Traurige Nachrichten

Nach 86 Jahren: Traditions-Geschäft macht dicht - Sorge um Münchner Innenstadt wird größer

Der Juwelier Nußstein in der Münchner Innenstadt. Große Poster zeigen an: Alles muss raus.
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Der Juwelier Nußstein in der Münchner Innenstadt muss schließen.

Die letzten Waren liegen in der Auslage, starke Rabatte locken Kunden an – noch öffnen die Türen jeden Morgen. Doch nach 86 Jahren schließt der Juwelier Nußstein bald für immer seine Pforten.

  • Nach 86 Jahren schließt der Juwelier Nußstein bald für immer seine Pforten.
  • Wegen Corona sperrt er später zu, als eigentlich geplant war.
  • Die schwere Entscheidung traf er schon vor drei Jahren.

München* - Die letzten Waren liegen in der Auslage, starke Rabatte locken Kunden an – noch öffnen die Türen jeden Morgen. Doch bald ist Schluss damit: Nach 86 Jahren schließt der Juwelier Nußstein für immer seine Pforten. „Ich habe keine Lust mehr, keine Erben und noch ein zweites Geschäft am Gärtnerplatz“, erklärt Achim Stöckle, einer der Inhaber, auf tz-Nachfrage. 

1934 eröffnete der Uhrmacher Johann Nußstein das Uhren- und Schmuckgeschäft in Giesing. Stöckle ist seit 2001 Geschäftsführer des Traditionsgeschäfts, seit 2010 teilt er sich den Posten mit Matthias Lewalter.

Im Gegensatz zu vielen anderen aktuellen Geschäftsschließungen in München habe das Ende des Juweliers Nußstein nichts mit Corona zu tun. „Dass ich aufhöre, habe ich schon vor drei Jahren entschieden, seither wissen es auch meine Mitarbeiter“, so der gelernte Uhrmachmeister. Auch mit seinem Geschäftspartner habe es einfach nicht gepasst.

Bis Mitte August hat der Juwelierladen noch offen

Und dennoch hatte die Pandemie Auswirkungen auf den Schließungsplan: Der Mietvertrag sei bereits Ende April ausgelaufen, die Schließung wurde jedoch zwei Mal verschoben. „Dem Vermieter war das egal, er hatte durch Corona keinen Nachmieter“, so Stöckle. Der Räumungsverkauf von Schmuck, Uhren und Trauringen hat dann erst im Juni begonnen. „Wir haben das ohne Printwerbung gemacht und nur unsere Kunden angeschrieben“, erzählt der 55-Jährige. Wie das während der Pandemie lief? „Hervorragend“, freut sich Stöckle. „Alle sind brav gekommen, auch ältere Kunden, die schon lange nicht mehr da waren – und zweitweise kamen so viele, dass es einstündige Wartezeiten gab.

Bis Mitte August gibt es jetzt noch die Chance, etwas in dem Giesinger Traditionsgeschäft zu kaufen. Was danach mit den Räumlichkeiten passiert, steht noch nicht endgültig fest. „Es gibt derzeit Gespräche mit einem Physiotherapeuten“, verrät Stöckle, unterschrieben sei jedoch noch nichts.

Die Sorge um die Münchner Innenstadt ist groß. Ein Geschäft nach dem anderen taucht derzeit in den Schlagzeilen auf: Schließung wegen Corona. Ende Oktober werden die Mitarbeiter der Galeria Kaufhof Filiale am Stachus vor verschlossenen Türen stehen - und auch das Traditionsgeschäft Jeans Kaltenbach hat kürzlich Insolvenz angemeldet. Ganz neu im sinkenden Boot: Die San Francisco Coffee Company, die mehrere Fillialen in der Innenstadt hat und deren Insolvenzverwalter derzeit nach einem Investor sucht. Kassandra Fischer - *tz.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Ein Umstand trübt laut einer Studie das Bild vom schönen München. Nur ein Drittel der Befragten rechnet mit einer Besserung – und Fachkräfte wandern ab.

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