5800 Euro Finderlohn

Frau lässt 100.000-Euro-Geige in Bahn liegen - Mann greift ungeniert zu

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Das Fahndungsfoto zeigt den Mann, als er am 16.4.2016 den Geigenkasten von der Gepäckablage nahm. Darin befand sich die Geige im Wert von rund 100.000 Euro.

München - Es ist bestimmt eines der wertvollsten Stücke, die jemals in der S-Bahn vergessen wurden: Eine 37-Jährige ließ eine 100.000-Euro-Geige liegen - und dann kam alles noch schlimmer.

In der S-Bahn lässt man gern mal was liegen - einen Handschuh, einen Regenschirm, die Zeitung oder ähnliches. Dass jemand ein 250 Jahres altes Familienerbstück im Zug vergisst, geschieht jedoch nicht jeden Tag. Am 16. April 2016 passierte genau das aber der Ehefrau eines Mitglieds des BR-Symphonieorchesters. Sie ließ eine Landolfi-Geige im Wert von 100.000 Euro in der Gepäckablage der S6 von München nach Starnberg liegen. Die Lehrerin an der Musikschule in Starnberg hatte das Instrument ausnahmsweise dabei, weil sie es im Rahmen des "Tag der offenen Tür" an der Musikschule präsentieren wollte. 

Als die 37-jährige Münchnerin jedoch gegen 13 Uhr in Starnberg ausstieg, war sie durch das Gespräch mit einer anderen Passagierin so abgelenkt, dass sie den Geigenkoffer vergaß, in dem sich die Geige und auch ein rund 16.000 Euro teurer Geigenbogen befand. Gesamtschaden: 118.410 Euro. Wert für die Famile: unbezahlbar. "Die Geige gehört der Familie und sie hat für diese einen hohen individuellen Wert", schreibt die Polizei in ihrem Pressebericht. Die Familie erwarb die wertvolle, 250 Jahre alte Geige vor 25 Jahren, als der Ehemann der unglücklichen S-Bahn-Fahrerin - heute Konzertmeister im BR-Symphonieorchester - sein großes musikalisches Talent entdeckte. Eigentümerin ist die 65-jährige Mutter des Musikers, die in Seefeld-Hechendorf lebt. Und exquisit ist allein der Name des edlen Stücks: "Carlo Ferdinando Landolfi nella Contrada diSanta Margarita al segno della Sirena Milano 1758". Der Fall erinnert an das Missgeschick des Star-Musikers Hariolf Schlichting, der seine wertvolle Bratsche im Februar 2016 in der S-Bahn liegen ließ.

Wertvolle Geige verloren: Polizei fahndet nach mutmaßlichem Dieb

Diesmal liegt der Verdacht nahe, dass ein Mann die Geige kurz darauf aus der S-Bahn geklaut hat. Die Polizei wertete die Videoaufzeichnungen aus der S-Bahn aus, und auf den Bildern ist zu sehen, dass gegen 14.10 Uhr ein blonder Mann auf dem Sitz unter der Gepäckablage Platz nahm, auf der der Geigenkoffer lag. Die S6 war da schon wieder auf dem Rückweg in die Innenstadt. Kurz darauf stand der mutmaßliche Täter auf, holte den Koffer herunter und warf einen Blick hinein. Um 14.18 Uhr stieg er am Stachus aus - mitsamt der wertvollen Geige. "Da die rund 100.000 Euro teure Geige bisher nicht aufgefunden wurde, muss davon ausgegangen werden, dass der bislang unbekannte Mann sie unterschlagen hat", so die Polizei. Denn Nachfragen bei Fundstellen blieben ebenso ergebnislos wie polizeiinterne Fahndungen. Der Finderlohn ist hoch: 5800 Euro hat die Versicherung nach tz-Informationen als Belohnung ausgelobt, das sind fünf Prozent des Gesamtwerts. 

Der mutmaßliche Täter wird von der Polizei gesucht.

Im Auftrag der Staatsanwaltschaft München und nach Beschluss des Amtsgerichtes München fahndet die Polizei nun nach dem bislang Unbekannten.Er wird folgendermaßen beschrieben:

- ca. 25-35 Jahre alt, westeuropäisches Aussehen

- blonde Haare, seitlich kurz geschnitten

- athletische Figur (Bodybuilder?)

