Regierung plant neue Unterkunft

Hier sollen 600 Asylbewerber rein

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Mitten im Gewerbegebiet, umgeben von Parkplätzen, Bahn und Märkten sollen 600 Menschen leben.

München - Ein Gewerbebau am Rand des Industrieparks Nord, derzeit Quartier eines Pralinenhandels und eines Versandes für Frisuren-Accessoires: Hier sollen bald bis zu 600 Menschen leben.

Ein Gewerbebau am Rand des Industrieparks Nord, derzeit Quartier eines Pralinenhandels und eines Versandes für Frisuren-Accessoires, sieben Stockwerke hoch, umgeben von Parkplätzen, Großmärkten und Eisenbahnschienen: Hier sollen bald bis zu 600 Menschen leben.

 Die Regierung von Oberbayern plant hier eine neue Unterkunft für Asylbewerber, die die jetzige Bayernkaserne als Schlafstätte ersetzen soll. Die Stadt und die sozialen Organisationen sind entsetzt.

Die Bayernkaserne als derzeitige Erstaufnahme-Unterkunft für Asylbewerber in Bayern platzt bekanntlichermaßen aus allen Nähten, derzeit sind dort rund 1800 Flüchtlinge untergebracht (tz berichtete), obwohl hier maximal 1600 leben sollten. Spätestens Ende 2016 muss die Regierung von Oberbayern, die das Areal betreut, die Hallen räumen. Und schon jetzt wollen die Behörden die überfüllte Bayernkaserne entlasten. Nächste Woche sollen 100 Menschen in zwei ehemaligen Mannschafsunterkünften in der Funkkaserne einziehen, insgesamt sind hier 300 Schlafplätze geplant.

Außerdem hat die Regierung von Oberbayern einen Mietvertrag für das siebenstöckige Gebäude in der Lotte-Branz-Straße abgeschlossen. Ab nächstes Jahr sollen hier Asylbewerber wohnen, bis zu 600 Plätze hat de Regierung beantragt. Auch nach der Auflösung der Asylunterkunft in der Bayernkaserne soll hier eine Schlafstätte für 600 neu angekommene Flüchtlinge sein. „Wir planen in Zukunft ein dezentrales Konzept mit mehreren Gebäuden, in denen die Menschen untergebracht werden“, erklärt Pressesprecher Florian Schlämmer von der Regierung von Oberbayern. Der Vertrag für die Lotte-Branz-Straße läuft über 15 Jahre. Doch Alexander Thal vom Bayerische Flüchtlingsrat kritisiert: „Es gibt hier keinerlei soziale Infrastruktur, im Gegensatz zur Bayernkaserne können keine Sportplätze oder Spielplätze für die Kinder angeboten werden.“ Auch Bürgermeisterin Christine Strobl und Sozialreferentin Brigitte Meier halten die neue Unterkunft nicht für ideal. „Die Menschen brauchen Freiflächen, um sich bewegen zu können.“ Schlämmer versucht zu beschwichtigen: „Wir haben dieses Problem im Auge.“

Angst vor dem Winter

Die Krisenherde in der Welt werden immer mehr, Bürgermeisterin Christine Strobl rechnet darum nicht damit, dass sich die Flüchtlingssituation entspannt. „Und wir brauchen im Winter einen Teil der Bettenkapazitäten in der Bayernkaserne für den Kälteschutz.“ 200 Plätze, die für Obdachlose gedacht sind, werden derzeit von Asylbewerbern besetzt. Und dann steht die Stadt vor dem Problem der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge: „80 Prozent dieser Gruppe in Bayern muss die Stadt betreuen.“ Derzeit sind rund 140 von ihnen in Hotels untergebracht. Die Hotels wollen ihre Kapazitäten aber während des Oktoberfestes für die weitaus lukrativeren Wiesn-Übernachtungen frei machen. Das Sozialreferat erklärt dazu: „Grundsätzlich müssen dann alternative Lösungen gefunden werden. Das Stadtjugendamt befindet sich dazu bereits in Gesprächen.“

Johannes Welte

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