Impfstoff gegen Influenza ist aus

„Eine Total-Katastrophe“ mit Grippe und Corona: Hat München wegen Jens Spahn ein neues Virusproblem?

Vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie rät die Politik zur Grippe-Impfung. Doch Patienten, Ärzte und Apotheker klagen über Engpässe. In München spitzt sich die Lage mittlerweile zu.

  • Abseits der Bekämpfung gegen das Coronavirus ruft Jens Spahn zur Impfung gegen die Grippe auf.
  • In München* scheint sich eine Grippeimpfung derzeit schwierig darzustellen. Der Ansturm ist riesig.
  • Gibt es einen Zusammenhang mit den Äußerungen des Bundesgesundheitsministers?

München - So viele Impfdosen standen noch nie zuvor in Deutschland für die Grippe­impfung zur Verfügung.“: Dieses Zitat stammt von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU). Helmut Schäfer (72) aus Kirchheim (Kreis München) hat davon aber herzlich wenig. Seit drei Wochen versucht er, sich gegen Grippe impfen zu lassen. Vergeblich.

„Ich war bei mehreren Ärzten in München und im Landkreis und bei allen möglichen Apotheken – niemand hat den Impfstoff“, sagt der Rentner. Eine andere Seniorin, die sich bei der tz meldete, erlebt gerade Ähnliches. Einer der Ärzte, bei denen sie anrief, vertröstete sie für einen Impftermin auf Ende Dezember.

München während Corona: Grippeimpfung für Risikopatienten mancherorts nicht möglich

Dabei wirbt die Politik, man solle sich impfen lassen – allen voran die Risikogruppe, zu der Schäfer wegen seines Alters und einer Vorerkrankung gehört. Zur Grippe-Impfung raten Politiker auch deshalb, weil dann weniger Patienten in Kliniken behandelt werden müssen und so mehr Platz für Corona-Patienten bleibt. Laut einer Studie erkranken gegen Grippe Geimpfte zudem seltener an Covid-19.

Über 26 Millionen Impfdosen hat das Bundesgesundheitsministerium für diese Saison bestellt. Bayern hat 550.000 zusätzliche Dosen gekauft. Problem: „Die Ankündigungen aus der Politik haben zu einem wahren Run auf die Praxen geführt“, heißt es vom Vorstand der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB). Das bestätigt Sportmediziner Karlheinz Zeilberger: „Ich habe jetzt schon doppelt so viel geimpft wie im Vorjahr – bis Mitte November wird es das Dreifache sein.“

Seine Praxis in der Innenstadt sei noch nicht von Engpässen betroffen. „Ich habe aber auch schon von Kollegen gehört, die nichts mehr haben.“ Ein Rundruf bei Münchner Arztpraxen und Apothekern bestätigt das. „Der Impfstoff ist aus, der Großhandel kann derzeit nichts nachliefern“, sagt etwa Rainer Zipf von der St. Quirin-Apotheke in Aubing.

München während Corona: Keine Grippeimpfung möglich wegen Aufruf von Jens Spahn?

„Herr Spahn hat uns mit seiner Aussage eine Total-Katastrophe beschert“, schimpft Allgemeinmediziner Markus Frühwein. Abgesehen vom Ansturm auf die Praxen gebe es ein weiteres Problem: Ärzte müssen den Impfstoff schon Anfang des Jahres bestellen. Da war das Ausmaß der Corona-Krise* noch nicht absehbar. Und: „Wer zu viel bestellt und nicht alles los wird, muss den Überschuss am Ende selbst zahlen“, erklärt Frühwein.

7,4 Millionen Impfdosen werden laut Bundesgesundheitsministerium in den nächsten Wochen ausgeliefert. Laut KVB sind die aber bereits zum größten Teil vorreserviert. Risikopatienten sollten daher bevorzugt werden. Helmut Schäfer kann da nur den Kopf schütteln. Seine Ansage: „Herr Spahn, Sie sollten ihre Versprechen einhalten!“

Steigende Coronazahlen führten zu Verschärfungen: Seit 2. November gilt auch in München der von Kanzlerin Merkel verordnete Teil-Lockdown. Die aktuelle Lage in der Stadt im News-Ticker*. *tz.de ist ein Angebot des Ippen Digital Netzwerks

Rubriklistenbild: © Christoph Soeder/dpa

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