So gut wie nie einen Tag frei

Die Macht der Münchner Influencer – Anni Jung gibt 458.000 Menschen Mode-Tipps auf Instagram

Der 30-jährigen Anni Jung folgen im sozialen Netzwerk Instagram stolze 458.000 Menschen.
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Eine schöne Inszenierung als Erfolgsrezept: Der 30-jährigen Anni Jung folgen im sozialen Netzwerk Instagram stolze 458.000 Menschen. Das große Publikum bedeutet für sie aber auch eine gewisse Verantwortung.

Für zahlreiche Menschen sind Influencer Vorbilder und Idole. Doch was auf den Social-Media-Beiträgen so einfach aussieht, ist anstrengende Arbeit.

München - Sie haben eine Gefolgschaft, die zahlenmäßig die meisten Großstädte erblassen lässt. Sie reisen an wunderschöne Orte und verdienen damit auch noch ihr Geld: Influencer scheinen mit Eindrücken aus ihrem Alltag reich zu werden. Doch wie sieht das Leben hinter der perfekten Online-Fassade wirklich aus? Und was heißt es eigentlich, ein „Influencer“ zu sein? Für unsere neue Serie haben wir mit den größten Netz-Stars aus München* gesprochen – von der Modeikone bis hin zur Yogameisterin. Und es stellt sich heraus: Hinter den perfekten Schnappschüssen und kurzen Videoclips steckt harte Arbeit.

Influencer auf Instagram: Anni Jung hat nur zum Spaß damit angefangen

Spaß am Fotos machen hatte Anni Jung (30) schon immer. Doch während diese früher nur wenige zu sehen bekamen, teilt sie die Schnappschüsse von sich inzwischen mit fast einer halben Million Menschen – und aus einem Hobby ist dank perfekter Fotos ein lukrativer Job geworden. Unter dem Namen „@Anniju“ betreibt die Wahlmünchnerin einen der erfolgreichsten Mode-Kanäle der Isarmetropole und versorgt ihre „Follower*“, wie man in Social-Media-Kreisen sagt, täglich mit neuen Fotos, Videos und Mode-Inspirationen.

Alles fängt 2015 an, als Anni auf Instagram* startet. „Das war damals nur zum Spaß“, erinnert sie sich. Die junge Frau beginnt, täglich neue Outfits zu zeigen. Dass sie irgendwann davon leben kann, steht da noch gar nicht zur Debatte. Bald aber kommt das erste Modelabel auf sie zu und bietet ihr eine Kooperation an. Es werden immer mehr – heute bekommt sie an manchen Tagen bis zu 50 E-Mails. „Oft kann man die Hälfte aber relativ schnell aussortieren“, so Jung.

Influencer auf Instagram: Der Tag ist fest durchgeplant

Doch was auf ihren Fotos so locker und leicht aussieht, kostet vor allem eines: viel Zeit. Denn Influencer zu sein, heißt auch immer wieder neuen „Content“, wie sie ihre Inhalte nennen – sprich Bilder, Videos, Insta-Stories* und Co. – online zu stellen. Und: mit den Menschen, die dem eigenen Kanal folgen, zu interagieren – jeden Tag. „Ich kann mich nicht mehr erinnern, wann ich zum letzten Mal einen ganzen Tag nicht online war“, sagt Anni. Auch im Urlaub gilt der erste Gedanke dem perfekten Foto. Erst wenn das im Kasten ist, kann die Influencerin wirklich entspannen. Das sei aber früher auch schon so gewesen, betont sie. „Schöne Fotos waren mir als Erinnerung immer wichtig.“

Jeden Abend schreibt Jung sich einen Plan für den nächsten Tag: Welche Bilder müssen morgen online? Werden neue Bilder geschossen? Oder gibt es Bürokram, der erledigt werden muss? Einen komplett freien Tag, den hat Jung so gut wie nie. „Aber es stört mich nicht“, sagt die 30-Jährige. „Mir macht das alles immer noch viel Spaß.“

Influencer auf Instagram: Bei mir ist nicht immer alles perfekt, sagt Anni Jung

Und es ist auch lukrativ, das streitet sie nicht ab. Wie viel sie verdient, will sie nicht sagen. Gleichzeitig bedeuten so viele Follower auch eine große Verantwortung. „Ich wähle meine Kooperationen inzwischen sehr genau aus“, so Anni. Sie will schließlich, dass sich die Leute auf ihre Empfehlungen verlassen können. Und sie zeigt auch bewusst negative Seiten. „Niemand soll denken, dass bei mir immer alles perfekt ist.“ Mit einer einzigen Ausnahme: ihren Bildern. *tz.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

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