„Die ersten Wochen waren stressig“

München: Erster Genossenschafts-Supermarkt deutschlandweit schafft es ins TV – Berlin zieht nach

Super Team im Supermarkt: Ein Teil der Genossen im Münchner Food Hub
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Superteam im Supermarkt: Ein Teil der Genossen im Münchner Food Hub

Vor 100 Tagen eröffnete in Giesing der Food Hub, der erste Genossenschafts-Supermarkt Deutschlands. Das Konzept kommt an - ähnliche Märkte folgen in weiteren Städten.

München - Der Chefarzt räumt die Regale ein, die Zweifach-Mama sitzt an der Kasse - dafür dürfen sie vergünstigt und nachhaltig einkaufen. Im Juli eröffnete Food Hub in Giesing, der erste Mitmach-Supermarkt Deutschlands. Der Kassensturz nach 100 Tagen: Das Konzept läuft. 1100 Mitglieder sind schon dabei, weitere Städte wollen dem Beispiel folgen!

„Der Zuspruch ist super, die Leute sind begeistert“, freut sich Kristin Mansmann, eine der drei hauptberuflichen Vorstände. Das Prinzip des solidarischen Supermarkts in der Deisenhofener Straße: Nur wer Mitglied ist, darf hier einkaufen. Die Genossenschaft gibt’s für 180 Euro einmaligen Beitrag und zehn Euro pro Jahr, zudem müssen die Mitglieder mindestens drei Stunden pro Monat in der Verwaltung, an den Regalen oder an der Kasse mitarbeiten.

Mitmach-Supermarkt in München: Seit Eröffnung 400 neue Mitglieder dabei

Mit 710 Mitgliedern startete die Genossenschaft, seit der Eröffnung am 8. Juli kamen 400 dazu. Ein bunter Haufen: Vom Studenten bis zum Projektleiter ist alles dabei. Viele lieben die praktische Arbeit - gerade, wer sonst den ganzen Tag am Computer sitzt. Bis auf ein paar Ausnahmen sind die meisten Genossen Laien im Verkauf. „Die ersten Wochen waren ganz schön stressig, weil wir alle einlernen mussten“, verrät Mansmann. „Vor allem die Arbeit an der Kasse ist ein Riesending für jemanden, der das noch nie gemacht hat.“

Vielen ist vor allem das Thema Nachhaltigkeit wichtig: Im Vollsortiment-Markt, der möglichst verpackungsarm auskommt, gibt es regionale Lebensmittel, überwiegend in Bio-Qualität, direkt von teilnehmenden Höfen und Erzeugern. Die Verkaufspreise liegen für die meisten Produkte nur etwa 30 Prozent über dem Einkaufspreis - die Mitglieder sparen also auch. „Wir konnten das Angebot schon deutlich vergrößern, haben jetzt zum Beispiel Süßkartoffeln aus Bayern und Trauben aus Rosenheim dabei“, sagt die Volkswirtin.

Vorbild München: Auch Berlin hat jetzt einen Genossenschafts-Supermarkt

Ziel des Projekts: „In zwei Jahren müssen wir 2500 Mitglieder haben, damit wir in der Gewinnzone liegen“, erklärt Mansmann. Bislang läuft alles perfekt nach Plan. Und andere Städte ziehen bereits nach: In Berlin eröffnete im September ein Mitmach-Supermarkt mit ähnlichem Konzept, weitere Märkte sollen folgen. „Teilweise waren die Initiatoren aus anderen Städten bereits bei uns und haben sich unser Konzept genau angeschaut“, sagt die Münchnerin.

Am Dienstagabend widmeten sogar die Tagesthemen dem Genossenschafts-Markt aus München einen Beitrag. Auch in der Landeshauptstadt will Mansmann die Eröffnung einer zweiten Filiale nicht ausschließen: „Aber bis es so weit ist, dürften noch ein paar Jahre vergehen.“

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