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Gerettet aus der Hundehölle - Münchner Tierschützerin berichtet von Einsatz - „Ich war den Tränen nahe“

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Von: Phillip Plesch

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Mutige Tierretterin: Melanie Schmidt mit zwei der geretteten Welpen.
Mutige Tierretterin: Melanie Schmidt mit zwei der geretteten Welpen. © privat

Neuerlicher Schlag gegen illegalen Tierhandel: Eine mutige Münchnerin hat mit der Polizei sieben Hunde vor dem Elend bewahrt.

Es sind Szenen wie in einem Hollywood-Film: In einem düsteren Lager trifft sich Melanie Schmidt (Name geändert) mit Unbekannten, an ihrer Seite ein Zivilpolizist. Das Ziel der Tierschützerin: Welpen aus der Hundehölle befreien. Die Mission gelingt – Happyend in Feldmoching.

Und so kommt es dazu: Am Dienstagabend wird Schmidt auf dem Internetportal Ebay-Kleinanzeigen auf die Welpen aufmerksam. Zum Verkauf stehen in Bayern streng verbotene Kampfhunde. Die American Bully XXL sollen bis zu 700 Euro pro Welpe kosten. Schmidt nimmt Kontakt auf, hat unterschiedliche Ansprechpartner. Zudem ist völlig unklar, woher die Hunde stammen – das alles wirkt auf die erfahrene Tierretterin höchst unseriös. Sie gibt sich als Interessentin aus und vereinbart ein Treffen. „Drei, vier Mal hat sich die Adresse noch geändert“, erzählt sie. Dann ist klar: Donnerstagabend soll die Übergabe in der Lagerhalle im Feldmochinger Gewerbegebiet erfolgen.

Schmidt schaltet die Polizei ein, in Begleitung eines Zivilbeamten kommt sie zum vereinbarten Treffpunkt. Weitere Polizisten warten in der Nähe. „Als wir die Lagerhalle betreten haben, war die Situation sehr undurchsichtig“, berichtet Schmidt. Meterhoch stapeln sich Euro-Paletten. Dazwischen hausen die Hunde: ohne Licht, ohne frische Luft und in ihrem eigenen Kot. „Ich war schockiert, dass es so schlimm ist“, sagt die Tierschützerin. So etwas habe sie in Bayern noch nicht gesehen. „Ich war den Tränen nahe!“

In einer verdeckten Mission legte Schmidt mithilfe ziviler Polizisten illegalen Tierhändlern das Handwerk.
In einer verdeckten Mission legte Schmidt mithilfe ziviler Polizisten illegalen Tierhändlern das Handwerk. © privat

Dann der Zugriff. Drei erwachsene Hunde und vier etwa zwölf Wochen alte Welpen können gerettet werden. „Ein Welpe war leider schon verkauft“, berichtet Schmidt. Die sieben Tiere kommen zur Untersuchung ins Tierheim. Sie sind in Tollwut-Quarantäne. Bei den Welpen wird Wurmbefall befürchtet. Wie es weitergeht, ist unklar. Ein Sachverständiger muss die Rasse bestimmen. Da es sich offenbar um Kampfhunde handelt, ist wichtig, ob sie der Kategorie 1 (z.B.: Pit-Bull, Staffordshire Terrier) oder 2 (z.B.: American Bulldog, Rottweiler) zugeordnet werden. Hunde der Kategorie 1 dürfen bis auf wenige Ausnahmen nicht in Bayern bleiben. „Dann vermitteln wir sie außerhalb Bayerns“, sagt Kristina Berchtold vom Tierheim. Vorausgesetzt, die Tiere kommen nicht zu ihrem Besitzer zurück.

Für die Besitzer geht es zunächst auf die Wache. Die Polizei bestätigt Anzeigen gegen drei Menschen – nach dem Tierschutzgesetz und wegen Steuerhinterziehung.

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