„Eine echte Tragödie“

Streit im Münchner Glockenbachviertel: Beliebtes charakteristisches Bauwerk ist weg - seit über einem Jahrzehnt stand es da

Michael Baumgartner zeigt auf das „Rosa Stangerl“, den Maibaum mit Wappen und Zeichen von schwulen Münchner Verbänden
+
Michael Baumgartner zeigt auf das „Rosa Stangerl“, den Maibaum mit Wappen und Zeichen von schwulen Münchner Verbänden.

Seit über einem Jahrzehnt stand der „schwule Maibaum“ am Karl-Heinrich-Ulrichs-Platz im Glockenbachviertel – stolz und stattlich. Doch nun ist das Symbol für Gleichberechtigung Geschichte.

  • Über ein Jahrzehnt war der „schwule Maibaum" im Glockenbachviertel ein charakteristisches Bauwerk.
  • Doch das ist nun vorbei. Der Maibaum wurde abgebaut - auch das „Rosa Stangerl“ gibt es nicht mehr.
  • Den Passauer Initiator Michael Baumgartner macht die entstandene Situation sprachlos.

Update vom 6. August, 16.14 Uhr mit Richtigstellung: In der ursprünglichen Version stand im Artikel, dass der „schwule Maibaum" im Glockenbachviertel abgebaut werden musste. Richtig ist, dass Baumgartner nicht gezwungen wurde, sein Herzensprojekt abzubauen. Vielmehr brachte der länger andauernde Streit ihn dazu, das Bauwerk abzubauen.

Maifest "Rosa Stangerl" in München nicht im Sinne der queeren Community?

München - Er war ein Wahrzeichen, ein Symbol für die Gleichberechtigung, für ein buntes Miteinander. WAR. Denn seit ein paar Tagen ist das 14 Meter hohe Stangerl Geschichte. „Eine echte Tragödie“, klagt Michael Baumgartner (33). Er hat das „Rosa Stangerl“, das schillernde Maifest am Baum, vier Jahre lang veranstaltet. Und jetzt hat er den „schwulen Maibaum“ in München* selber abbauen lassen. Statt des Wahrzeichens gibt’s am Platz jetzt nur noch einen Holzkasten.

Baumgartner sagt: „Es gibt Situationen im Leben, die einen sprachlos machen.“ Dabei spielt der Passauer auf einen Streit an, der seit Monaten schwelt. Vor vier Jahren, so sagt Baumgartner, habe er mit den vorherigen Veranstaltern vereinbart, das traditionelle Maifest bis einschließlich 2021 auf dem Karl-Heinrich-Ulrichs-Platz ausrichten zu dürfen. Doch im vergangenen Jahr seien immer mehr Vorwürfe gegen ihn erhoben worden. „Meine Vertragspartner meinten“, so Baumgartner, „dass ich die Veranstaltung nicht im Sinne der queeren Community austragen würde.“

Zeit des "schwulen Maibaums" vorbei: Doch das Stangerl soll bald woanders glänzen

Daraufhin sei er aufgefordert worden, sein Vertragsrecht aufzugeben und die Organisation der Veranstaltung abzugeben – mitsamt des Maibaums. „Eine Unverschämtheit“, schimpft Baumgartner. Schließlich habe er nicht nur viel Geld, sondern auch jede Menge Herzblut investiert.

Die Hintergründe bleiben einstweilen noch unklar. Baumgartners Vertragspartner waren bis Mittwoch nicht zu erreichen. Fakt ist aber so oder so: Michael Baumgartner hat seinen Maibaum schon abbauen lassen. Nun soll das Stangerl an einem anderen Ort glänzen – stattlich und stolz, wie gehabt. Wo das sein wird? Das bleibt Michael Baumgartners Geheimnis…

Der Maibaum war über viele Jahre der Stolz der Szene, doch Gegenwind gab es öfter: Im vergangenen hatten Unbekannte Schilder geklaut.

Der Sommer in München könnte so schön sein, wären da nicht die Plagegeister Wespen, die einem im Biergarten oder beim Grillen auf die Nerven gehen.

Auch interessant

Meistgelesen

München als reales „Monopoly“? Milliardär kauft sich nächste Immobilie - mitten im Herzen der Stadt
München als reales „Monopoly“? Milliardär kauft sich nächste Immobilie - mitten im Herzen der Stadt
Erst letzte Woche verordnet: München kippt Corona-Regel - einschneidende Maßnahme fällt wieder weg
Erst letzte Woche verordnet: München kippt Corona-Regel - einschneidende Maßnahme fällt wieder weg
Frau radelt durch München, dann macht sie widerliche Entdeckung - Polizei schickt prompt mehrere Streifen los
Frau radelt durch München, dann macht sie widerliche Entdeckung - Polizei schickt prompt mehrere Streifen los
Münchner Wirt fühlt sich von seiner Versicherung im Stich gelassen - „Es geht um meine Existenz“
Münchner Wirt fühlt sich von seiner Versicherung im Stich gelassen - „Es geht um meine Existenz“

Kommentare