Helena (17) ist stark

Meine Mutter lebt ewig weiter: Tochter liest Texte aus Nina Zachers Buch, die an ALS starb

Karl-Heinz Zacher (li.) und seine älteste Tochter Helena mit Ex-Ministerpräsident Edmund Stoiber. 

Zwei Jahre nach demtragischen Tod der Wirtin Nina Zacher kämpft deren Familie weiter gegen die Krankheit ALS. Sie ludGäste wie Ex-Ministerpräsident Edmund Stoiber in die St. Emmeramsmühle. Dort las Tochter Helena aus Texten der Mutter.

In der St. Emmeramsmühle, wo die Menschen sonst bei Speis und Trank zusammensitzen, ratschen und lachen, war am Donnerstag vor einer Woche vieles anders. Denn die Familie Zacher gedachte der 2016 im Alter von nur 46 Jahren an ALS verstorbenen guten Seele des Hauses – der Wirtin, Ehefrau und Mama Nina Zacher. Ihre Tochter Helena (17) las aus dem Buch, das die Mutter begonnen hatte. Über den Kampf gegen die schreckliche Krankheit, aber auch über Lebensbejahung und Hoffnung.

Nina Zachers Ehemann Karl-Heinz veröffentlichte 2017 das Buch „Such dir einen schönen Stern am Himmel“ aus den Memoiren seiner Nina. Der Titel entstammt einem emotionalen Brief, den sie für den fünften Geburtstag ihrer jüngsten Tochter Lola hinterließ. „Such dir einen schönen Stern am Himmel aus, der besonders hell leuchtet, auf dem werde ich sitzen und dich beschützen“, steht am Ende der Nachricht.

„Eine Kiste, in der alles ist, was mich positiv an sie erinnert“

Im Gespräch mit unserer Zeitung erzählt Helena Zacher, die älteste Tochter von Nina und Karl-Heinz, wie sie sich zwei Jahre nach dem Tod der Mutter fühlt: „Dass wir das Buch fertiggestellt haben, war im Sinn meiner Mutter. Aber ich fühle mich ihr eher durch andere Dinge verbunden und nah. Zum Beispiel trage ich ihre alten Kleidungsstücke. Und ich habe eine Kiste, in der alles ist, was mich positiv an sie erinnert.“ Was ist in dieser Kiste? „Zum Beispiel von meiner ersten Party ein Einlassbandl, über das Mama sehr gelacht hatte und sagte: ,Jetzt warst du auf deiner ersten Feier!‘ Oder Briefe, die unsere Mutter vorgeschrieben hatte, weil sie ja nicht mehr da sein würde: der erste Liebeskummer, Geburtstagswünsche, Erstkommunion…“

Helena ist stark – sonst könnte sie nicht Mamas Zeilen vorlesen. Sie sagt uns nach dem ergreifenden Abend: „Natürlich hat mich das Vorlesen auch noch zweieinhalb Jahre nach dem Tod traurig gemacht. Aber ich würde mir niemals die Blöße geben, vor so vielen – und teilweise fremden – Menschen einzubrechen oder zu weinen. Deswegen hab’ ich einfach für den Moment alles ausgeblendet und mechanisch funktioniert.“

Dass sie sich überhaupt dazu aufraffte, ist nicht selbstverständlich – aber der Schülerin wichtig. Denn ihr Vater führt den Kampf gegen ALS weiter. Er gründete die Stiftung „faceALS“ (www.faceals.de), auf die er auch mit der Lesung aufmerksam machte. „Ich finde es vom Papa so toll und stark, dass er – obwohl es unserer Mama nichts mehr gebracht hat – sich weiter für die ALS-Forschung einsetzt“, sagt Helena Zacher. „Ich will ihn da mit allen Mitteln unterstützen.“

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Der Abend hat Helena sogar gut gefallen: „Es ist toll, welch hochrangige Wissenschaftler gekommen sind, zum Beispiel die Professoren Rüdiger Lange und Stephan Kellnar. Uns ist es sehr wichtig, auf die Krankheit aufmerksam zu machen. Vor allem auf den Missstand, dass es bis heute noch keine Therapie gibt.“ Der Höhepunkt für Helena war die Anwesenheit und Anteilnahme von Bayerns Ex-Ministerpräsident Edmund Stoiber (77). „Ich bin sehr beeindruckt, dass Herr Stoiber ein so einfühlsamer und netter Mensch ist. Ich war total aufgeregt. Dass er und so viele Familienfreunde da waren, bedeutet mir sehr viel.“

Die junge Frau geht weiter ihren Weg. Nach dem Abitur will sie zwar nicht beruflich in die Gastro-Fußstapfen ihrer Eltern treten, aber dafür führt sie vieles andere weiter: die Offenheit, über Tabu-Themen zu reden. Die Überzeugung, jede Minute des Lebens auskosten zu wollen, teilt sie auf jeden Fall mit ihrer Mutter.

Felicitas Bogner 

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