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Frau verliert 200.000 Euro an Liebes-Schwindler - „Es brach mir das Herz“

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Von: Andreas Thieme

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Johanna M. (45) im Gespräch mit Bayerns Justizminister Georg Eisenreich
Johanna M. (45) im Gespräch mit Bayerns Justizminister Georg Eisenreich © Foto: Schlaf

Betrüger täuschen im Netz die große Liebe vor, um an das Geld einsamer Menschen zu kommen. Bereits neun Millionen Euro Schaden hat diese perfide Masche in Bayern verursacht, 73 Fälle des so genannten Love Scamming gab es heuer bereits in München. Eine Betroffene berichtet.

München - Johanna M. (45, Name geändert) schießen Tränen in die Augen. „Das war eine Albtraum-Erfahrung“, sagt sie. „Es hat mir das Herz herausgerissen.“ Im Juli 2014 lernte die Münchnerin im Internet einen Mann kennen, in den sie sich verliebte – doch er stellte sich als Betrüger heraus und zockte sie ab.

Mehr als 200.000 Euro verlor Johanna M. an den Mann, der sich als Rechtsanwalt und Pastor aus Ghana ausgab. „Wir führten eine Fernbeziehung und haben rund um die Uhr geschrieben.“ Romantische Nachrichten, die Johanna M. tief berühren. Doch nach Monaten der Schwärmerei wollte ihr Liebster plötzlich Geld – erst, weil ihm angeblich gekündigt wurde. Später erzählte er die Geschichte, dass er ein Prinz sei und 250 Kilo Gold geerbt habe, für das die Bank eine Freigabegebühr verlange.

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München: Der Schaden durch Liebes-Betrug liegt 2021 bei 2,8 Millionen Euro

„Ich war naiv“, gesteht Johanna M. Sie zahlte – immer wieder. Und nahm sogar Kredite auf, im guten Glauben, ihrem afrikanischen Freund aus der Klemme helfen zu können. Doch erst 2017 flog der Schwindel auf, als sie einem Bekannten von ihrer dubiosen Liaison erzählte. Denn das Phänomen des Liebesbetrugs ist nicht neu, vor allem im Internet nimmt es stetig zu. Bayerns Justizminister Georg Eisenreich warnt: „Betrüger nutzen Love Scamming als moderne Form des Heiratsschwindels im Netz. Im vergangenen Jahr gab es laut Polizei bis Ende November 550 Anzeigen in Bayern. Die Täter konnten landesweit neun Millionen Euro erbeuten.“ Allein in München habe es heuer „bislang 73 Fälle mit einem Gesamtschaden von etwa 2,8 Millionen Euro“ gegeben.

Betrugs-SMS
Eine Frau mit einem Smartphone, auf dem eine Betrugs-SMS zu lesen ist. © Wolf von Dewitz/dpa

Die Masche ist perfide: Täter schreiben ihre Opfer unter falschen Identitäten über Dating-Plattformen, in sozialen oder beruflichen Netzwerken an. Sie geben sich als Ärzte, US-Soldaten oder Ingenieure aus und erschleichen sich das Vertrauen der Opfer. Mit erfundenen Notlagen bitten sie um Geld oder erpressen Betroffene mit intimen Bildern oder Videos. Dabei nutzen sie gefälschte Dokumente oder Bilder. „Oftmals stehen hinter den Tätern Strukturen der Organisierten Kriminalität“, so Eisenreich.

Betrug in München: „Täter betreiben diese Masche wie einen Sport“

„Manche Täter betreiben diese Betrugsmaschen wie einen Sport“, sagt Hans Kornprobst, Behördenleiter der Staatsanwaltschaft München I. Er weiß: Viele Opfer zeigen die Taten aus Scham nicht oder nicht sofort an – doch oft nur dann kann die Polizei die Betrüger schnappen, wenn die Spuren noch frisch sind. Wie bei Johanna P.: Als ihr Täter sie nach zwei Jahren wieder kontaktiert, fingiert sie gemeinsam mit Ermittlern ein Treffen. So wird der Betrüger dann geschnappt. Er hat den Betrug gestanden und sitzt mittlerweile in Haft. „Ich habe jetzt einen neuen Freund“, sagt Johanna M. Der es ernst meint – und die Müchnerin wirklich liebt.

„Liebesbetrüger wissen die richtigen Knöpfe zu drücken“, sagt Thomas Goger, Leiter der Zentralstelle Cybercrime in Bamberg. Meist sitzen sie in Westafrika, teils von Internetcafés aus schreiben sie Frauen an. „Ignorieren Sie Forderungen. Lassen Sie sich nicht unter Druck setzen. Beziehen Sie Familie oder Freunde ein. Überweisen Sie kein Geld“, rät Justizminister Georg Eisenreich allen Betroffenen. Sie sollten niemals Bank- oder Kreditkartendaten herausgeben und auch keine intimen Bilder oder Videos senden.

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