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Hohe Kosten für Energie und Lebensmittel: Stadt München bietet finanzielle Hilfe an

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Von: Sascha Karowski

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In München, wo die Miete schon mal bis zur Hälfte des Einkommens Gehaltes auffrisst, schmerzen die steigenden Preise besonders. Für Bedürftige bietet die Verwaltung nun noch mehr Hilfen an.

München - Die Inflation galoppiert davon, im Mai war sie mit 7,9 Prozent so hoch wie seit fast 50 Jahren nicht mehr, im Juni lag sie bei 7,6 Prozent. Alles wird teurer, Heizen, Strom und Lebensmittel. Gerade in einer Stadt wie München, die bekanntlich zu den teuersten Metropolen der Republik gehört, kann das sehr weh tun. Doch es gibt Hilfe.

Stadt München greift Bedürftigen unter die Arme

München Pass: Zum 1. September erhöht München die Einkommensgrenzen für den Bezug des München-Passes und für weitere freiwillige Leistungen. Das hat der Stadtrat entschieden. Damit können mehr Haushalte mit niedrigem Einkommen unterstützt werden. Die Einkommensgrenze wurde auf 1540 Euro für einen Ein-Personen-Haushalt angehoben. Bei zwei Personen sind es 2310 Euro, bei zwei Erwachsenen mit einem Kind (über 14 Jahre) sind es 3080 und bei zwei Erwachsenen mit zwei Kindern 3850 Euro.

Stromkostenzuschuss: Seit Juli kann der Stromkostenzuschuss in den Sozialbürgerhäusern beantragt werden. Der Zuschuss beträgt bis zu 50 Euro bei Ein- und Zwei-Personen-Haushalten und bis zu 100 Euro bei Haushalten ab drei Personen. Berechtigt sind Menschen, die Wohngeld erhalten oder deren Einkommen unter der Armutsrisikogrenze liegt. Der Zuschuss wird bis 30. Juli 2023 ausgezahlt.

München: Härtefallfonds hilft bei Strom und Heizenergie

Härtefallfonds: Münchner Haushalte mit geringem Einkommen können sich bei Androhung einer Sperrung des Haushaltsstroms oder Heizenergie ebenfalls an das Sozialbürgerhaus beziehungsweise Jobcenter oder die Schuldner- und Insolvenzberatung wenden. Dort wird geprüft, ob es sich um einen Härtefall handelt, für den der Härtefallfonds zur Verfügung steht. Bei Vorliegen eines Härtefalls wird eine Vergleichsvereinbarung mit den Stadtwerken München (SWM) geschlossen. Einen finanziellen Beitrag leisten dann die SWM, der Härtefallfonds sowie die Bürger selbst.

Stadt prüft Zuschuss für Schulmaterial

Die Stadt plant weitere Hilfen für Münchner. Das Sozialreferat soll ausarbeiten, wie der Zuschuss für Schulmaterial auch an Menschen ausgezahlt werden kann, die keine Leistungsempfänger sind, aber unter der Armutsgrenze liegen oder leicht darüber. Das hat der Stadtrat entschieden. Bislang zahlt die Stadt 150 Euro zur Einschulung für Menschen, die beispielsweise Sozialhilfe beziehen.

Vorausgegangen war dem Beschluss ein Antrag von CSU und Freien Wählern, die angesichts steigender Preise für Hefte, Stifte und Ranzen allen Eltern zur Einschulung ihrer Kinder 100 Euro zuschießen wollten. „Wir kommen immer mehr in die Situation, dass sich Menschen, die sich das Leben in München vielleicht gerade noch so leisten können, auf Urlaube oder ein Essengehen verzichten“, sagte CSU-Chef Manuel Pretzl.

SPD-Chefin Anne Hübner verstand die Intention, sagte aber, die Stadt sei finanziell derzeit nicht so aufgestellt, das Geld nach dem Gießkannen-Prinzip zu verteilen. „Das fehlt uns dann an anderer Stelle, um die Menschen zu unterstützen, die nun wirklich Hilfe brauchen.“ Den Kompromiss vermittelte OB Dieter Reiter (SPD). Die Verwaltung soll nun bis 7. September selbst eine Einkommensgrenze definieren, bis zu der ein Zuschuss gezahlt wird. Es müsse nicht sklavisch die neue Armutsgrenze sein, sagte Reiter. „Auch die Kreise darüber wollen wir noch abbilden.“

Energiesparen: Das Sozialreferat vermittelt zudem Haushalte mit Energieschulden bei Bedarf an kostenlose Energieberatungen. Zudem hatte die Stadt eine Energiesparprämie aufgelegt. Wer seine Heizung runterdreht, wird dafür belohnt: Haushalte, die ihren Energieverbrauch aus dem Vorjahr um mindestens zehn Prozent unterbieten, erhalten 50 Euro, wer 20 Prozent einspart, bekommt 100 Euro.

München erarbeitet Rahmenbedingungen für Wärmefonds

Wärmefonds: Die Stadtwerke stellen überdies 20 Millionen Euro für einen Wärmefonds bereit. Aus diesem sollen einkommensschwache Haushalte sozial ausgewogen bei der Bewältigung der Energiekosten für Heizung und Warmwasser mit der Zahlung einer Pauschale pro Jahr unterstützt werden. Der Fonds ist ab 2023 auf zwei Jahre angelegt. Derzeit werden die Rahmenbedingungen erarbeitet.

Mittagessen: In schwierigen finanziellen Situationen besteht für Senioren die Möglichkeit, kostenfrei oder vergünstigt Mittag zu essen. Das Angebot gibt es in den Alten- und Servicezentren. Zudem können Senioren einen Zuschuss beim Kauf eines Laptops oder bei haushaltsnahen Dienstleistungen beantragen. Das geht in den Sozialbürgerhäusern – dort können Bürger auch eine Kostenübernahme von Verhütungsmitteln beantragen.

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