- Tattoo auf dem linken Oberarm hinten

- bekleidet mit:

- grauem T-Shirt mit blau-gelben Aufdruck vorn

- Trainingsjacke mit weißem Muster an den Ärmeln

- ausgewaschene blaue Jeans

- blaue "Adidas"-Turnschuhe

- unterwegs mit auffällig schwarz-grau-karierter Umhängetasche.

Folgende Gegenstände soll der mutmaßliche Dieb unterschlagen haben: 

- ca. 250 Jahre alte Geige, Hersteller: Landolfi, dunkelbraun, "Landolfi"-Schriftzug im Korpus unterhalb der Schalllöcher

- ein Geigenbogen Marke: J. Tubbs

- Formgeigenkasten mit schwarzem Schonbezug, Marke: "Mooradian Cover Company", Typ: BAM 202XLT ViolinCase

- zwei weitere Gegenbogen unbekannter Marke

- Schulterstütze, Hersteller: Kun, Typ: Bravo

- Kolofonium Marke: Bernandel

- Seidenhülle für Geige.

Sachdienliche Hinweise erbittet die Bundespolizeiinspektion München unter der Nummer 089/515550-111. 

In der S-Bahn bleiben neben wertvollen Gegenständen auch viele kuriose Dinge liegen, wie ein Besuch im MVG-Fundamt zeigte. Und Übrigens: Mit einem Tabu im Profifußball hat die Bahn kürzlich in einem neuen Werbespot gebrochen, in dem zwei schwule Fußballer zu sehen sind.

EU-Urteil: Diese Rechte haben Bahnkunden

Wenn der Zug zu spät kommt, haben Bahnkunden Anspruch auf Entschädigung - selbst wenn höhere Gewalt im Spiel ist. Das hat jetzt der EU-Gerichtshof entschieden. © dpa (Symbolbild)
Grundsätzlich gilt: Ab einer Stunde Verspätung steht Bahnkunden Geld zu. Dann muss das Bahnunternehmen mindestens ein Viertel des Fahrpreises zurückerstatten. © dpa (Symbolbild)
Bei einer Verzögerung von zwei Stunden oder mehr wird eine Entschädigung von mindestens der Hälfte des Preises fällig. © dpa (Symbolbild)
Wenn die Fahrt für den Kunden „sinnlos“ geworden ist, kann er unter Umständen auch eine volle Erstattung des Fahrpreises verlangen. © dpa (Symbolbild)
Bahnreisende haben ab sofort aber auch dann Anspruch auf Entschädigung, wenn die Verzögerung auf höhere Gewalt zurückzuführen ist. © dpa (Symbolbild)
Als höhere Gewalt werden alle Umstände außerhalb des Eisenbahnbetriebs verstanden, die das Unternehmen nicht vermeiden kann. Dazu gehören nach Angaben der Bahn zum Beispiel Unwetter, Streckensperrungen nach Selbsttötungen und Streiks. © dpa (Symbolbild)
Die Luxemburger Entscheidung gilt auch für die Deutsche Bahn und die anderen Betreiber von Zugverkehr in Deutschland. Also haben Bahnkunden künftig einen klaren Rechtsanspruch darauf, bei Verspätungen als Folge höherer Gewalt eine Entschädigung zu bekommen. © dpa (Symbolbild)
Und so geht's: Die Deutsche Bahn hat zusammen mit den meisten konkurrierenden Bahnbetreibern ein einheitliches Antragsformular für die Erstattung eingeführt. Im Formular muss der geplante und der tatsächliche Reiseverlauf angegeben werden, die Art der Fahrkarte und die gewünschte Form der Entschädigung. © dpa (Symbolbild)
In Streitfällen können Bahnkunden die Schlichtungsstelle SÖP (Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr)einschalten. © dpa (Symbolbild)
Jeder Zug, der weniger als sechs Minuten Verspätung hat, gilt noch als pünktlich. Im Fernverkehr schwankte die Pünktlichkeitsquote in diesem Jahr zwischen 65,1 Prozent im Hochwassermonat Juni und 81,0 Prozent im Februar. © dpa (Symbolbild)
Das EU-Gesetzt gilt nicht für den öffentlichen Nahverkehr, Fernbusse, Flüge und Schiffsreisen. © dpa (Symbolbild)

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