner Polizei gibt es definitiv kein Racial Profiling“, betont Kraus. Die Münchner Lina (19) und Felix (23) behaupten am Baldeplatz schlechte Erfahrungen mit der Polizei gemacht zu haben. Sie sprechen von „einer krassen Zunahme von Schikane“ – und wünschen sich, auf öffentlichen Plätzen ohne Konsumzwang und Angst sitzen zu können. Polizeisprecher Kraus: „Niemand, der sich an die geltenden Regeln hält, muss Angst vor der Polizei haben.“

Rassismus-Vorwürfe gegen die Münchner Polizei sorgten im Juli für Schlagzeilen: Wurde drei Männern wegen ihrer Hautfarbe der Zutritt zum Englischen Garten verweigert? Die Polizei München nimmt zu dem brisanten Vorwurf Stellung - jetzt schaltet sich die Politik ein.

Comedian Simon Pearce hat im Herbst 2015 an alle Münchner geschrieben, die glauben, in einer toleranten Stadt zu leben. Ein Erlebnis, das er seinerzeit schilderte, hat sich jetzt wiederholt - im Zug nach München. 

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