… von Münchnern, die Reiter und Schmid heißen

Ein Jahr im Amt: Die große Bürgermeister-Bilanz

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Dieter Reiter und Josef Schmid sind jetzt ein Jahr im Amt.

München - Dieter Reiter (56) und Josef Schmid (45) sind seit einem Jahr im Amt: In der tz sagen jetzt ihre Namensvetter, was sie von der Arbeit der neuen Stadtspitze halten.

Ein Jahr ist es nun her: Da übernahm Dieter Reiter (56, SPD) das Amt des Oberbürgermeisters in unserer Stadt. Nur wenige Wochen später wurde die Große Koalition im Stadtrat geschmiedet – und Reiters Herausforderer Josef Schmid (45, CSU) zum Bürgermeister gewählt. Wie macht sich die neue Stadt-Spitze? Sind die Bürger zufrieden mit ihrer Arbeit? Die tz fragte bei 16 echten Münchnern nach. Aber nicht irgendwelchen – sondern bei acht Reiters und acht Schmids. Hier sind die Antworten der Namensvetter.

mw/vu/age/ts/min/joh/we

Die Arbeit von Dieter Reiter

Dieter Reiter

Dieter Reiter wurde am 19. Mai 1958 in Rain am Lech (Schwaben) geboren, er wuchs ab dem dritten Lebensjahr in München auf. Seit 2003 ist er in zweiter Ehe mit Petra Reiter verheiratet und Vater eines Kindes aus erster Ehe. Als Kind aus relativ einfachen Verhältnissen im Gegensatz zu seinem Amtsvorgänger Christian Ude (67) mag er den Kontakt zum Volk: Er führte eine Bürgersprechstunde ein, bei der 40. Münchner in Anwesenheit der Referenten ihre Anliegen vorbringen dürfen, und das vier Stunden lang. Im Juni findet diese zum vieten Mal statt. Reiter ist auch ein Mann der Tat: Als im Oktober vorigen Jahres die Asylunterkunft in der Bayernkaserne aus allen Nähten platzte, ließ der OB sie vorübergehend schließen. Und als im November die Hungerstreikenden Asylbewerber in die Bäume am Sendlinger Tor kletterten, überredete er sie zur Aufgabe, indem er ihnen Unterkunft und warmes Essen versprach.

Rudolf Reiter (88)

Rudolf Reiter, Rentner aus Trudering.

Mir ist der Reiter viel lieber als der Ude, der war ein Schauspieler und irgendwie hat er immer so überheblich gewirkt. Aber der Reiter ist bodenständig, das gefällt mir gut. Alles in allem bin ich bis jetzt schon recht zufrieden mit ihm als Bürgermeister. Allerdings muss ich auch dazu sagen, dass er ja noch nicht so lang im Amt ist. Deswegen will ich den Tag nicht vor dem Abend loben. Ich werde das weiter verfolgen und mich informieren.

Rentner aus Trudering

Heinz Reiter (77)

Heinz Reiter, Rentner aus Aubing.

Ich muss ganz ehrlich sein: Ich bin gar nicht zufrieden mit dem Dieter Reiter.Ich wohne nämlich in einem ehemaligen Haus der Stadtsparkasse, das die GWG übernommen hat. Es wird sich leider ganz wenig um den Zustand der Immobilie gekümmert. Alles verkommt, nichts wird erneuert oder renoviert. Zudem wurden natürlich die Mieten erhöht. Herr Reiter ist ja Aufsichtsrats-Chef der GWG. Somit könnte er die Situation endlich einmal verbessern. Darauf warte ich aber bisher leider vergeblich.

Rentner aus Aubing

Michael Reiter (62)

Dr. Michael Reiter, Neurologe am Neurologie Zentrum Münchner Freiheit.

Lieber Namensvetter, wenn jemand wie Sie in exponierter Position in unserer hektischen Zeit über ein Jahr keine größeren Schlagzeilen hat, so spricht das meiner Meinung nach nur für ihn. Machen Sie Ihrem Namen weiterhin alle Ehre und halten Sie die Zügel fest in der Hand, damit auch störrische Gäule den richtigen Weg finden. Dazu wünsche ich Ihnen auch das notwendige Glück, damit München weiterhin leuchte. Erhalten Sie uns die Liberalitas bavariae.

Neurologe am Neurologie Zentrum Münchner Freiheit

Hubert Reiter (85)

Hubert Reiter, Rentner aus Sendling.

