Zahl der Toten 2007 wieder gestiegen/ Heuer schon 29 Fälle

München gedenkt Drogenopfern

Sie war 26 Jahre alt und verbrachte die letzten Stunden ihres Lebens mit einem Freund, bevor sie wegen einer Überdosis Alkohol und Heroin für immer einschlief.

Die Münchnerin ist die 29. Rauschgifttote in diesem Jahr. Am heutigen bundesweiten Drogentotengedenktag (Montag, 21. Juli) werden an der Münchner Freiheit Mitglieder des Vernetzungsgremiums AKAD (Arbeitskreis Akzeptierende Drogenabreit) und Betroffene ab 11.30 Uhr auch ihr gedenken.

2006 sank die Zahl der Rauschgifttoten in Bayern auf 191. Das niedrigste Ergebnis seit 16 Jahren. 2007 stieg die Zahl wieder auf 242. „Diese Zahlen sind kein Indikator für eine gute oder schlechte Drogenpolitik“, sagt Jörg Gerstenberg, Leiter des Drogennotdienstes L 43 von Prop e. V. In München gibt es offiziell keine Drogenszene.

„Es ist Teil der Vertreibungspolitik der Stadt, keine entstehen zu lassen“, sagt Wolfgang Eichinger, Leiter des Kontakladens limit von Condrobs e.V. Das mache es vor allem für Streetworker schwer, an Abhängige heranzukommen. Vieles finde in privaten Wohnungen statt. „Wenn dort jemand stirbt, können wir nicht helfen.“Einrichtung wie das L 43 oder der Kontaktladen limit heißen jeden Abhängigen willkommen, im L 43 können sie sogar schlafen. Die Einrichtung wurde vor 15 Jahren gegründet, um das Problem der obdachlosen Drogenkonsumenten in den Griff zu bekommen. Seitdem hat sich viel getan.

In München gibt es ein Netz leicht zugänglicher Stellen, die Beratung oder auch nur ein warmes Essen anbieten. Zudem hat sich die kontrollierte Ausgabe von Drogen-Ersatzstoffen erheblich verbessert. „In München gibt es bestimmt an die 1200 Substitutions-Stellen“, sagt Gerstenberg. An vielen Stellen bekommen Abhängige auch sterile Spritzen. Die HIV-Neuinfektionen sind dadurch stark zurückgegangen.

Erfolgsgeschichten gebe es zum Glück auch genügend, sagt Gerstenberg. Heute kümmere man sich laut Eichinger nicht nur um die Sucht der Klienten, sondern auch um deren soziales Umfeld. „Wer es schafft, seine Probleme im Alltag in den Griff zu bekommen, Schulden abzubauen, eine Wohnung zu finden, der kann trotz seiner Sucht ein erfülltes Leben führen“, sagt Eichinger. Das ist das Ziel der Streetworker.

Quelle: tz

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