Julian und Daniel Hahn

Gastro-Brüder aus München: Nach Erfolgen in der City - Große Pläne für beliebtes Ausflugsziel

Derzeit am Umbauen: (v.l.) Micha Kaller, Julian Hahn und Sandro Di Girolamo. Das Café Waldschlucht in Bad Kohlgrub soll im Sommer 2021 wieder eröffnet werden.
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Derzeit am Umbauen: (v.l.) Micha Kaller, Julian Hahn und Sandro Di Girolamo. Das Café Waldschlucht in Bad Kohlgrub soll im Sommer 2021 wieder eröffnet werden.

Seit der Schließung des Café Waldschlucht verfällt das Ausflugslokal. Die Münchner Hahn-Brüder wollen es wieder öffnen – mit Kultur- und Schwimmbetrieb.

Bad Kohlgrub – Die Münchner Brüder Julian und Daniel Hahn sind als Gastronomen bekannt für außergewöhnliche Ideen. Während Julian beispielsweise das Café Gans am Wasser betreibt, ist Daniel Inhaber der Alten Utting. Jetzt zieht es die beiden raus aus der Stadt - nach Bad Kohlgrub. Dort begeistern sie sich für ein neues Projekt: die Wiederbelebung des Café Waldschlucht.

Über das seit Jahren geschlossene Café hören die Brüder von Passanten stets bezaubernde Geschichten - was einem Bericht von Merkur.de* zufolge wohl mitverantwortlich für die Restaurierung des alten Ausflugslokals ist. „Von der Rosa Strauß und ihren fantastischen Kuchen, von den Karpfen und Forellen, vom ersten Kuss bis zur Hochzeit war alles dabei“, sagten die Hahn-Brüder über die Anekdoten zum Café Waldschlucht, die ihnen von Vorbeiwandernden zugetragen wurden.

Münchner Gastro-Brüder wollen Ausflugslokal wiederbeleben - Café Waldschlucht in Bad Kohlgrub in Arbeit

Aber: Diese alltäglichen Abenteuer im Bad Kohlgruber Forst, 15 Minuten vom Erle-Sportplatz entfernt, liegen ein Stückchen zurück. „Wir sprechen hier von Jahrzehnten, nicht bloß von Jahren. So wie das Ausflugslokal derzeit aussieht, muss man festhalten: Die Magie von damals ist geflohen, weil sie es nicht mehr ausgehalten hat in dieser Ruine“, schreibt Merkur.de.

Als die Hahn-Brüder Daniel und Julian und ihre Helferschar Mitte Januar anrückten, hätten sie so manchen Schock erlebt. „Holzbalken, die wegfaulen. Kabel und Rohre, die mehr Freiraum haben, als jedem Installateur lieb ist. Eine Toilette, die beim Spülen den Flur flutet.“ Wer diese Bruchbude inspiziert, könne nicht glauben, dass die neuen Pächter das wirklich ernst meinen: Im frühen Sommer wollen sie eröffnen.

„Alte Utting“, „Hexenhäusel“ und „Café Gans am Wasser“ - Münchner Betreiber-Duo ist stadtbekannt für Ausflugslokale

Zwar hätten die Brüder das Haus „mit ein paar Kniffen“ - konkret mithilfe des Bestandsschutzes - schnell wieder öffnen können. „Aber sie wollen neuen Glanz im alten Haus.“ Wenn das jemand in drei, vier Monaten hinbekomme, dann die Gastro-Tüftler aus München mit ihrem großen Netz aus Bekannten, Freunden, Unterstützern - urteilt Merkur.de.

Julian betreibt neben dem dem Café Gans am Wasser auch das „Hexenhäusel Gans Woanders“ am Kolumbusplatz. Das Café Waldschlucht werde ein wenig daran angelehnt, mit viel Holz - naheliegend „bei einem Haus im Wald, das die Hälfte des Jahres verzweifelt auf Sonnenlicht wartet“.

