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Immobilien-Wahnsinn in München: Was man tun kann, wenn der Vermieter kündigt - Tipps vom Experten

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Von: Andreas Thieme

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Nebenkostenabrechnung
Nebenkostenabrechnung treibt Ihnen Schweißperlen auf die Stirn? Die Begleichung möglicher Ausstände ist aber wichtig. Sonst droht die Kündigung. © Christin Klose/dpa-tmn/Illustration

In München eine günstige Wohnung zu finden, grenzt an ein Wunder. Umso größer der Schock, wenn man sie verliert - zum Beispiel, wenn der Vermieter überraschend kündigt. Was man in solch brisanten Fällen tun kann, erklärt Angela Lutz-Plank, Geschäftsführerin vom Münchner Mieterverein.

München - Wenn die Wohnung gekündigt wird, ist das ein Schock für Mieterinnen und Mieter. Denn sie verlieren nicht nur ihr Zuhause, sondern haben auch den Stress, ein neues Heim zu finden. Doch eine neue Wohnung in München zu finden ist schwer – eine bezahlbare Wohnung schier unmöglich. Angela Lutz-Plank vom Mieterverein München erklärt die Rechtslage und was Mieter tun können.

Demnach darf Vermieter darf nur kündigen, wenn es einen gesetzlich anerkannten Kündigungsgrund gibt. Dies ist etwa der Fall, wenn der Mieter die Vertragspflichten verletzt, etwa ungenehmigte Untervermietung, Zahlungsrückstände oder Hausfriedensbruch. Oder wenn der Vermieter die Wohnung für sich oder Angehörige benötigt. Zu den Personen, für die Eigenbedarf geltend gemacht werden kann, gehören Lutz-Plank zufolge neben Eltern und Kindern die Geschwister des Vermieters, leibliche Nichten und Neffen, Enkel, Stiefkinder aber auch eine Pflegekraft für den Vermieter oder einen Angehörigen - aber auch der Lebenspartner oder der geschiedene Ehepartner. Voraussetzung für eine wirksame Eigenbedarfskündigung sei zunächst, dass der Vermieter im Kündigungsschreiben die Person angibt, für die er die Wohnung angeblich braucht und warum.

Als anerkannter Kündigungsgrund gilt auch, wenn der Vermieter durch die Weitervermietung an einer angemessenen wirtschaftlichen Verwertung gehindert wird und dadurch erhebliche Nachteile erleide – das heißt, wenn der Vermieter das Gebäude sanieren oder abreißen möchte. Angemessen ist sie beispielsweise dann, wenn Schulden getilgt oder Wohnraum geschaffen wird.

München: Wenn der Vermieter kündigt, heißt das längst nicht, dass die Mieter ausziehen müssen

Der Vermieter muss sich an Kündigungsfristen halten, betont Lutz-Plank: Bei einem Mietverhältnis, das seit weniger als fünf Jahren besteht, bestehen drei Monate Kündigungsfrist, zwischen fünf und acht Jahren sechs Monate und ab acht Jahren gelten neun Monate. Die Mietpartei hat die Möglichkeit, Widerspruch einzulegen. Das müsse aber spätestens zwei Monate vor Ablauf der Kündigungsfrist geschehen. Ein Widerspruch ist möglich, wenn die vertragsgemäße Beendigung für den Mieter oder für Angehörige seines Haushaltes eine Härte bedeuten würde.

„Bevor der Mieter jedoch einen Widerspruch verfasst oder wegen einer Kündigung auszieht, sollte er sich unbedingt von einem Juristen beraten lassen“, sagt Lutz-Plank. Eine fristlose Kündigung sei nur dann wirksam, wenn der Mieter vorher abgemahnt wurde. Das gelte nicht, wenn der Vermieter wegen ständig unpünktlicher Mietzahlungen beziehungsweise Zahlungsverzug kündigt. Dann kann er ohne Vorwarnung kündigen. „Wir fordern von der Politik, dass ein Mietenmoratorium schnell umgesetzt wird – niemand darf wegen Zahlungsschwierigkeiten bei den Nebenkosten gekündigt werden“, sagt Angela Lutz-Plank.

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