1. tz
  2. München
  3. Stadt

Schluss mit dem Baby-Boom: Sexualtherapeutin erklärt, warum die Geburtenzahl einbricht

Erstellt:

Von: Sophia Oberhuber

Kommentare

Drillinge in der München Klinik
Glück mal drei in der München Klinik: 2022 kamen dort einmal Drillinge und 120 Zwillinge zur Welt. Die Zahlen liegen im Bereich der Vorjahre. © München Klinik

Die Zahl der Geburten in München sinkt – insbesondere im Vergleich zum Corona-Jahr 2021. Die Gründe dafür liegen laut einer Sexualtherapeutin vor allem in den Folgen der Pandemie.

München - Noch vor einem Jahr war von einem Geburtenrekord die Rede. Trotz Pandemie, trotz Sorgen: 2021 gab es mehr Münchner Kindl als je zuvor. Jetzt scheint Schluss mit dem Baby-Boom zu sein. Im vergangenen Jahr sind etwa neun Prozent weniger Babys in Münchner Krankenhäusern zur Welt gekommen als in 2021. Auch im Vergleich zu den vorhergehenden Jahren ist die Zahl zurückgegangen. Die Gründe sind vielschichtig.

München: 22.284 Babys sind in den Krankenhäusern im Jahr 2022 zur Welt gekommen

Nach Angaben des Standesamts erblickten vergangenes Jahr 22.284 Wuzerl in einem der Münchner Krankenhäuser das Licht der Welt. 6268 Babys davon in einer München Klinik. „In der Geburtshilfe übernehmen wir schon heute eine tragende Rolle für München und das Umland. Wir werden unsere Kapazitäten noch weiter ausbauen“, sagt Geschäftsführer Axel Fischer.

Axel Fischer, Geschäftsführer der München Klinik
Axel Fischer ist Geschäftsführer der München Klinik. © München Klinik

Aber: Mit Blick auf München hat die Zahl der Neugeborenen wieder abgenommen und liegt nun auf dem Niveau des Jahres 2014. Vor allem im Vergleich zum Jahr 2021, in dem 24.089 Münchner Kindl geboren wurden, herrscht jetzt eine Baby-Flaute. Das entspricht dem bundesweiten Trend.

München: Sinkende Geburtenzahl ist für Sexualtherapeutin keine Überraschung

Für die Münchner Sexualtherapeutin Heike Melzer sind die sinkenden Geburtenzahlen keine Überraschung. Grund für die Entwicklung seien die Folgen der Corona-Pandemie. „Viele, die eigentlich erst in einigen Jahren Kinder wollten, haben den Kinderwunsch während der Pandemie vorgezogen. Deshalb gibt es jetzt eine Delle in der Statistik.“

Die Menschen hätten sich während der Corona-Krise mehr nach innen orientiert. Paare hätten gezwungenermaßen viel Zeit in Zweisamkeit verbracht und versucht, das Beste daraus zu machen. „Die einen haben gebacken, die anderen haben sich einen Hund angeschafft und wieder andere haben eben Kinder bekommen“, so Melzer.

Sexualtherapeutin Heike Melzer
Heike Melzer arbeitet in München unter anderem als Sexualtherapeutin und Coach. Sie ist zudem Buchautorin. © privat

Die Münchner Therapeutin sieht im Corona-Baby-Boom aber auch eine Strategie, um der Gefahrenzone zu entkommen. Statt im Großraumbüro mit höherem Ansteckungsrisiko als zu Hause befanden sich die frisch gebackenen Mamas dann im Mutterschutz – und damit in Sicherheit. Das habe auch zu einer Art Nachahmeffekt bei Arbeitskolleginnen geführt.

Therapeutin: Oktoberfest hat mehr Auswirkung auf die Geburtenzahl in München als Inflation

Nun sind die Corona-Einschränkungen größtenteils Geschichte und das Leben findet wieder vermehrt im öffentlichen Raum statt. „Der Fokus hat sich wieder in Richtung Freiheit verschoben. Kinder sind dann vielleicht nicht das Erste, das man damit in Verbindung bringt“, so Melzer.

Wie sich die Geburtenzahlen zukünftig entwickeln werden, kann die Expertin nicht vorhersehen. In der Inflation sieht Melzer aber in München keinen großen Faktor. „Ich glaube, dass das Oktoberfest oder Faschingsfeiern mehr Auswirkungen haben.“

Auch interessant

Kommentare