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Abschied vom Leben: Pläne für neues Hospiz in Giesing - Wartelisten „unendlich lang“

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Krebspatientin Claudia W. in ihrem Garten, in dem sie sich gerne aufhält.
Krebspatientin Claudia W. in ihrem Garten, in dem sie sich gerne aufhält. © Marcus Schlag

Nur 28 stationäre Hospizbetten gibt es derzeit in München. Der Verein „DaSein“, der todkranke Menschen schon jetzt ambulant betreut, will das mit einem neuen Hospizhaus in Giesing ändern.

München - Ein klarer Blick kann beruhigen oder erschrecken. Für Claudia W. (57) gilt vielleicht beides: Die Münchnerin leidet an unheilbarem Krebs. Sie hat nicht mehr lang zu leben, das weiß sie – und sie geht mit dieser Situation ganz bewusst um. Sie spricht darüber, erzählt ihre Geschichte. Wenn Fälle wie ihrer wahrgenommen werden, könnte das vielleicht dazu beitragen, ein Projekt Wirklichkeit werden zu lassen, das bisher nur als Architekten-Entwurf existiert: ein Hospiz, das der Verein „DaSein“ vorantreibt. Ein Haus, an der Martin-Luther-Straße in Giesing, soll das werden, in dem todkranke Menschen ihre letzten Tage, Wochen oder Monate in Würde, mit Betreuung und möglichst schmerzfrei verbringen können.

Neues Hospiz in Giesing geplant: Wartelisten in München „unendlich lang“

Für Claudia W. wäre es eine große Erleichterung, wenn es das „DaSein“-Haus bereits jetzt gäbe. Zwei ähnliche Einrichtungen existieren zwar in München, „aber die Warteliste ist unendlich lang“. Insgesamt nur 28 stationäre Hospizbetten in einer Eineinhalb-Millionen-Stadt: Das führt zum Beispiel dazu, dass es für Claudia W. nur eine ambulante Pflegemöglichkeit gibt. Sie lebt in ihrer eigenen Wohnung und bekommt Besuch, zum Beispiel von „DaSein“-Leuten. Die Münchnerin sagt: „Es ist eine unheimliche Beruhigung, dass der ambulante Dienst für mich da ist.“ Besonders wichtig ist das für sie, weil sie allein lebt. Ihr Mann ist vor fünf Jahren verstorben, ihre Verwandten und Freunde sind in ganz Deutschland und im Ausland verteilt.

Damit das geplante Hospizhaus in Giesing möglichst schnell Wirklichkeit werden kann, hat der Verein „DaSein“ einen Spendenabend im Bayerischen Landtag veranstaltet und dort sein Konzept vorgestellt. „Wir sind auf Spenden angewiesen“, sagt Katharina Rizzi, Geschäftsführerin von „DaSein“. An dem Abend wird deutlich, wie sehr das Thema in alle Bereiche der Gesellschaft wirkt. TV-Moderator Günther Jauch führt durch den Abend und sagt: „Ich bin vom Hospiz-Gedanken sehr begeistert. Die Atmosphäre, die in diesen Häusern herrscht, erleichtert nicht nur den Sterbenden das Sterben, sondern macht die Situation auch den Angehörigen erträglicher.“ Letztlich kommen 150 000 Euro zusammen, aber noch fehlt viel Geld. Die Baukosten für das Hospiz werden auf mindestens zwölf Millionen Euro geschätzt.

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Hospizplätze in München: Abschied vom Leben - „und dann kam alles ganz anders.“

Für Claudia W. wäre ein Hospizplatz auch deshalb so wichtig, weil sie alleine lebt. Gut fünf Jahre ist es jetzt her, dass Claudia W. die Diagnose Eierstockkrebs bekam. Nach einer erfolgreichen OP und dem Neustart ins Berufsleben in einem Verlag schien alles gut zu werden – doch wenig später stellten die Ärzte einen erneuten und besonderes aggressiven Krebsbefall fest. Claudia W.: „Das war ein unheimlicher Schock. Ich hatte eigentlich mein normales Leben zurück – und dann kam alles ganz anders.“ Anders – und schlimmer. Im Sommer 2019 entdeckten die Ärzte Metastasen, die Krankheit war nicht mehr aufzuhalten. Nach vielen Höhen, Tiefen und anstrengenden Chemotherapien rieten die Ärzte Claudia W. im November 2021, sich nach einem Hospizdienst zu erkundigen. Da war für sie klar: Es gibt keine Hoffnung auf Heilung mehr.

Seitdem wird Claudia W. vom ambulanten Hospizdienst „DaSein“ betreut – und diese Betreuung ist mittlerweile auch ein Abschied vom Leben. Claudia W.: „Die Ärzte haben zu mir gesagt: Sie werden voraussichtlich in den nächsten Wochen sterben.“ Aber: „Auch wenn ich das Ganze realistisch sehe, trage ich immer ein wenig Hoffnung in mir.“ Deshalb hat sie nochmals eine Immuntherapie begonnen. Laut Experten kann die Behandlung immerhin die Symptome lindern.

Claudia W. hat einen klaren Blick – aber leicht ist es nicht für sie: „Ich glaube, grundsätzlich habe ich keine Angst vor dem Tod. Aber ich bin halt so traurig, weil ich gern lebe und auch gern weiterleben würde…“ (MARIE-THERES WANDINGER)

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