Google-Fotos: Erste Pixel-Panne

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Google hat in „Street View“ Gebäude der U-Bahn-Zentrale an der Arena unkenntlich gemacht, obwohl die MVG das nicht beantragt hat.

München - Seit einer Woche kann die ganze Welt im Internet durch die Allianz Arena und über den Königsplatz spazieren, bald soll die ganze Stadt folgen – doch die Stadtansicht Street View des Internet-Konzerns Google ist in München mit einer Datenschutz-Panne gestartet.

Unkenntlich gemachte Gebäude sind doch zu erkennen! Der Datenschutz-Protest ­gegen Street View war riesig: Google gab daraufhin besorgten Bürgern die Chance, der Darstellung ihres Wohnhauses zu widersprechen. Rund eine Viertelmillion Haushalte nutzten das in den 20 Städten, die Google bald freischaltet. Deren Häuser sollten unkenntlich gemacht werden – meist werden dabei die Bildschirmpunkte vergröbert, man nennt das „pixeln“.

Am Münchner Beispiel zeigt sich nun eine doppelte Panne: wie übereifrig Google mit dem Datenschutz umgeht – und wie schlampig. Wer am Monitor die so genannte Esplanade zur Allianz Arena hinauf wandert, stößt links von der Rampe auf die ersten unkenntlich gemachten Gebäude der Stadt. An dieser Stelle schlägt seit fast 40 Jahren das Herz der Münchner U-Bahn. Dort, am Hans-Jensen-Weg, steht die Technische Basis, in der die Münchner Verkehrsgesellschaft Züge wartet, putzt, repariert. Zehntausende Fußball-Fans laufen wöchentlich zu den Heimspielen daran vorbei.

Was hat die MVG denn auf einmal zu verbergen? Nichts. Die Verwunderung in der Zentrale war groß auf die Anfrage der tz, die Verfremdung war noch niemandem aufgefallen. Und sie hat auch niemand bestellt. „Wir haben nichts zu verheimlichen und auch keinen Antrag gestellt“, heißt es bei der Tochtergesellschaft der Stadtwerke, wo die vermeintliche Geheimniskrämerei auf keinerlei Gegenliebe stößt. „Wir stehen Street View aufgeschlossen gegenüber.“

Aus anderer Perspektive ist das Haus doch zu erkennen!

Bei Google liegen offenbar die Nerven blank. Denn der Internet-Riese begründet die Verfremdung mit der aktuellen Test-Phase. „Bei der Vorschau von Street View in Deutschland standen die Arenen im Vordergrund. In Absprache mit der jeweiligen Betreibergesellschaft haben wir sowohl Innen- als auch Außenansichten fotografiert“, erklärt Sprecherin Lena Wagner auf Anfrage der tz. „Diese Absprache galt nicht für Gebäude im unmittelbaren Umkreis, weswegen wir diese unkenntlich gemacht haben.“

In ein paar Tagen stellt Google die ganze Republik ins Internet – und jetzt nimmt man Rücksicht auf MVG und Stadtwerke? Dabei hat Google nichtmal diese eigene Maxime beherzigt. Denn die U-Bahn-Basis haben die Stadtknipser nicht vollständig verfremdet. Nur aus nächster Nähe sind die Gebäude wirklich verpixelt. Geht man nur einen einzigen Schritt zur Seite, erscheint ein Großteil der Gebäude ganz ohne Verfremdung. Pixel da, Pixel weg, Pixel da: Wird man auf diese Art nach dem Deutschland-Start auch alle geschützten Häuser in München erkennen können? Der Verdacht liegt nahe.

Denn auch in der Google-Mustergemeinde Ober­staufen war es zu genau dieser Panne gekommen. Der Ort im Allgäu hatte sich freiwillig ins Internet stellen lassen – bis auf fünf Familien. Deren Häuser sollten zwar unkenntlich sein, waren aber aus manchen Perspektiven doch zu sehen, wie die Internet-Seite Datenschutz ist Bürgerrecht der Grünen berichtet. Auf den Apple-Geräten iPhone und iPad waren alle Gebäude sogar völlig frei zu sehen – ein Software-Fehler, räumt Google ein. Jetzt sind die Bilder ganz aus Street View verschwunden – zur Überarbeitung. Die Münchner Fotos sind noch zu sehen. Die Stadtwerke hoffen, dass ihre Einrichtungen nach dem offiziellen Street View-Start vollständig zu erleben sein werden. Schließlich kann die kostenlose Internet-Werbung etwa in die Schwimmbäder neue Kunden anlocken. Die Bürger wollen das Gegenteil – dass die Bilder möglichst keine ungebetenen Gäste anziehen.

David Costanzo

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