Werbung mit Durchsagen?

„Bedient alle Vorurteile“: Plan für Münchner Impfbusse sorgt für Zoff - ausgerechnet ein Gebiet fehlt

Ein Mitarbeiter der Hilfsorganisation Malteser steht am städtischen Impfzentrum vor einem Impfbus.
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Ein Impfbus - diese könnten bald auch in dicht besiedelten Münchner Vierteln zum Einsatz kommen.

Viele Münchner haben den Pieks noch immer nicht bekommen - kommt die Impfung bald in Bussen zu den Menschen in dicht besiedelten Vierteln? Die Idee wird im Bezirksausschuss diskutiert.

München - Ein Impfbus analog zum Bücherbus, dazu „einen mit einer Glocke oder einem Lautsprecher, der laut ,impfen‘ schreit, ähnlich wie früher beim Kartoffel- oder Eier-Mo“ – so in etwa könnte sich Astrid Schweizer, SPD-Sprecherin im Bezirksausschuss Ramersdorf-Perlach, eine mobile Impfaktion in Siedlungen mit hoher Bevölkerungsdichte vorstellen. Zuvor solle dort Werbung für die Aktion gemacht werden, unter anderem durch einfach formulierte Informationsblätter in mehreren Sprachen.

Nach Wunsch der Grünen soll es das Angebot speziell für Gebiete mit besonders beengten Wohnbedingungen, mit Bildungs- und Sprachdefiziten geben. Dort erreiche die übliche Ansprache die Menschen „nur sehr schwer bis gar nicht“. Deshalb sollten Wohnungsbaugesellschaften und die Münchner Tafel helfen, die Aktionen bekannt zu machen.

Corona in München: „Impfbarrieren“ in Neuperlacher Anlagen?

In Neuperlacher* Anlagen mit engem sozialen Umfeld bestünden offenbar „Impfbarrieren“, hat BA-Chef Thomas Kauer (CSU) erfahren. Zudem liege für einige Menschen das Impfzentrum in Riem quasi im „Ausland“. Deshalb seien Angebote vor Ort nötig.

Aber auch dort müsse man erst einmal an die Betroffenen herankommen. „Wenn die Leute jetzt noch nicht begriffen haben, was die Stunde geschlagen hat, dann wird es echt schwierig“, fand Peter Wimmer (CSU). Diskussion gab es um eine Liste der Grünen mit konkreten Standorten für das mobile Angebot. „Das bedient alle Vorurteile gegen den Stadtbezirk“, fand CSU-Sprecher Simon Soukup. „Das entspricht der Realität“, wehrte sich Werner Nüßle (Grüne) und verwies auf Erhebungen der Stadt. Es seien auch nur Beispiele für Bereiche, wo man es für besonders sinnvoll halte. „Denn wir kennen den Stadtbezirk am besten.“

Ausgerechnet Gebiet in Ramersdorf „mit höchsten sozialen Herausforderungen“ fehlt

Allerdings fehlte ausgerechnet jenes Gebiet in München*-Ramersdorf*, das das Sozialreferat selbst erst im Januar als Region „mit den höchsten sozialen Herausforderungen“ eingestuft hatte. Die Idee von mobilen Impfteams für sozial problematische Viertel wurde auch schon im Stadtrat angeregt und wird derzeit im Gesundheitsreferat geprüft. Momentan impften die mobilen Teams aber noch Menschen mit Priorität 2 in Alten- und Pflegeheimen, Asyl- und Wohnungslosenunterkünften, erklärt eine Referatssprecherin. Zudem hänge alles von genügend Impfstoff ab. CARMEN ICK-DIETL - *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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