Nur Corona-Krise bremst noch aus

„Meilenstein“: Beliebte Brauerei eröffnet neuen Betrieb in München - Wiesn-Bier als nächster Schritt?

München: Brauerei eröffnet neuen Betrieb in Milbertshofen - Wiesn-Bier als nächster Schritt?
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Firmengründer Steffen Marx vor den mit Graffiti geschmückten Biertanks.

Eine beliebte Brauerei ist in München auf Expansionskurs. In Milbertshofen hat eine zweite Produktionsstätte eröffnet. Der große Traum bleibt das Oktoberfest.

  • Das Giesinger Bräu ist auf Expansionskurs.
  • Am Mittwoch (3. Juni) wurde in Milbertshofen eine zweite Produktionsstätte eröffnet.
  • Damit vergrößert sich der jährliche Ausstoß von derzeit 12.000 auf mehr als 30.000 Hektoliter pro Jahr.
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München - Es begann in einem Hinterhof in der Birkenau. Dort richtete Steffen Marx 2006 mit einem Kumpel seine erste Braustätte in einer Garage ein. 200 Hektoliter pro Jahr wurden zum Start gebraut. Aus der charmanten Hinterhof-Idylle erwuchs bald eine seriöse Geschäftsidee. Auch, weil das Giesinger Bräu in der Stadt immer beliebter wurde. Marx eröffnete im Oktober 2014 eine Betriebsstätte am Giesinger Berg samt Gastronomie. Dort werden heute 12.000 Hektoliter pro Jahr abgefüllt. Künftig werden es mehr als 30.000 Hektoliter sein.

München: Giesinger Bräu eröffnet Produktionsstätte in Milbertshofen - Betrieb offiziell aufgenommen

Denn am Mittwoch nahm das „Werk 2“ an der Detmoldstraße in Milbertshofen offiziell seinen Betrieb auf. „Ein Meilenstein in der Geschichte der Brauerei“, wie Marx sagte. Zum Anstoßen war auch OB Dieter Reiter (SPD) gekommen, der am Rande der Feierstunde versicherte: „Wenn mir das Bier nicht so gut schmecken würde, wäre ich nicht hier gewesen.“ Reiter attestierte dem Giesinger Bräu, den Münchner Biermarkt zu beleben. „Und das auf eine coole, bemerkenswerte Art.“ Die zehn Tanks in der neuen Produktionsstätte zieren Graffiti von Münchner Künstlern. Der OB sagte, die Firmenhistorie zeige, was möglich sei, „wenn man Ideen hat“. Waren es 2014 noch 18 Mitarbeiter, beschäftigt der Betrieb nun 70.

Giesinger Bräu: Siebte Münchner Biermarke - Giesinger strebt Marktanteil von 1,5 Prozent an

Das Giesinger ist nach den sechs berühmten Münchner Brauereien (Augustiner, Hofbräu, Paulaner, Hacker-Pschorr, Löwenbräu, Spaten-Franziskaner) die siebte Biermarke in der Stadt.

Marx strebt mittelfristig einen Marktanteil von 1 bis 1,5 Prozent in München und Umgebung an. Klingt nach wenig, ist aber angesichts der konkurrierenden Branchenriesen ein gewaltiges Pfund. Das Werk 2 konnte bereits nach 18 Monaten Bauzeit eröffnet werden. Das Giesinger Bräu hat das Gelände vom Immobilienentwickler Aurelis langfristig gepachtet.

Am neuen Standort wurden rund 20 Millionen Euro investiert, mehr als die Hälfte davon in die Brauerei- und Abfüllanlage. 10.000 Flaschen pro Stunde können gefüllt werden. Das Wasser wird aus einem 150 Meter tiefen Brunnen gefördert. Mit den zehn Tanks (Fassungsvermögen 300 Hektoliter) ist das Ende der Fahnenstange nicht erreicht. Zwölf weitere Tanks sind geplant. Während im Stammhaus an der Martin-Luther-Straße künftig alle Spezialitäten- und Craft-Biere gebraut werden, produziert das Unternehmen im Werk 2 vor allem die „Giesinger Erhellung“ und weitere untergärige Biere.

München: Giesinger Bräu eröffnet Produktionsstätte in Milbertshofen - Oktoberfest-Traum lebt weiter

Am neuen Standort wird es auch Führungen geben. Und einen Veranstaltungssaal für 200 Personen, den Firmen und Privatleute mieten können. Wann der in Betrieb genommen wird, steht angesichts der Corona-Krise laut Fatma Sanli allerdings noch nicht fest. Sie ist beim Giesinger Bräu sozusagen das Mädchen für alles. Auch die Schänke am Giesinger Berg ist bis mindestens 1. Juli noch geschlossen, was Sanli in der Seele wehtut. Aber wegen der Hygieneregeln sei vorerst nicht an eine Öffnung zu denken. Es komme keine bayerische Gemütlichkeit auf. Übertragungen der Löwen-Geisterspiele – die Schänke ist eine Heimstatt der Sechzgerfans – wird es also im Juni nicht geben. Und auch nicht Kleinkunst oder Konzerte.

Und noch etwas. Bekanntlich hat das Giesinger Bräu auch schon mal leise an die Tür zum Oktoberfest angeklopft. Nicht offensiv, wie OB Reiter auf Nachfrage beteuerte, sondern mit Bedacht. Er schätze es sehr, wie sich die Brauerei Schritt für Schritt unprätentiös entwickle. Wer weiß: Wenn das Giesinger weiter in dem Maße wie bisher expandiert, darf Marx die Firmenhistorie womöglich eines Tages um einen wesentlichen Eintrag erweitern. Der würde dann vermutlich lauten: Von der Hinterhof-Idylle auf die Wiesn.

Klaus Vick

Carmen Ick-Dietl

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