Ältestenrat entscheidet am Freitag

Wegen NS-Vergangenheit: Hilblestraße soll umbenannt werden - zwei Vorschläge gibt es

Historisch vorbelastet: Die Hilblestraße in Neuhausen ist nach einem glühenden Verehrer der Nazis benannt worden. Das soll jetzt rückgängig gemacht werden – auch wenn dann 1800 Anwohner ihre Adresse ändern müssen.
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Historisch vorbelastet: Die Hilblestraße in Neuhausen ist nach einem glühenden Verehrer der Nazis benannt worden. Das soll jetzt rückgängig gemacht werden – auch wenn dann 1800 Anwohner ihre Adresse ändern müssen.

Die Hilblestraße in Neuhausen soll wohl in Maria-Luiko-Straße umbenannt werden. Grund ist die NS-Vergangenheit des Namensgebers Friedrich Hilble. Der Ältestenrat entscheidet am Freitag über zwei Vorschläge. An der Straße gibt es rund 1800 Anwohner, die dann ihre Adresse ändern müssten.

Im Jahr 1956 ist die Hilblestraße auf dem Gelände einer ehemaligen Kaserne in Neuhausen getauft worden. Namensgeber ist Friedrich Hilble (1881 – 1937), ein Münchner Verwaltungsbeamter und berufsmäßiger Stadtrat. Als Grund für die Ehre gab die Stadtverwaltung seinerzeit an, Hilble habe sich als Leiter des städtischen Wohlfahrts- und Jugendamtes verdient gemacht.

Erst viele Jahre später brachte die Geschichtswerkstatt Neuhausen ans Licht, dass Hilble zwar nicht selbst Mitglied der NSDAP war, allerdings als glühender Verehrer der Nazis galt. Als Leiter des Wohlfahrtsamtes veranlasste er Deportationen von Arbeitslosen und Fürsorgeempfängern in das Konzentrationslager Dachau. Hilble wird Antisemitismus vorgeworfen – und die willfährige Vollstreckung von Nazi-Gesetzen. Der Verein und der zuständige Bezirksausschuss (BA) forderten die Stadt auf, die Straße umzubenennen. Der Stadtrat wollte aber erst die Ergebnisse einer Studie abwarten. Seit 2010 wird an der Ludwig-Maximilians-Universität die Rolle der Stadtverwaltung in der NS-Zeit untersucht. Bei der Hilblestraße scheint man nun einen Schritt weiter zu sein.

Nach Informationen unserer Zeitung soll der Ältestenrat am Freitag über zwei Namensvorschläge für die Umbenennung der Hilblestraße abstimmen. Zur Auswahl stehen die Schriftstellerin Cordelia Edvardson und die Künstlerin Maria Luiko (Marie-Luise Kohn).

Cordelia Edvardson war Journalistin und Schriftstellerin.

Edvardson ist am 1. Januar 1929 in München geboren und starb am 29. Oktober 2012 in Stockholm. Aufgrund ihrer jüdischen Herkunft war sie 1944 zunächst nach Theresienstadt und später nach Auschwitz deportiert worden. Nach Kriegsende arbeitete sie in Schweden und Israel als Journalistin und und verfasste zwei autobiografische Bücher, wofür sie mit dem Geschwister-Scholl-Preis ausgezeichnet wurde. Sie erhielt den Königlichen Preis der Schwedischen Akademie und wegen ihrer Verdienste um die deutsch-schwedischen Beziehungen das Bundesverdienstkreuz.

Marie-Luise Kohn war Künstlerin. Sie illustrierte unter anderem Bücher.

Marie-Luise Kohn ist am 25. Januar 1904 in München geboren und starb am 25. November 1941 bei Kaunas. Sie war eine Münchner Künstlerin, ihr Pseudonym lautete Maria Luiko. Zunächst besuchte sie das Kindergärtnerinnenseminar, ab 1924 die Kunstakademie. Unter anderem illustrierte sie Ernst Tollers „Hinkemann“ und Schalom Ben-Chorins Gedichtband „Die Lieder des Brunnens“.

Nach der Machtübernahme der Nazis wurde Luiko mit einem Ausstellungsverbot belegt. Am 20. November 1941 wurde sie schließlich deportiert. Sie wurde im „Fort IX“ bei Kaunas in Litauen ermordet.

Stimmt der Ältestenrat einem dieser Namen zu, müssten etwa 1800 Adressen geändert werden. „Das ist natürlich ärgerlich“, sagt CSU-Chef Manuel Pretzl auf Anfrage. „Aber wir werden uns dafür einsetzen, dass die Menschen angemessen entschädigt werden.“ Die CSU selbst werde der Änderung zustimmen. „Wir werden uns dem Wunsch des BA anschließen und für eine Benennung nach Maria Luiko stimmen.“

Grünen-Chefin und BA-Vorsitzende Anna Hanusch sagte am Dienstag: „Der BA war da jahrelang dran, und wir haben nach einem Ersatznamen gesucht. Ich freue mich, wenn es zur Umsetzung kommt.“ Auch die SPD wird dem Wunsch des BA folgen. Stadträtin Lena Odell sagte auf Anfrage: „Es ist richtig, sich statt der Täter an diejenigen zu erinnern, die unter der Shoa gelitten haben oder ihr zum Opfer gefallen sind.“ Bei Luiko sei zudem der lokale Aspekt ausschlaggebend, denn sie hat in Neuhausen gelebt.

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