Münchner Gastronomen restaurieren Café Waldschlucht zu großen Teilen in Eigenregie

Das meiste, habe Julian Hahn betont, „machen wir selbst“. Sonst könnten sie sich das alles nicht leisten. Es wäre fast zynisch, bloß von Sanierung zu sprechen. Denn: „Die Hahns, Florian Jund, Philipp Behringer und einige weitere Freunde transplantieren hier sieben Tage die Woche.“ Begonnen haben sie dem Bericht zufolge mit dem hinteren Teil des Hauses, dem Betreiberbereich.

„Von dort aus arbeiten sie sich nach vorne. Gewissermaßen hilft ihnen der Lockdown, weil sie pausenlos in Kohlgrub arbeiten können. Sogar die Freundinnen sind in die Waldschlucht gezogen, mit hinauf in den ersten Stock.“ Corona sei „einmal Chance, einmal Fluch“, sagte Julian Hahn dem Garmischer Tagblatt.

Günstige Preise, Freilufttheater, Konzerte: Gastronomen planen Ausflugslokal im Stil der eigenen Münchner Pendants

De facto habe der Staat ihnen vor gut vier Monaten Berufsverbot erteilt. Da dürfe man es schon mutig nennen, eine neue Wirtschaft aufzubauen, während die Haupteinnahmen fehlen - das gehe eben nur mit ihrem Hintergrund. Die Einrichtung ihrer Wirtschaften sei gebraucht, „oft alte Dinger mit großer Seele“.

Ein großer Teil davon schnarche in einem Lager vor sich hin, mehrere hundert Quadratmeter mit Interieur aller Art, von Stühlen und Tischen bis Kerzenhaltern und Klavieren. Ein Bekannter räumt aufgelöste Wohnungen aus - entsprechend groß sei die Auswahl. Noch können die Hahns nicht genau sagen, wie die Waldschlucht künftig daherkommt.

Ein paar Eckpunkte gebe es aber bereits. Zwei Bekannte werden das Geschäft übernehmen. Charlotte Holzig etwa ging mit Julian Hahn zur Schule. Als sie sich kürzlich mal wieder trafen, habe die Gastronomin gesagt, sie wolle etwas Neues machen, am liebsten mit Kultur. „Ich dachte mir so: perfekt“, sagte Hahn der Zeitung.

Denn im Ausflugslokal solle es künftig Freilufttheater, kleine Konzerte und Feste geben. Ihre Speisekarte planen die Wirte „klein, einfach und lecker“. In München koste die Portion Pommes bei ihnen 3,80 Euro, in Kohlgrub dürfte die kaum teurer sein. „Preise, die sich jeder leisten kann“, möchte Julian Hahn.

Wie „Gans am Wasser“ in München: Weiher vor Café Waldschlucht soll zentrale Rolle spielen

„Der Weiher vor dem Haus – etwa 20 Meter breit und 50 Meter lang – erhält eine zentrale Rolle im Konzept, mit Pflanzen, Schilf, et cetera.“ Gerne würden die Brüder darin den Schwimmbetrieb wiederbeleben. „Mich hat Wasser immer begeistert. Ich wollte schon immer mal etwas damit machen“, betonte Julian Hahn Merkur.de zufolge.

Nur deshalb habe er sich im entscheidenden Moment umstimmen lassen. Als sein Bruder Daniel ihm 2019 das heruntergekommene Café in Kohlgrub im Internet zeigte, soll er gesagt haben: „Bleib’ mir bloß weg.“ Sie fuhren dennoch einmal in die Waldschlucht. „Dann war’s vorbei.“

Private Einblicke in das Leben von Julian Hahn bekommen Sie hier. Wie Daniel Hahn den höchsten Kamin Münchens vor dem Abriss bewahren will, lesen Sie hier. (nap) *Merkur.de und tz.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA

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