Täglich 368.000 Menschen unterwegs

Kuriose Fakten: München - die Hauptstadt der Pendler

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Pendleralltag: Raus aus dem Zug - rein ins Büro.

Eine neue Statistik zeigt: Der Weg zur Arbeit wird immer weiter. Spitzenreiter unter den deutschen Städten ist dabei München. Auch kuriose Fakten gibt es rund um die Pendler-Erhebung.

Pendlerrekord in der Landeshauptstadt

In Deutschland gibt es inzwischen 18,4 Millionen Pendler – so viele wie nie zuvor. Das geht aus neuen Zahlen des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung hervor. Pendelspitzenreiter in der Bundesrepublik ist München: Über 368 000 Arbeitnehmer, die außerhalb wohnen, fahren jeden Tag in die Landeshauptstadt. Die meisten kommen aus dem Landkreis München (62 251 Pendler), aus dem Landkreis Fürstenfeldbruck (35 068), dem Kreis Dachau (27 241), aber auch aus Rosenheim (8247). Auf Rang zwei der deutschen Pendlerstädte landete übrigens Frankfurt mit 352 000 Menschen, die längere Strecken zur Arbeit zurücklegen müssen. In Berlin gibt es rund 300 000 Pendler. Tendenz stark steigend.

Die Entfernungen werden immer weiter

Die Mieten in den Städten werden immer teurer, das weiß jeder Münchner, jeder Mühldorfer und jeder Augsburger nur zu gut. Deswegen ziehen viele Menschen lieber weiter raus. Die Folge: Die Anfahrt zur Arbeit dauert länger. Im Schnitt pendelt der Bundesbürger 16,91 Kilometer zu seinem Arbeitsplatz, einfache Strecke. Vor rund 20 Jahren waren es noch zweieinhalb Kilometer weniger.

Von München direkt nach Bautzen

Schaut man sich die neue Statistik ganz, ganz genau an, dann finden sich einige kuriose Details. 16 Menschen, die ihren offiziellen Wohnort in München haben, pendeln zum Arbeiten nach Flensburg, 2056 nach Hamburg, 24 nach Remscheid, 194 nach Mettmann, 29 nach Kaiserslautern, 26 nach Bautzen und immerhin 12 an die Mecklenburgische Seenplatte.

Pendlerströme: 368251 Menschen fahren für die Arbeit nach München. Die meisten sind aus dem Kreis München.

Der umgekehrte Weg: die Auspendler

Wer glaubt, ganz Bayern kommt nach München zum Arbeiten, der hat natürlich Recht. Aber es gibt auch den umgekehrten Weg. 362 Münchner fahren in den Landkreis Garmisch-Partenkirchen zum Arbeiten, 1048 pendeln nach Rosenheim Stadt, 1706 nach Ingolstadt, 1601 nach Nürnberg, 1925 nach Augsburg, 123 ins Berchtesgadener Land, 29 nach Regen, 405 nach Landshut und 1205 in die Oberpfalz.

Wo der Erdinger arbeitet

Über 35 000 Menschen aus dem Landkreis Erding verlassen ihre Heimat, um zur Arbeit zu kommen. 13 Menschen pendeln nach Darmstadt, 12 nach Bremen, 77 nach Sachsen und 14 nach Sachsen-Anhalt. Aber die meisten zieht es halt doch in die nähere Umgebung. 1738 zieht es nach Niederbayern, 5551 in die Landeshauptstadt, 4026 in den Nachbarlandkreis Ebersberg, immerhin 26 in den Landkreis Weilheim-Schongau und beeindruckende 6248 Erdinger in den Landkreis Freising.

Langstrecke wird Pendel-Alltag

Auch Pendeln über lange Strecken ist für viele Deutsche inzwischen der Normalfall. So ist der Anteil der Pendler mit einem einfachen Arbeitsweg von mehr als 50 Kilometer im Jahr 2016 noch einmal leicht auf 6,2 Prozent gestiegen. Es gibt auch extreme Beispiele: 42 000 Menschen pendeln zum Beispiel von Sachsen-Anhalt nach Niedersachsen, 35 000 von Nordrhein-Westfalen nach Baden-Württemberg und 11 000 sogar von Bayern nach Berlin. Umgekehrt von Berlin nach Bayern sind es 14 000. Ob die Betroffenen unter der Woche auch am Arbeitsort wohnen, was bei langen Distanzen anzunehmen ist, erfasst die Statistik allerdings nicht.

Vor allem Männer sind Pendler

Beim Pendeln auf der Straße oder mit der S-Bahn sind alle gleich: Stau und Verspätungen treffen jeden. Einen Unterschied gibt es aber doch. „Frauen ohne Kinder sind annähernd so pendelmobil wie Männer“, sagt Heiko Rüger vom Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung. „Werden sie aber Mütter, dann reduziert sich die Pendelbereitschaft und auch die tatsächliche Pendeldauer.“ Bei jüngeren Arbeitnehmern zwischen Anfang 20 und Anfang 30, sagen Experten, diene Pendeln oft dazu, sich ohne Wohnortwechsel mit befristeten Jobs zu arrangieren.

Wo der Rosenheimer arbeitet

Statistiken sind eine tolle Sache. Sie decken verrückte Dinge auf. 41 Menschen aus Rosenheim fahren zum Beispiel für die Arbeit nach Hamburg, Entfernung rund 860 Kilometer. 32 Rosenheimer pendeln nach Köln, 17 nach Karlsruhe, 2291 nach München, aber nur 31 nach Altötting. Weitere 224 fahren in den Landkreis Ebersberg, 36 in den Landkreis Fürstenfeldbruck, 373 in den Landkreis Miesbach, 310 in den Landkreis Traunstein und 64 in den Landkreis Mühldorf.

Man kann auch gesund pendeln

Pendeln ist anstrengend. Manchmal nervt es – und es kann sogar gefährlich sein. „Eine aktuelle Studie findet für Personen mit langen Pendelstrecken beispielsweise erhöhte Risiken für Bluthochdruck, Übergewicht, Diabetes und Migräne“, sagt Bevölkerungsforscher Heiko Rüger. Aber es gibt Hoffnung – gesundes Pendeln ist möglich: „Eine Studie belegt, dass Pendler im öffentlichen Nahverkehr schlanker und gesünder sind, da sie mehr Laufstrecke als Autofahrer haben“, sagt Anette Wahl-Wachendorf, Vizepräsidentin vom Verband Deutscher Betriebs- und Werksärzte. Verkehrspsychologin Andrea Häußler sagt: Wer unterwegs bei guter Musik oder einem spannenden Buch abschalten kann, leide ebenfalls weniger unter der Fahrerei. „Alles, was entspannt, ist erlaubt“, sagt die Expertin. „Ob Heavy-Metal-Musik, Hörspiele im Auto, stricken oder ein Smartphone-Spiel im Zug.“

So sind die Pendler unterwegs

Es ist noch immer so in Deutschland: Die meisten Pendler fahren mit dem Pkw (66 Prozent), gerade einmal 14 Prozent sind mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs. Oder wie will man sonst vom Landkreis Traunstein nach, sagen wir, Greiz, Südost-Thüringen, kommen. Das machen nämlich immerhin 15 Menschen. Fahrtzeit mit der Bahn: zwölfeinhalb Stunden. Wenn es schnell geht. 

sts/dpa

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