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Sendlingerin „adoptiert“ einen Baum - und ruft andere Münchner dazu auf, dasselbe zu tun

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Von: Sophia Oberhuber

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Stadtbäume brauchen dringend Wasser. Deshalb gießt Ulrike B. aus Sendling regelmäßig die Pflanzen in der Nähe ihres Wohnhauses.
Stadtbäume brauchen dringend Wasser. Deshalb gießt Ulrike B. aus Sendling regelmäßig die Pflanzen in der Nähe ihres Wohnhauses. © Oliver Bodmer

Weil es in den vergangenen Wochen und Monaten wenig geregnet hat, sind die Böden ausgetrocknet. Darunter leiden die Bäume in München. Ulrike B. gießt deshalb regelmäßig einen Baum in der Nähe ihres Wohnhauses und ruft andere dazu auf, dasselbe zu tun. So funktioniert das Konzept, das sagen Experten.

München - Die Dauer-Hitze macht auch unseren Bäume zu schaffen: Die Erde rund um den Stamm ist knochentrocken. Die Blätter färben sich schon im Hochsommer gelb oder fallen komplett ab. Ulrike B. tut dieser Anblick im Herzen weh, sagt sie. Die Sendlingerin macht sich Sorgen um das Grün in München. Deshalb hat die 54-Jährige einen Baum in ihrer Nachbarschaft „adoptiert“, den sie zusammen mit einer weiteren Hausbewohnerin regelmäßig gießt. Und: Über eine Online-Plattform will die Sendlingerin nun auch andere Münchner dazu motivieren.

München: Ulrike B. und ihre Nachbarin kümmern sich um den Grünstreifen vor ihrer Haustüre in Sendling

Etwa 50 Liter bringen Ulrike B. und ihre Nachbarin pro Woche in Gießkannen zu dem Baum vor ihrer Haustüre. Auch um das umliegende Grün kümmern sich die beiden. Vor Kurzem haben die Sendlingerinnen einen Gartenschlauch durch das Kellerfenster nach oben verlegt, um den kompletten Grünstreifen einmal richtig zu bewässern.

„Es enttäuscht mich, dass sich die Stadt nicht kümmert“, sagt die Münchnerin. Deshalb habe sie online zu recherchieren begonnen - und ist auf das Konzept des „Adoptivbaumes“ gestoßen.

Forstwissenschaftler: Man muss den Bäumen in der Stadt wegen Hitze und Dürre dringend helfen

Denn Anfang August hatten zwei Forstwissenschaftler der Universität Freiburg Bürger dazu aufgerufen, sich einen Straßenbaum auszusuchen und regelmäßig zu gießen. Die Pflanzen würden in der Sommer-Hitze und angesichts des Regenmangels nicht genug Wasser abbekommen - „deswegen müssen wir ihnen jetzt dringend helfen“, so eine der beiden Forschenden. Man könne es sich nicht leisten, Bäume zu verlieren, da sie die Städte kühlen.

Bund Naturschutz und Green City in München unterstützen Baum- und Grünpatenschaften

Die grüne Idee: Der Bund Naturschutz unterstützt Stadtbaumpatenschaften schon länger. Über den Verein Green City können Münchner seit mehr als zehn Jahren eine Patenschaft für einen Grünstreifen übernehmen, diesen aufwerten und pflegen. 81 solcher Patenschaften gebe es aktuell, so eine Green-City-Sprecherin. Voraussetzung für die Patenschaft ist eine Genehmigung durch die Stadt, bei der der Verein hilft. Dann ist Einpflanzen, Jäten, Säubern und Bewässern angesagt.

Vielerorts ist es dafür höchste Zeit. Das weiß Christopher Busch vom Bund Naturschutz Bayern: „Vor allem in Städten ist der Wassermangel bei Bäumen akut, weil sie wegen des Unterbaus von Straßen und Häusern keinen Anschluss an das Grundwasser haben“. Verlieren Bäume schon im Sommer ihre Blätter, hätten sie bereits ihr Notprogramm zum Überleben aktiviert, so der Fachagrarwirt.

Fachagrarwirt vom Bund Naturschutz in Bayern: „Jede Gießkanne ist eine Hilfe.“

Jede Gießkanne sei da eine Hilfe. Je größer und damit älter der Baum, desto weitläufiger das Wurzelwerk. Desto weitläufiger sollte man das Wasser dann auch um den Baumstamm verteilen.

Ulrike B. und ihre Nachbarin pflegen bereits seit einigen Jahren das Grün vor ihrer Haustüre - inklusive eigens aufgestellten Vogeltränken und einem Insektenhotel. Solche kleinen, grünen Oasen müsse man in der grauen Stadt erhalten, sagt die Sendlingerin. Das bedeutet dann eben manchmal auch Gießkannen-Schleppen.

Gießaktion mit Wasserwerfer: In Nürnberg war die Bereitschaftspolizei im Einsatz

Die bayerische Bereitschaftspolizei gießt Bäume in Nürnberg.
Die bayerische Bereitschaftspolizei gießt mit einem Wasserwerfer Bäume in Nürnberg. © Daniel Karmann/dpa

In Nürnberg war zuletzt die bayerische Bereitschaftspolizei in einem besonderen Einsatz unterwegs: Mit einem Wasserwerfer haben die Polizisten an vier Tagen die Bäume in der Stadt gegossen. Das Fahrzeug, das normalerweise bei Demonstrationen, Fußballspielen oder bei Notlagen (wie Waldbränden) genutzt wird, hat eine Kapazität von 10 000 Litern. Das Wasser für die Gießaktion stammte laut einer Sprecherin der Stadt Nürnberg aus Hydranten. Zuletzt hatte man auch mit Poolwasser aus den geschlossenen Nürnberger Hallenbädern gegossen.    

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