Hanns-Dieter B. über seine Luxus-Geliebte

"Ich wollte sie abstechen"

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Rentner Hanns Dieter B. versteckt sich hinter einem Aktenordner.

München - Ein 71 Jahre alter Angeklagter hat vor dem Münchner Landgericht zugegeben, seine knapp 30 Jahre jüngere Ex-Freundin niedergestochen und lebensgefährlich verletzt zu haben.

Er stach 15 Mal zu. Jetzt sitzt der angeklagte Hanns Dieter B. (71) ruhig und gefasst vor dem Richter. Und sagt mit fester Stimme: „Ich war verliebt, und ich liebe sie immer noch.“

Am Donnerstag begann vor dem Münchner Landgericht der Prozess gegen den Rentner, der seine Luxus-Geliebte Katharina K. (43, Name geändert) im Juli 2011 fast getötet hat. B. hat die Tat gestanden: „Ich wollte sie abstechen.“

Liebe und Geld. Beides machte dem gelernten Schlosser schon immer zu schaffen. Er ist jahrelang weltweit auf Montage unterwegs. Über das Beziehungsende mit seiner zweiten Frau sagt er: „Die hat’s richtig krachen lassen.“ Dann die Liaison mit einer jüngeren Polin, die er an einer Supermarktkasse kennengelernt hat. Er habe ihre Mietrückstände bezahlt – und sie dann mit einem jüngeren Mann erwischt.

Der Rentner, der zuletzt in Tirol lebte, ist einsam. Er versucht es übers Internet mit der Liebe. Katharina K. sucht per Annonce einen „großzügigen Herrn“ – und er antwortet da¬rauf. Die Münchnerin mit russischen Wurzeln ist blond, hat eine Bomben-Figur. Die studierte Germanistin hat Glamour. Er ist 28 Jahre älter, aber nicht unattraktiv. Hanns Dieter B. ist sportlich-schlank, hat eine gesunde Bräune.

Doch sie liebt ihn nicht. Stattdessen gelten feste Abmachungen. „Ich habe ihr jeden Monat 2000 Euro gezahlt“, berichtet der Angeklagte. Dafür sei sie jedes zweite Wochenende zu ihm gekommen, einmal im Monat war er in München – Weihnachten im Preis inbegriffen. Das geht mehrere Jahre gut, trotz mehrmaliger Trennungen.

Das Problem: B. hat eine Rente von 600 Euro. Vor Gericht sagt er, er habe in vier Jahren insgesamt 200 000 Euro in sie investiert. Das meiste sei für Reisen draufgegangen, einmal ging es in die Dominikanische Republik. Die Konsequenz: Schulden, Steuerhinterziehung, mehrere Betrugsdelikte. Von August 2007 bis August 2009 sitzt er deshalb im Knast. Katharina K. zieht sich zurück.

Danach geht das Drama weiter. Kurz vor der Tat habe Katharina K. 4000 Euro verlangt, die habe er aber nicht bezahlen können, sagt B. Im Jahr 2011 hat er schließlich „Rückstände“ bei der Luxus-Geliebten, wie er es nennt. „Ich wusste, wenn sie kein Geld kriegt, ist sie weg.“ Sie habe nur noch gefordert. „Sie kam mir vor wie ein Callgirl.“ Der Angeklagte erzählt, Katharina K. habe kaum mehr auf seine SMS reagiert. Nur einmal schrieb sie: „Kriegst eine Anzeige. Fuck you.“ Da brennen bei B. die Sicherungen durch.

Am 19. Juli 2011 fährt B. zu Katharina. Laut Staatsanwaltschaft mit einem 20 Zentimeter langen Küchenmesser bewaffnet, versteckt in einer Dokumentenmappe. Seine Geliebte kommt gerade aus der Dusche. B. nimmt sie in den Arm, will die „Beziehung“ retten. „Aber sie hat gesagt: ‚Du musst an den A 3 denken – und die Handtasche.“ Da zieht Hanns Dieter B. das Messer. Laut Anklage sticht er für die junge Frau unerwartet und ohne Verteidigungsmöglichkeit zu. In die Brust, den Bauch. Hüfte, Knie, Waden. Der Angeklagte: „Sie hat mordsmäßig geschrien. Alles war voller Blut.“

Die tz hatte kurz nach der Tat mit dem Opfer Katharina K. (43) gesprochen. „Dieser barbarische und entschlossene Ausdruck, und die rasenden Augen, als er zugestoßen hat“, sagte sie damals. „Ich dachte, das war’s jetzt.“

Als Nachbarn an die Tür hämmern, flüchtet der Rentner. Ohne zu wissen, dass die lebensgefährlich verletzte Geliebte nur durch eine Not-OP knapp überlebt. Wenige Stunden später wird er gefasst.

Anwalt Peter Krauß berichtete am Donnerstag, seine Mandantin sei noch in Psychotherapie. Am Montag trifft sie das erste Mal wieder auf ihren Peiniger. „Sie hat Angst, ihm wieder zu begegnen, weil dann alles wieder hochkommt.“

nba/ agu

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