Mutter ersticht Sohn vor den Augen der schwangeren Freundin

+
Hier spielte sich das Drama ab

München - Im Streit um die Wohnverhältnisse erstach Mutter Irene N. (38) am Sonntag ihren Sohn Raphael (18) – vor den Augen seiner Schwestern und der schwangeren Freundin:

Als Raphael 16 Jahre alt war, schrieb er in ein Internet-Profil auf die Frage, wen er gern mal treffen würde: „Den Tod“. Am Sonntag Abend traf Raphael N. (18) den Tod. In Form der eigenen Mutter (38), die ihm im Streit ein Küchenmesser ins Herz stieß. Und seine zwei Schwestern (7 und 17 Jahre) und die schwangere Freundin Ramona (19) sahen alles mit an. Als Raphael noch klein war, wärmte sein liebes Herz und seine sonnige Art alle, die ihn kannten. Als er 14 Jahre alt war, verließ der serbische Vater die Familie. Da brachen harte Zeiten an für Mutter Irene N. und ihre drei Kinder. Als Küchenhilfe und Wiesn-Toilettenfrau arbeitete sie Tag und Nacht, um ihren Kindern wenigstens kleine Wünsche erfüllen und ihnen ein ordentliches Zuhause in der Dachgeschosswohnung in der Soyerhofstraße (Harlaching) bieten zu können.

In dieser Zeit ging mit Raphael eine Veränderung vor sich. Als einziger „Mann“ im Hauses schien er sich für die Mutter und die Schwestern verantwortlich zu fühlen, benahm sich zuweilen wie ein Haus-Tyrann und setzte in einem Zustand völliger Überforderung seine Vorstellungen auch mit Schlägen und Beleidigungen durch.

Einmal wohnte er für mehrere Wochen bei einer mütterlichen Freundin. Die war völlig verzückt von dem sympathischen Jugendlichen, der einen Sinn für alles Häusliche hatte, mit ihr kochte, tanzte und sie zum Lachen brachte.

„Der Junge hat zwei Seiten. Manchmal erkenne ich ihn gar nicht wieder,“ klagte seine Mutter ihrer besten Freundin oft. Doch wenn Raphael Probleme hatte, kämpfte sie für ihn wie eine Löwin. Kurz vor dem Hauptschulabschluss drohte er nach einer Art Kopulations-Tanz hinter dem Rücken der Lehrerin, von der Schule zu fliegen. Die Mutter flehte den Direktor auf Knien so lange an, bis er weich wurde. Sie nahm es auch hin, dass er seine Lehre als Mechatroniker schmiss.

Im vergangenen Sommer begann er eine Lehre als Fliesenleger. Im Herbst wurde seine Freundin Ramona schwanger. Sie ist heute bereits in der 13. Woche. Darüber gab es offenbar immer wieder Streit. Mehrfach verlangte Irene N. von ihrem Sohn, endlich aus der viel zu kleinen Wohnung auszuziehen.

Am Sonntag waren Raphael und seine Ramona bei einer Freundin, um einen Antrag auf eine größere Sozialwohnung auszufüllen. Kurz nach der Heimkehr gegen 21.15 Uhr gab es wieder Streit. Irene N. warf ihre schwangere Schwiegertochter in spe aus der Wohnung. Wütend blieb Ramona draußen vor der Tür stehen. So wurde sie zunächst Ohrenzeugin des Dramas, dass sich in der Wohnung anbahnte.

Ramona trommelte mit den Fäusten gegen die Tür und schrie: „Lasst mich rein!“ Schließlich öffnete Irene N. die Tür. Da sah Ramona Rapahel. Er stand mitten im Raum, presste sich die Hände auf das blutgetränkte Hemd und sagte: „Nicht so schlimm, wird schon wieder ...“. Bei diesen Worten wurde er kreideweiß und brach zusammen. Der Stich hatte sein Herz getroffen. Raphael war nicht mehr zu retten.

Irene N. ließ sich widerstandslos festnehmen. Sie muss vermutlich mit einer Anklage wegen Totschlags rechnen. Ihre tief geschockten Töchter kamen vorerst beim Onkel unter.Im Frühsommer wird Rapahels Baby zur Welt kommen. Es muss damit leben, dass die eigene Oma ihm den Vater genommen hat.

Dorita Plange, Christna Schmelzer und Jacob Mell

Auch interessant

Meistgelesen

Kommentare