Nur noch Fußgänger im Tal?

Autofreie Innenstadt in München? Stadt bringt Großprojekt auf den Weg - City könnte neues Gesicht bekommen

München: So könnte das Tal in der Münchner Altstadt aussehen.
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München: So könnte das Tal in der Münchner Altstadt aussehen. Ein Archikekt hat hier das Tal autofrei gestaltet.

Das Projekt, die Innenstadt weitgehend autofrei zu gestalten, ist einen Schritt vorangekommen. Der Stadtrat hat am Mittwoch weiteren Untersuchungen zugestimmt, um weniger Autos ins Tal zu lassen.

  • Die Münchner* Innenstadt wird autofreier.
  • Der Stadtrat hat am Mittwoch weiteren Untersuchungen zugestimmt, um weniger Autos ins Tal zu lassen.
  • Eine Fußgängerzone wird es dort aber zunächst nicht geben. Der Grund ist die Baustelle am Marienhof.

München - Die Bahn baut – allerdings nicht sehr zügig. Bis mindestens 2028 wird der Bau der zweiten Stammstrecke noch dauern. Das hat Folgen – insbesondere für die Pläne der grün-roten Rathauskoalition, die gerne die Altstadt weitgehend autofrei gestalten würde. Denn die Bahn braucht das Tal für den Baustellenverkehr zum Marienhof. Daher ist eine reine Fußgängerzone, etwa analog zur Kaufingerstraße, zunächst ausgeschlossen.

Vorgesehen ist aber, das Tal sukzessive vom Autoverkehr zu entlasten, es soll mehr Fläche für Fußgänger, Radfahrer und den ÖPNV zur Verfügung stehen. Und mit der Eröffnung der Tiefgarage Thomas-Wimmer-Ring sollen erste Parkplätze für Radabstellplätze, Lieferzonen und Mobilitätsstationen wegfallen. Insgesamt braucht es aber weitere Untersuchungen, denen der Stadtrat gestern zugestimmt hat. Geplant ist unter anderem, mit der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) zu prüfen, wie der Busverkehr anders durch die Altstadt gelenkt werden kann.

München: Autofreie Innenstadt? „Wollen mehr Aufenthaltsqualität“

Denkbar sind beispielsweise eine Fußgängerzone oder ein verkehrsberuhigter Geschäftsbereich, der für den Bus-, Liefer- und Radverkehr geöffnet bleibt. „Das Tal ist aus unserer Sicht eine Eingangsschneise in Münchens gute Stube“, sagte Grünen-Fraktionschef Florian Roth in der Sitzung. Dieser erste Eindruck bedürfe einer Aufwertung. „Natürlich wissen wir aber, dass wir nicht in ein paar Monaten eine klassische Fußgängerzone realisieren können.“ Gleichwohl könne man den nicht notwendigen Autoverkehr reduzieren. Das könne mit dem Wegfall von Parkflächen gelingen. Die Erreichbarkeit im Tal sei weiter gegeben – durch den ÖPNV oder das Rad. „Und wir wollen mehr Aufenthaltsqualität.“

München: Autoreduziert hieße nicht, dass dort keine Busse mehr fahren sollen

Autoreduziert hieße nicht, dass dort keine Busse mehr fahren sollen, sagte SPD-Stadtrat Nikolaus Gradl. „Gleichzeitig müssen es aber nicht die ganz großen mit Verbrennungsmotoren sein.“ Gradl verwies auf das Projekt City Bus, das bereits von der MVG geprüft worden war. Damit soll eine Mikroerreichbarkeit sichergestellt sein, für mobilitätseingeschränkte Menschen etwa. „In Wien kreuzen Elektrobusse problemlos auch in der Fußgängerzone, in der Theatinerstraße in München fährt eine Tram. Das ist ein wunderbares Nebeneinander der Verkehrsarten.“ Gradl wünscht sich überdies Bereiche für Schanigärten oder Bänke – ohne Konsumzwang.

CSU-Fraktionschef Manuel Pretzl fand die Beträge wohltuend und sehr realitätsnah. Endlich sei nicht mehr von der autofreien Innenstadt die Rede, die schlicht nicht umsetzbar sei. „Das Tal wird keine Fußgängerzone werden. Wir haben Hotels und Tiefgaragen, die angefahren werden müssen.“ Mittels Antrag hatte die CSU versucht, auf eine Änderung hinzuwirken und statt von einer Fußgängerzone von Begegnungszonen zu sprechen. Die gibt es in Wien, dort teilen sich Verkehr und Fußgänger die Fläche. In Deutschland ist das rechtlich so nicht möglich. „Das haben wir einem CSU-Verkehrsminister zu verdanken“, sagte Paul Bickelbacher (Grüne) mit Augenzwinkern. - *tz.de ist Teil des Ippen-Netzwerks.

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