Entscheidung im Stadtrat 

München: Handwerk und Handel hadern mit dem Altstadt-Radlring

Radfahrer
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Wie berichtet, hatte OB Dieter Reiter (SPD) angekündigt, zur Umsetzung des Radentscheids als ersten Schritt im Dezember zehn konkrete Projekte in den Stadtrat zu bringen.

Die Zukunft des Münchner Radwegenetzes steht am Mittwoch im Stadtrat auf der Tagesordnung. Unter anderem geht es um einen Radlring entlang des Altstadtringes. Im Vorfeldkritisieren die Handwerkskammer und Händlervertreter das Vorhaben.

Der Ring war eine Forderung des Münchner Radlbegehrens, die Übernahme der Forderungen hatte der Stadtrat bereits beschlossen. Gleichwohl ist das Thema umstritten. Wie die Abstimmung heute ausgeht, ist nicht vorherzusagen – auch weil aufseiten der Ausbau-Befürworter wohl einige Stadträte krankheitsbedingt fehlen werden.

Kritik kommt bereits im Vorfeld von der Handwerkskammer. Die warnt beim geplanten Ausbau des Radverkehrsnetzes in der Landeshauptstadt vor einem „Schnellschuss“ und fordert den Stadtrat auf, bei der Umsetzung mit Augenmaß vorzugehen. „Die überstürzte Streichung von 120 Parkplätzen in der Fraunhoferstraße hat gezeigt, dass vorher zwingend der Dialog mit betroffenen Gewerbetreibenden und Anwohnern gesucht werden muss, bevor eine verkehrspolitische Maßnahme mit solch weitreichenden Folgen beschlossen wird“, sagt Kammerpräsident Franz Xaver Peteranderl. Bei den Plänen für den Altstadt-Radlring stünden erneut wichtige Flächen auf der Kippe, die Handwerksbetriebe zum Liefern und Leisten benötigten.

Auch der Verband der Innenstadt-Händler, City Partner, äußert Bedenken, da mit dem Radlring eine durchgängige Befahrbarkeit des Altstadtrings in beide Richtungen für Autos und Lastwagen nicht an allen Stellen berücksichtigt werden kann. Das geht aus der Vorlage hervor. „Von der Bedeutung des Altstadtrings und der Altstadt im Zentrensystem der Landeshauptstadt mit immerhin circa 75 000 Erwerbstätigen allein innerhalb des Altstadtrings, ist jedoch nichts zu lesen“, sagt City Partner-Chef Wolfgang Fischer. Eine Zusammenarbeit mit den Kammern und Händlerverbänden wird Fischers Worten zufolge von der Stadt abgelehnt.

Der Vorsitzende des Automobilklubs „Mobil in Deutschland“ und CSU-Stadtratskandidat, Michael Haberland, sagte gestern: „Projekte wie der Altstadt-Radlring oder die Verringerung von Hauptverkehrsachsen auf jeweils eine Fahrspur vernichten hunderte Parkplätze, ganze Fahrspuren für Autos. Und hunderte Bäume sollen dafür gefällt werden. Das wird zu einem totalen Verkehrskollaps in der Stadt führen.“

Wie berichtet, hatte OB Dieter Reiter (SPD) angekündigt, zur Umsetzung des Radentscheids als ersten Schritt im Dezember zehn konkrete Projekte in den Stadtrat zu bringen. Im ersten Quartal 2020 sollen weitere zehn und im zweiten Quartal wieder zehn Projekte dem Stadtrat vorgeschlagen werden. Von dieser Vorgehensweise versprechen sich die Initiatoren sowie der OB eine schnellere und zielgenaue Umsetzung. Nach sechs Monaten soll eine Zwischenbilanz über den Projektfortschritt gezogen werden, um gegebenenfalls Anpassungen vornehmen zu können.

Wie viele Fahrspuren wird es nach Fertigstellung der Tiefgarage am Thomas-Wimmer-Ring geben? Die Verwaltung schlägt eine Reduzierung auf drei Autospuren vor.

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