Erinnerungsort für das Attentat

Olympia 1972: So sieht das Denkmal gegen das Vergessen aus

+
Das Olympia-Denkmal: So will München an das Attentat während der Spiele 1972 erinnern.

München - Vor 43 Jahren sorgen palästinensische Terroristen für eine der schwärzesten Stunden Münchens. 17 Menschen kommen bei einer missglückten Geiselnahme ums Leben. Nun wird dem Attentat gedacht.

Der 5. September 1972 bleibt für Münchnerinnen und Münchner, aber auch für die Menschen auf der ganzen Welt ein einschneidendes Ereignis. Es hätten die Spiele der Freude werden sollen. Was bleibt: Bestürzung und Trauer über den Tod von elf israelischen Sportlern und eines Münchner Polizisten, ermordet von einer palästinensischen Terrorgruppe.

Der Plan des Olympiageländes.

Exakt 43 Jahre danach entsteht auf dem westlichen Lindenhügel auf dem Olympiagelände mehr als nur ein Denkmal. Kunstminister Ludwig Spaenle (54, CSU) und Architekt Peter Brückner stellten den Erinnerungsort vor.

„Einschnitt“ heißt der Ort, an dem das Attentat aus mehreren ­Perspektiven aufgearbeitet wird. „Wir wollen vor allem den Opfern ihr Gesicht wiedergeben“, betont Spaenle unter der Anwesenheit des israelischen Generalkonsuls Dr. Dan Shaham. Der Generalkonsul sagt: „Ich bin sehr dankbar, dass es in Zukunft einen solchen Ort geben wird. Es ist wichtig, dass man nicht nur zurückschaut, sondern auch etwas für die Zukunft lernt.“

Öffnung des Denkmals im Herbst 2016

Eine große Tafel erzählt die Geschichte der Ermordeten, lässt tief in deren Biografie blicken. Im hinteren, zentralen Teil illustriert eine Multimediawand die damaligen Geschehnisse. Architekt Peter Brückner stellt klar: „Dieser Ort wird keinen Museumscharakter haben.“ Wie in den Hügel gefräst, verschmolzen mit seiner Umgebung wird sich der Ort der Erinnerung, des Erklärens und des Lernens ab Herbst 2016 den Besuchern öffnen.

Die Konzeption des Denkmals wurde in enger Absprache mit den Opferfamilien aus Israel und Deutschland realisiert. Die Kosten belaufen sich auf rund 1,75 Millionen Euro und werden auf mehrere Schultern verteilt. Etwa gleichviel investieren der Freistaat, die Stadt München, der Bund und das Internationale Olympische Kommittee (IOC) mit der Global Sports Foundation. Auch der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) wird sich an den Kosten beteiligen.

Attentat während der Spiele

Zwei der palästinensischen Terroristen.

Der Albtraum ging als „Das Massaker von München“ in die Geschichte ein. Die palästinensische Terrorgruppe Schwarzer September drang am Morgen des 5. September 1972 in das Quartier der israelischen Olympiamannschaft ein. Die Terroristen fordern die Freilassung von palästinensischen Gefangenen aus israelischer Haft, wollen samt Geiseln nach Kairo ausgeflogen werden. Bundesinnenminister und Vizepräsident des Organisationskommittees, Hans Dietrich-Genscher bot sich neben anderen als Ersatzgeisel an – vergeblich. Die Befreiung scheitert. Elf Geiseln, ein deutscher Polizist und fünf Terroristen sterben.

Johannes Heininger

Auch interessant

Meistgelesen

S-Bahn-Verbindung zwischen Flughafen und Neufahrn kurzzeitig unterbrochen
S-Bahn-Verbindung zwischen Flughafen und Neufahrn kurzzeitig unterbrochen
Flohmärkte in München: Hier finden Sie alle Orte und Termine
Flohmärkte in München: Hier finden Sie alle Orte und Termine
München, du hast noch immer ein Problem mit Homophobie!
München, du hast noch immer ein Problem mit Homophobie!
Münchens größte Werkstadt: Das neue Viertel hinterm Ostbahnhof 
Münchens größte Werkstadt: Das neue Viertel hinterm Ostbahnhof 

Kommentare