„Ihr Beruf ist so wichtig“

Münchnerin hat irres Erlebnis in der Stadt: „Konnte nicht glauben, dass jemand so etwas macht“

Hebamme Alexandra Sieger freut sich über die Großzügigkeit einer Mutter.
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Hebamme Alexandra Sieger freut sich über die Großzügigkeit einer Mutter.

Weil sie einen falschen Parkschein gelöst hat, bekam eine Münchner Hebamme einen Strafzettel. Dann bekam sie Hilfe von einer ihr unbekannten Mutter.

  • Glück im Unglück hatte eine Hebamme in München*.
  • Eine junge Mutter bestand darauf ihren Strafzettel zu zahlen.
  • Die Hebamme behielt das Geld aber nicht und machte jemand anderes glücklich damit.

München - Glücksmomente – die konnte Alexandra Sieger (50) als Hebamme schon vielen Müttern mit ihren kleinen Engerln bescheren. In der Münchner Innenstadt aber wurden jetzt die Rollen getauscht. Auf eine zauberhafte Weise hat sich eine Mama für die Geburtshelferin eingesetzt – und ihr einen ganz besonderen Glücksmoment geschenkt.

Hebamme Alexandra Sieger sucht ihre unbekannte Helferin

Alexandra Sieger muss am 16. September zwischen zwei Hausbesuchen eine Kleinigkeit erledigen. Sie parkt ihren weißen Skoda Octavia in der Herzog-Wilhelm-Straße. Ein paar Meter entfernt in der Josephspitalstraße wirft sie Münzen in den Parkautomat, legt den Zettel vorne ins Auto, nicht weit entfernt von ihrem Schild „Hebamme im Dienst“. Als sie eine halbe Stunde später zurückkommt, steckt ein Strafzettel hinterm Scheibenwischer. Neben dem Auto steht eine Mutter mit einem Baby im Tragetuch und einer Begleiterin an der Seite. Gerade will sie einen weiteren Zettel plus einen Zehn-Euro-Schein an den Scheibenwischer klemmen. „Dann aber drückt sie mir beides in die Hand“, erzählt Alexandra Sieger und liest die handgeschriebener Zeilen: „Hebammen zahlen keine Strafzettel! Danke, dass Du diesen wichtigen Beruf machst. Viel Liebe von einer Mutter.“

Verblüfft schaut die Geburtshelferin die blonde Frau mit dem Baby an, die ihren Strafzettel bezahlen will. „Ich konnte es nicht glauben, dass jemand so etwas macht.“ Gerührt bedankt sie sich bei der Mutter, stellt aber auch klar, dass sie privat unterwegs ist und erst jetzt zu einem Hausbesuch weiterfahre. „Aber die Frau und ihre Begleiterin wollten das Geld nicht zurücknehmen. „Ihr Beruf ist so wichtig“, bekam Alexandra Sieger als Antwort. Dann verabschieden sich die Frauen – „bevor ich überhaupt nach einem Namen fragen konnte“. Deshalb würde sich Alexandra Sieger gern noch mal in Ruhe bei der netten Mutter bedanken, die tz stellt babyleicht den Kontakt her: per E-Mail unter lokales@tz.de.

Hebamme Alexandra Sieger macht mit dem Geld für den Strafzettel jemand anderen glücklich

Den Strafzettel hat die Hebamme übrigens bekommen, weil sie angeblich keinen Parkschein gehabt hätte. „Stimmt nicht, ich hätte sogar noch vier Minuten Zeit gehabt“, sagt die 50-Jährige. „Aber mein Parkschein von der anderen Straßenecke war nicht für die Sonnenstraße gültig. Das wusste ich nicht.“

Im Geburtshaus in der Fäustlestraße erzählte Alexandra Sieger später ihren Kolleginnen von der wunderbaren Begegnung. „Ich wurde ja praktisch für den ganzen Berufsstand belohnt.“ Apropos belohnt: „Ich habe das Geld gar nicht verdient“, sagt sie nach wie vor bescheiden. Deshalb hat es Alexandra Sieger auch nicht behalten. „Ich habe es einem Obdachlosen auf der Straße geschenkt. Damit der auch ein bisserl Glück hat.“ *tz.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Weitere Geschichten aus der bayerischen Landeshauptstadt: Ein tz-Reporter hat sich in den Keller des Schreckens gewagt und die Asservatenkammer der Staatsanwaltschaft München besucht. Ein österreichischer Investor kauft die Münchner Innenstadt auf, als wäre es ein Spiel Monopoly.

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