Haidhausen kämpft gegen zweite Röhre

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Etwa 900 Anwohner haben am Freitag gegen die zweite Röhre demonstriert.

München - Etwa 900 Anwohner haben am Freitagabend auf dem Orleansplatz gegen den Bau des zweiten S-Bahn-Tunnels unter Haidhausen demonstriert.

Der Orleansplatz mit seinen Kastanien: Hier soll sechseinhalb Jahre lang eine Baustelle sein

„Ich sehe das als Pflichtveranstaltung“, sagt Gaby Binsteiner-Stelzer. Eine Großbaustelle in ihrem „Familienviertel“ will die junge Frau nicht kampflos hinnehmen. Deshalb ist sie mit Töchterchen Emily (2) zur Kundgebung gekommen. Wenige Meter neben ihr steht, in Jeans und grauer Strickjacke, Helma Gohle, 79. „Ich bin hier, weil ich hier wohne, seit meiner Geburt“, sagt sie bestimmt. Dass es auch Argumente für den Tunnel gibt – „ist mir wurscht. Zwei S-Bahnen nebeneinand braucht ma net.“ Haidhausen sei so ein liebenswertes Viertel“, sagt die Seniorin. „Den Pariser Platz, der nie schön war, haben’s so schön hergerichtet. Und jetzt machen’s alles wieder kaputt.“

Die Umstehenden nicken, viele halten Transparente hoch. Es geht um Argumente gegen den Tunnel an diesem Abend, und die zählt der Grünen-Landtagsabgeordnete Martin Runge gerne auf: Der Nutzen stehe „in keinem Verhältnis zu den Kosten“, die „mit Tricksen und Täuschen“ bis hin zu „gefälschten Gutachten“ kleingerechnet worden seien. Das Sicherheitskonzept sei „in unseren Augen kriminell“. Und dann sei da noch der Dreck und der Lärm während der Bauzeit von mindestens sieben Jahren. Mit einem ohrenbetäubenden Konzert aus Trillerpfeifen, vom Veranstalter verteilt, untermalen die Zuhörer ihre Angst vor dem Lärm. Runge erwähnt „neue Umsteigezwänge“: 35 S-Bahn-Stationen verlören ihre direkte Anbindung an die Innenstadt, 20 bekämen einen schlechteren Takt. All das sei mit den Landtags-Grünen nicht zu machen, verspricht Runge. Der „Wackelkurs unserer Stadtratsfraktion“ sei dagegen „alles andere als erfreulich“.

So verändert München sein Gesicht

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Noch deutlicher drückt es Veranstalter Christian Horn aus: Dass der grüne Bürgermeister Hep Monatzeder noch nicht einmal zur Bürgerversammlung erschienen sei, „ist eine Frechheit“. Schließlich gehe es um nicht weniger als „die Zukunft von Haidhausen“. Horn warnt vor der Gefahr, Veränderungen im Grundwasserspiegel könnten die Statik der Häuser beeinträchtigen, artikuliert die Existenzsorgen der Geschäftsleute angesichts jahrelanger Behinderungen durch Großbaustellen. Michael Piazolo von den Freien Wählern ruft unter donnerndem Beifall: „Wer nur fünf Euro zusätzlich für Hartz-IV-Empfänger hat, sollte keine zwei Milliarden für ein unnötiges Projekt ausgeben!“

Die Demonstranten genießen den Zuspruch. Zur Musik der Haidhauser „Blasscherben“ formieren sie sich zum friedlichen Demonstrationszug durch das Viertel – ihr Viertel, das sie gemeinsam bewahren wollen.

Einwände gegen das Projekt können noch bis 13. Oktober bei der Stadt (Planungsreferat, Blumenstraße 31, 80331 München) und bei der Regierung von Oberbayern (Maximilianstraße 29, 80538 München) abgegeben werden.

Peter T. Schmidt

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