Ich kann über Herrn Reiter gar nicht klagen. Er nimmt sich die Zeit, um auch mit den kleineren Bürgern zu sprechen. Ganz anders als sein Vorgänger, der Christian Ude. Diese Bürgersprechstunde finde ich beispielsweise eine tolle Idee. Da wird eine Beziehung zu den normalen Menschen in unserer Stadt hergestellt, zu ihren Sorgen. Wer hat denn sowas vorher schon mal eingeführt? Da dürfen sie fei lang suchen!

Rentner aus Sendling

Michael Reiter (83)

Michael Reiter, Elektriker in Rente aus Allach.

Der OB Dieter Reiter gefällt mir, bis jetzt hat er seine Sache gut gemacht. Es ist schwer, OB Ude nachzufolgen. Denn den hat man auch gewählt, wenn man kein Parteifreund war, weil er einfach beliebt war. Aber der Reiter ist sympathisch, das wird schon noch. Sein erstes Anzapfen auf der Wiesn habe ich im Fernsehen gesehen, nächstes Jahr braucht er sicher nur noch drei Schläge. Schön wäre allerdings, wenn er sich mehr um uns Senioren kümmern könnte.

Elektriker in Rente aus Allach

Alfred Reiter (77)

Alfred Reiter, Rentner aus dem Hasenbergl.

Ich bin sehr zufrieden mit der Arbeit von Dieter Reiter. Der Name bürgt halt für Qualität. Ich habe mit meinen 77 Jahren ja schon einige Oberbürgermeister erlebt – der aktuelle zählt bisher auf jeden Fall zu den besseren. Er ist etwas ruhiger und besonnener in seinem Auftreten als andere. Das ist sehr angenehm.

Rentner aus dem Hasenbergl

Eduard Reiter (81)

Eduard Reiter, Rentner aus Sendling.

Bisher bin ich ganz zufrieden mit meinem Namensvetter. Ich kann mich noch nicht beschweren. Dieter Reiter kommt sehr sympathisch rüber, macht gute Arbeit. Aber um an den Wimmer Thomas – den Dammerl – ranzukommen, da braucht er no a bisserl. Das war bisher mein Lieblings-Bürgermeister. Mit Abstand. Der hat sehr viel für die Stadt bewegt. Aber der Herr Reiter hat ja dafür noch ein bisserl Zeit – und er könnte dann genauso groß rauskommen wie der Wimmer.

Rentner aus Sendling

Gernot Reiter (53)

Gernot Reiter, Wohnhaft in Bogenhausen.

Ich muss ganz ehrlich zugeben, dass ich die lokale Politik im vergangenen Jahr nur immer mal wieder verfolgt habe. Aber zumindest ist mir nicht aufgefallen, dass sich irgendetwas hier in unserem München stark verschlechtert hätte. Auch wenn ich etwas skandalös gefunden hätte, könnte ich mich sicher daran erinnern. Nichts. Da fällt mir jedenfalls nichts ein. Alles in allem würde ich daher auf jeden Fall sagen, Herr Oberbürgermeister Dieter Reiter ist eher unauffällig geblieben. Aber das muss ja – wie wir alle wissen – nicht unbedingt etwas Schlechtes heißen.

Wohnhaft in Bogenhausen

Die Arbeit von Josef Schmid

Josef Schmid

Josef Schmid wurde 1969 in München geboren. Der Vater zweier Kinder ist leidenschaftlicher Schlagzeuger – und gibt somit gern den Ton an. Besonders beim Thema Oktoberfest. Er macht sich für neue Reservierungsregelen auf der Wiesn stark, damit auch Einheimische zum Zuge kommen. So dürfen die Wirte heuer probeweise am Samstag, an Sonn- und Feiertagen tagsüber bis zu 15 Prozent der Plätze im eigentlich reservierungsfreien Bereich für Münchner reservieren. Außerdem gilt Schmid zwar als Konservativer, aber nicht als Gestriger. So kann er die Einführung einer zentralen Anmeldestelle für Eltern, die einen Kitaplatz suchen, als seinen Erfolg verbuchen. Auch Impulse für den Wohnungsbau, Zuschüsse für Erzieherinnen und den nun konkreter werden Weiterbau der U5 nach Pasing verbucht er als seinen Erfolg.

Günter Schmid (78)

Günter Schmid, Prof. Dr. Günter Schmid, emeritierter Professor aus Nymphenburg.

