Familie von Theresia musste ein Jahr warten

Lange Wartelisten bei Intensivpflege für Kinder: Pflegedienst schlägt Alarm - „Brauchen dringend Unterstützung“

Ein Mädchen sitzt in einem Rollstuhl, daneben steht eine Frau mit Maske.
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Eingespieltes Team: Pflege-Profi Angelika Proft kümmert sich liebevoll um Theresia .

In der Pflege herrscht in Deutschland ein Notstand. Das gilt auch für die Dienste, die sich um Kinder kümmern. Die elfjährige Theresia musste ein Jahr auf einen Platz warten.

München - Im Winter haben Theresia Veh und Angelika Proft sogar im Eisstadion ihre Runden gedreht. So rasant wie möglich wollte Theresia (11) übers Eis sausen. „Ich mag eben Tempo“, sagt das Mädchen und grinst. Sie ist abenteuerlustig - auch wenn für sie alles etwas schwieriger ist.

Denn Theresia hat eine angeborene Muskelkrankheit. Sie kann sich nur sehr wenig bewegen, nachts muss sie beatmet werden. Tagsüber ist sie in einem Rollstuhl unterwegs, den sie mit einem Joystick steuern kann.

Intensivpflege von Kindern: Theresia braucht rund um die Uhr Hilfe

Im Alltag braucht sie rund um die Uhr Hilfe - von ihren Eltern Alixa und Rüdiger Veh, aber auch von mehreren Pflegerinnen - wie eben Angelika Proft. Die Vermittlung läuft über den ambulanten Kinderkrankenpflege-Dienst Münchner Kindl. Dessen Mitarbeiter betreuen im Raum München* 16 schwerstbehinderte, intensivpflegebedürftige Kinder.

Doch der Pflegekräftemangel macht sich auch dort bemerkbar. „Es ist ein richtiger Notstand, wir brauchen dringend Unterstützung“, sagt Angelika Proft. Denn die Warteliste mit kleinen Patienten, die dringend Helfer brauchen, ist lang.

Der Kampf um die Fachkräfte

Der Personalmangel in der Pflege hat fatale Folgen: So zeigt eine Studie der Stadt, dass alleine den Münchner Kliniken in den nächsten zehn Jahren rund 2100 Pflegekräfte fehlen werden. Daher werden hier schon 8000 Euro Kopfgeld für jede Fachkraft bezahlt, die zu den Kliniken wechselt. „Da ist es für einen ambulanten Dienst schwer mitzuhalten“ erklärt Pflegerin Angelika Proft. Da es zudem an Nachwuchs fehlt, sind sich Experten schon lang einig: „Der Beruf muss schnell aufgewertet werden - durch bessere Bezahlung und mehr Anerkennung.“

Intensivpflege von Kindern: Chemie zwischen Familie und Pflegern muss passen

Auch Familie Veh brauchte rund ein Jahr Geduld, bevor vor drei Jahren ein Platz frei wurde. „Der Anruf war eine Überraschung“, sagt Mama Alixa. „Dann hat es von Anfang an gleich gut geklappt.“ Ganz wichtig sei, dass sich Pfleger und Familien gut verstehen. „Wenn die Chemie nicht passt, ist es sehr belastend“, sagt die 46-Jährige.

Theresia wird an Schultagen tagsüber und zusätzlich teilweise auch nachts vom Pflegedienst betreut. Ansonsten unterstützen die Eltern durchgängig ihre Tochter. „Nachts stehen wir mehrfach auf. Man kann sich schlecht erholen“, berichtet Rüdiger Veh. „Da wäre es natürlich eine Entlastung, wenn mehr Nächte Hilfe da wäre.“ Doch es fehlt an Personal.

Wichtig ist: „Es muss gewährleistet sein, dass immer jemand da ist, der auch in einer kritischen Situation weiß, was er machen muss“, so Angelika Proft. Verstopft zum Beispiel eine Kanüle, dann kann Theresia schnell Atemnot bekommen. Aber die Elfjährige ist geistig topfit und kämpft sich überall durch. Seit diesem Schuljahr geht sie in die fünfte Klasse aufs Gymnasium - auch das ist nur dank der Pflege möglich. „Aber ich wollte das unbedingt und habe gleich eine beste Freundin gefunden.“ (cla) *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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