40 Jahre in der Politik

München trauert um Urgestein der CSU - Hans-Peter Uhl ist tot

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CSU-Innenexperte Hans-Peter Uhl ist im Alter von 75 Jahren gestorben.

40 Jahre war er in der Politik aktiv. In München hat sich der CSU-Politiker als der schwarze Sheriff einen Namen gemacht.  Mit dem Fall Mehmet rückte er bundesweit ins Rampenlicht.

München - Mit der Abschiebung des jugendlichen Serienstraftäters Mehmet (siehe unten) sorgte er bundesweit für Schlagzeilen – er war ein streitbares, konservatives Urgestein der CSU. Jetzt ist der ehemalige Chef des Münchner Kreisverwaltungsreferats und frühere Bundestagsabgeordnete Hans-Peter Uhl im Alter von 75 Jahren nach schwerer Krankheit verstorben.

40 Jahre lang war Uhl in der Politik aktiv. Überall galt er als umtriebig, als Hardliner, der sich von Protesten nicht aufhalten ließ. Seine Standpunkte gaben oft Anlass zu Streit – manchmal auch mit der eigenen Partei. Wie im OB-Wahlkampf 1998, als er seine Kandidatur wegen Differenzen mit dem damaligen CSU-Vorstand wieder zurückzog. Man habe ihm „ein Messer, auf dessen Griff die Buchstaben CSU stehen“, in den Rücken gerammt, sagte er danach. „Uhl war sicher einer der streitbarsten Politiker, der weder sich noch andere geschont hat. Er ist dabei seiner Linie immer treu geblieben“, sagt OB Dieter Reiter (61, SPD).

Hans-Peter Uhl blieb seiner Linie immer treu

Das Jurastudium hatte den gebürtigem Tübinger 1964 nach München gebracht. Er blieb hier hängen, trat 1970 in die CSU ein. Im Rathaus war der Rechtsanwalt zunächst als ehrenamtlicher Stadtrat und Sprecher der CSU-Fraktion im Finanzausschuss tätig. 1987 wurde er überraschend zum Chef des Kreisverwaltungsreferats, der Sicherheits- und Ordnungsbehörde Münchens, gewählt. Uhl, wurde zum schwarzen Sheriff. Sein Gegenkandidat damals: Der spätere OB Christian Ude (72, SPD). Dieser Tag gehöre zu den Sternstunden seines politischen Lebens, sagte Uhl einmal.

Von Jurist zu Jurist habe man miteinander gern fachlich die Klinge gekreuzt, erinnert sich Ude. „In vielen Fragen hatte Uhl einfach einen anderen Ansatz.“

Hans-Peter Uhl - Sein größter Erfolg

  • Als großen Erfolg bezeichnete Uhl die Gründung der zentralen Rettungsleitstelle für Stadt und Landkreis mit der Notrufnummer 112. „Das kann sich jeder merken.“ Ein Modell für den gesamten Freistaat. Auch die Park+Ride GmbH wurde von ihm gegründet. Und er führte Tempo 30 in der Stadt ein.
  • Von 1998 bis 2017 saß Uhl im Bundestag. Dort agierte er unter anderem als innenpolitischer Sprecher der CDU/CSU-Fraktion. Er galt als CSU-Sicherheitsexperte.

Zuletzt war Uhl gezeichnet von schwerer Krankheit, der er am Wochenende erlag. Er war in zweiter Ehe verheiratet und hinterlässt vier Söhne. Die Beerdigung soll kommende Woche stattfinden.

Der Fall Mehmet

Kurz vor dem Ende seiner Amtszeit als Münchner ­KVR-Chef im Jahr 1998 ­stellte Hans-Peter Uhl die Ausreisebescheide für den damals 13-jährigen deutsch-türkischen Serienstraftäter „Mehmet“ (der eigentlich Muhlis A. heißt) und dessen Eltern in die Türkei aus. Am Ende wurde zwar der Junge in die Türkei abgeschoben, die Eltern durften aber bleiben, nachdem das Verwaltungs­gericht deren Ausweisung aufgehoben hatte. „Ich würde es immer wieder so machen“, sagte Uhl trotzdem. Der Fall fand ­damals bundesweit Beachtung.

Reporter der RTL-Sendung "Extra" haben 2013 den in München geborenen früheren Intensivtäter "Mehmet" in der Türkei aufgespürt, wie tz.de* berichtet.

C. Ick-Dietl

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