Josef Schmid ist kein typisch konservativer CSU-ler, sondern macht einen aufgeschlossenen Eindruck. Ich verstehe nur nicht, weshalb er in der Konzertsaal-Debatte nicht mehr Druck macht: Es ist doch ein Irrsinn, den Gasteig bei laufendem Betrieb zu sanieren.

Prof. Dr. Günter Schmid, emeritierter Professor aus Nymphenburg

Werner Schmid (77)

Werner Schmid, Rentner aus Milbertshofen.

Josef Schmid ist ein ruhiger und kompetenter Mann. Mit dem ersten Jahr seiner Amtszeit bin ich zufrieden und auch aus meinem Umfeld höre ich nur gute Dinge über ihn. Das Gespann Reiter-Schmid ergänzt sich gut. Ich würde mir wünschen, dass in unsere Infrastruktur noch mehr investiert wird. Die Straßen sind teilweise in einem katastrophalen Zustand. Auch den Flüchtlingen muss mehr geholfen werden.

Rentner aus Milbertshofen

Georg Schmid (63)

Georg Schmid, Projektmanager aus der Maxvorstadt.

Ich finde es gut, dass die CSU inklusive Herrn Schmid mit im Regierungsboot sitzt. Solange die SPD das Steuer innehat! Josef Schmid wirkt zum Glück wenig bayerisch dümpelhaft – im Gegensatz zu einigen seiner Kollegen. Er ist kein Schaumschläger. Den Vorschlag, den Konzertsaal in den Olypark zu verlegen, finde ich gut. Als Wirtschaftsreferent hat er sich gut in Stellung gebracht.

Projektmanager aus der Maxvorstadt

Franz Schmid (62)

Franz Schmid, Datentechniker aus Neuhausen.

Der Josef Schmid hat stark angefangen – und dann stark nachgelassen. Mittlerweile steht er im Schatten von Dieter Reiter. Dabei hätten die CSU und Wirtschaftsreferent Schmid viel zu tun: Die Mietpreise explodieren, die öffentlichen Verkehrsmittel rosten vor sich hin. Dass es ein bisserl stiller geworden ist um Josef Schmid muss nichts heißen – vielleicht plant er im stillen Kämmerlein ja den nächsten Coup.

Datentechniker aus Neuhausen

Hans-Peter Schmid (52) 

Hans-Peter Schmid, Selbstständiger aus Neuhausen.

Die Profile von Dieter Reiter und Josef Schmid sind sich so ähnlich, dass ich nicht wusste, wen ich wählen soll. Da habe ich den mit meinem Namen gewählt. G‘hupft wie g‘hechtelt, keiner der beiden hat ein besonderes Alleinstellungsmerkmal. Wobei der Schmid ein glatter Bursche ist und – obwohl er viel jünger ist als Dieter Reiter – nicht jünger wirkt.

Selbstständiger aus Neuhausen

Wilhelm Schmid (58)

Wilhelm Schmid, Fassbauer aus Laim.

Als Vorstand der Scheffler-Gruppe habe ich mit Josef Schmid auch schon persönlich gesprochen. Er macht einen recht sympathischen Eindruck. Seine Vorhaben, wie beispielsweise den Ausbau der U5 nach Pasing, halte ich für sehr sinnvoll. Auch weitere Tunnels am Mittleren Ring sollen gebaut werden. Insgesamt muss man sagen, dass er relativ geräuschlos arbeitet – und das ist keine Kritik.

Fassbauer aus Laim

Alexander Schmid (46)

Alexander Schmid, Geschäftsführer einer Entwicklungsgesellschaft aus der Au.

Es ist sehr positiv, wie Seppi Schmid die Kultur- und Kreativwirtschaft unterstützt. Um die Kreativen an München zu binden, braucht es Förderung und Vernetzung. Genau das passiert im neugegründeten Kompetenzteam Kultur- und Kreativwirtschaft, das sich eben nicht nur um Künstler kümmert, sondern auch um Start-Ups und die Digitale Revolution. Hut ab, das hat Rot-Grün nicht geschafft.

Geschäftsführer einer Entwicklungsgesellschaft aus der Au

Johann Schmid (90)

Johann Schmid, Rentner aus Fürstenried.

Vor Männern wie Josef Schmid habe ich großen Respekt. Dieses Amt bringt eine Menge Verantwortung mit sich. Da möchte ich nicht tauschen. Mit 90 stelle ich aber auch keine großen Ansprüche mehr an die Stadt. Hauptsache ich bin und bleibe gesund – daher spiel’ ich auch noch Tischtennis.

Rentner aus Fürstenried

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