Ermittlungen wegen Vorteilsnahme

Champagner, Wiesn, Weihnachten: Ehemaliger Polizei-Leiter von München-Grünwald verdonnert

Ermittlungen gegen einen Polizisten aus den eigenen Reihen hielten das Polizeipräsidium München in Atem (Symbolbild)
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Ermittlungen gegen einen Polizisten aus den eigenen Reihen hielten das Polizeipräsidium München in Atem (Symbolbild).

Das Münchner Polizeipräsidium wurde durch Anschuldigungen gegen einen früheren Leiter der Inspektion Grünwald erschüttert. Es ging um mehrere Fälle von Vorteilsnahme.

Update vom 27. November, 20.40 Uhr: Der ehemalige Leiter der Polizeiinspektion in Grünwald, Andreas A., muss eine Geldstrafe im fünfstelligen Bereich zahlen. Da die Tagessatzanzahl im dreistelligen Bereich liegt, gilt er nun als vorbestraft. Der Ex-Chef der PI 32 hatte Sachgeschenke und Wertgutscheine für die Wiesn angenommen und auf Weihnachtsfeiern verlost. Wie berichtet (siehe unten), wurde Andreas A. bereits im Sommer vergangenen Jahres vom Dienst suspendiert.

München-Grünwald: Polizist nahm Präsente an - Strafbefehle auch gegen Schenker

Oberstaatsanwältin Anne Leiding erklärt auf Anfrage, dass die Staatsanwaltschaft München I Anfang Oktober 2020 einen Strafbefehl wegen sogenannter Vorteilsnahme in 17 Fällen beantragt hatte. Die Geschenke – unter anderem auch Champagner – hatte Andreas A. in der Zeit von Anfang 2014 bis Mitte 2019 entgegengenommen. Auch gegen die Schenker – alle mit Sitz im örtlichen Zuständigkeitsbereich der PI 32 – beantragte die Staatsanwaltschaft Strafbefehle. Diese legten jedoch alle Widerspruch ein.

Polizisten, die Drogen nehmen und mit Dealern zusammenarbeiten? Die Staatsanwaltschaft ermittelte im September in einem Drogen-Skandal um das Münchner Polizeipräsidium: 

Hausdurchsuchungen bei eigenen Kollegen: Münchner Polizist soll Geschenke angenommen haben

Update 19.10 Uhr: Wie das Polizeipräsidium München mitteilt, ist der Polizist, der aktuell im Verdacht steht, Sachgeschenke angenommen zu haben, nun mit einem „Verbot der Führung der Dienstgeschäfte“ belegt worden. Einfacher formuliert: Der Beamte ist nun mehr vom Dienst suspendiert.

Ursprungsartikel: München - Beim Polizeipräsidium München ging Ende April 2019 ein anonymes Schreiben ein, das Vorwürfe gegen einen Polizeibeamten aus den eigenen Reihen erhob. Der Münchner Polizei wurden Informationen über den Beamten zugespielt, die straf- und disziplinarrechtliche Folgen für den Polizisten aus der Polizeiinspektion 32, Grünwald haben könnten.

Das Polizeipräsidium München überprüfte das Schreiben und leitete es daraufhin sofort an das Bayerische Landeskriminalamt weiter, um eine objektive und unabhängige Ermittlung zu gewährleisten.

Münchner Polizist: Verdacht auf Vorteilnahme - Hausdurchsung

Nach den bisherigen Erkenntnissen steht der Beamte im Verdacht, mehrfach u.a. Sachgeschenke angenommen zu haben, ohne dies seinen Vorgesetzten zu melden. Neben den Arbeitsplätzen, auch von Zeugen, in der Polizeiinspektion werden auch der Wohnsitz des Beamten und die der Zeugen durchsucht.

Ermittlungen gegen Münchner Polizisten: Präsident äußert sich

Zu den Anschuldigungen gegen einen seiner eigenen Männer bezog der Münchner Polizeipräsident Hubertus Andrä in einer Pressemitteilung des Polizeipräsidiums Stellung: „Wir haben eine besondere Stellung in der Öffentlichkeit. In unserem Verhalten innerhalb und außerhalb des Dienstes haben wir darum auch besondere Verpflichtungen. Unser hoher Anspruch an Glaubwürdigkeit und Integrität veranlasst uns, diese Vorwürfe ernst zu nehmen und ihnen konsequent nachgehen zu lassen. Die unabhängige und neutrale Ermittlungsarbeit durch das Landeskriminalamt hat sich hier bereits in der Vergangenheit mehrfach bewährt.“ 

Münchner Polizei „wird alles tun, um Ermittlungen zu unterstützen“

Gegen den Münchner Polizisten läuft nun ein Disziplinarverfahren. Um dieses neutral zu beurteilen, führt die Staatsanwaltschaft München I die Ermittlungen ohne Beteiligung des Polizeipräsidiums München. „Die weiteren Ermittlungen des Bayerischen Landeskriminalamtes bleiben nun abzuwarten. Die Münchner Polizei wird in jedem Fall alles tun, um die Ermittlungen zu unterstützen und die Vorwürfe restlos aufzuklären“, erklärte Andrä abschließend.

In Bobingen filmte ein Polizist zwei Jahre lang mehr als 100 Frauen in der Umkleidekabine eines Freibads. Der Beamte wurde daraufhin im Juli 2017 suspendiert - und erhält trotzdem weiter sein volles Gehalt.

In der Münchner Nobeldisco Heart gab es 2019 eine Razzia. Der Club-Manager wurde wegen Drogenhandels angeklagt. Es stehen auch acht Polizisten unter Verdacht.

spz /weg

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