Auch andere Plätze kommen schlecht weg

„Mischung aus Sportplatz und Kläranlage“: Touristen lästern massiv über München und den Englischen Garten

Die Feierwiese am Monopteros im Englischen Garten: Gefällt nicht jedem.
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Die Feierwiese am Monopteros im Englischen Garten: Gefällt nicht jedem.

Das trifft die Münchner Seele schwer: Touristen aus Deutschland und der Welt lästern via Google über die Sehenswürdigkeiten von München - und das gnadenlos.

  • München* war 2019 die Touristenmetropole Deutschlands mit den meisten Übernachtungen gemessen an der gesamten Besucherzahl.
  • Doch nicht jeder München-Besucher zeigt sich überzeugt von den Sehenswürdigkeiten.
  • Online, vor allem bei den Google-Bewertungen, werden die München-Besucher unangenehm ehrlich.

München - Der Englische Garten, Münchens grüne Lunge im Zentrum der Landeshauptstadt, größer als der Central Park, durchzogen von Eisbach und Isar. Ein Spaziergang unter schattigen Bäumen über saftige Wiesen, danach ein Feierabendbier in der Abendsonne unterhalb des Monopteros - das ist Münchner Lebenskultur und wohl ein Muss für jeden München-Touristen. Könnte man meinen.

Google-User lästert über Englischen Garten und Münchner: „Einbetonierte Gewässer, ungepflegte Grünflächen“

Ein Blick auf die Google-Bewertungen über den Englischen Garten hinterlässt da einen anderen Eindruck, wenn nicht sogar schwarze Flecken auf der Münchner Seele. „Einbetonierte Gewässer, ungepflegte Grünflächen. Es gibt keine Edelbäume, kein Baum scheint über 50 Jahre alt zu sein, stattdessen Pappeln“, schreibt Michael Rand. Kurz: „Irgendwas zwischen Sportplatz und Kläranlage." Autsch...

„Irgendwas zwischen Sportplatz und Kläranlage.“

Michael Rand, Local Guide im sechsten Level bei Google, über den Englischen Garten.

Herr Rand ist nicht irgendwer, er bewertet gerne, ausführlich und oft und wurde dafür von Google als „Local Guide“ im sechsten Level ausgezeichnet. Was das auch immer heißen mag. Aber sogar bild.de ist Rands Meinung eine Überschrift wert. Rand schreibt weiter: „Durch den Park verläuft eine Straße, die von Linienbussen stark genutzt wird. Der Name ‚Englischer Garten‘ ist wohl etwas hochtragend für die Anlage.“ Und dann gibt‘s nach dem München-Bashing gleich noch ein bisserl Münchner-Bashing dazu: „Das Publikum besteht hauptsächlich aus Joggern, und aus Hundebesitzern. Einen Hund an der Leine, den anderen als Bommel an der Mütze oder als Kragen an der Jacke.“ Ein Stern von fünf.

Gut, Rands Bewertung ist eine von über 40.000 bei Google. Und die Durchschnittsnote für den Lieblingsort der Münchner kann sich mit 4,7 von fünf möglichen Sternen durchaus sehen lassen. Aber Rand ist nicht allein.

Häufigste Kritik am Englischen Garten: Müll, Menschenmassen - und keine Toilletten

Viele negative Bewertungen beinhalten durchaus konstruktive Kritik. Zu wenig öffentliche Toiletten und zu viele Menschen und Müll sind so die meistgenannten Kritikpunkte. Aber viele werden auch gleich wieder persönlich - oder scheinen persönlich enttäuscht gewesen zu sein. „Der berühmte Englische Garten ist eine Lachnummer“, schreibt etwa Flor Nehreim. „Das ist kein Park, sondern ein Zustand. Sehr ungepflegt.“ Und Achtung, jetzt wird‘s richtig fies: „Die Münchner sollte sich mal an Hamburg ein Beispiel nehmen. Da gibt es mehr als genug schöne Parks.“

Touristen-Kritik an Marienplatz: „negative Ausstrahlung“ und „selbst zu Corona völlig überlaufen“

Und nicht nur der Englische Garten, auch andere vermeintliche Sehnsuchtsorte bekommen ihr Fett weg. „Schade, dass das Glockenspiel nur dreimal am Tag spielt und um 17 Uhr seine Tätigkeit einstellt.“ schreibt etwa Google-Kritiker „Ob sidian“ zum Rathaus-Glockenspiel* auf dem Marienplatz. „Man könnte grad meinen, es muss jemand von Hand die Kurbel drehen...“ Etwas arg subjektiv liest sich die Aussage von Lars Mühlenbruch, ebenfalls Local Guide: „Steht in Verbindung mit Meisterschaften des FC Bayern München und hat daher ein sehr negative Ausstrahlung.“ Abgesehen davon sei es aber „ein schöner Ort. Auch, wenn er selbst zu Coronazeiten völlig überlaufen ist.“

Diese Hauptkritik am Marienplatz scheint allerdings auch hier etwas widersprüchlich und sehr symptomatisch für unsere Zeit. Touristen kritisieren - Touristen: .. „Man muss im Zickzack durch die Menschenmengen durchlaufen. Absolut unangenehm!“, schreibt Kathi Klein. Und Hans Jürgen Frohne ergänzt trocken: „Ich bin nur vorbeigegangen.“ Andere kritisieren, dass der Marienplatz zu viel für Demos* genutzt wird. Auch ein Standpunkt, den man so stehen lassen kann.

Insgesamt aber erfreut sich auch der Marienplatz einer sehr guten Google-Bewertung von 4,7 Sternen im Durchschnitt und das bei rund 75.000 Stimmen.

Urlauber lästern über München: Schloss Nymphenburg „durchschnittlich interessant“

Schloss Nymphenburg liegt da nur noch bei 4,6 Google-Sternen. „Im Vergleich zu anderen Schlössern ist es eher durchschnittlich interessant“ attestiert Local Guide R.K. der Anlage. Auch der Park sei jetzt "auch nicht außergewöhnlich.". Andere beschweren sich über die unhöflichen, gar ruppigen Kassenkräfte am Eingang. Hier wehrt sich aber die Schlösserverwaltung gegenüber der Bild Zeitung: „Unser Kassenpersonal wird regelmäßig im Umgang mit Besucherinnen und Besuchern geschult.“ *tz.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Die Polizei bereitet sich in München auf einen Großeinsatz vor. Am Odeonsplatz soll eine Corona-Demo stattfinden, für die bereits bundesweit mobilisiert wird. Die Stadt München will unterdessen einen absoluten Weltstar ehren.

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