Langsamer Glasfaser-Ausbau

Internet-Wüste direkt in München: Über 100 Haushalte sind abgehängt

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Gähn! Matthias Philipp ärgert sich übers lahme Internet. Unten in Rot ist der betroffene Bereich zu sehen.

Viele Bereiche in München sind inzwischen mit Glasfaserkabeln versorgt. Doch nicht jeder kann schon schnelles Internet beziehen. Einen „weißen Fleck“ gibt es in der Fasanerie.

Die Nachbarn von Matthias Philipp surfen mit Hochgeschwindigkeit. Jedes neue Haus im östlichen Schnepfenweg bekommt Glasfaseranschluss. Da sind Übertragungsraten von bis zu 500 Mbit pro Sekunde möglich. Nur ein Fleck im äußersten nordwestlichen Winkel der Fasanerie lebt noch im Viertel der langen Leitungen. Dort sind maximal 16 Mbit möglich. Und das wird sich in Zukunft erst mal nicht ändern.

„Wenn ich eine größere E-Mail verschicke oder über die Dropbox Dokumente austausche, dauert das ewig“, berichtet Philipp. Er wohnt mit seiner Familie im westlichen Schnepfenweg. Das Haus stammt aus den 1980er-Jahren, wie viele Gebäude im Viertel. „Sie haben alle dasselbe Problem. Es betrifft etwa 120 Haushalte.“ Philipp nutzt das Internet daheim nicht nur zum Spaß. Er betreibt eine Unternehmensberatung und einen Großhandel. „Es geht uns nicht um Netflix“, sagt er. „Wir müssen hier arbeiten!“

Internet in München: Darum funktioniert es in manchen Gebieten schneller

Besonders ärgerlich an der Situation: Wenn er aus dem Fenster blickt, sieht er die neueren Nachbarhäuser mit Glasfaseranschluss. „Das Haus mit der zehnfachen Geschwindigkeit ist nur 20 Meter von hier entfernt.“ Nicht nur er stellt sich die Frage: Warum ist es in der Nachbarschaft möglich, Glasfaser zu verlegen, nicht aber bei ihm?

Erst 2017 entstand ein Neubaugebiet am Schnepfenweg, das an ein Hochgeschwindigkeitsnetz angeschlossen wurde. Laut Philipp gilt das für jeden Neubau. „Jedes Mal wird der Gehweg aufgerissen. Für die Bestandshäuser wurde allerdings nicht mal der Unterverteiler erweitert. Dadurch haben wir nicht Glasfaser, sondern DSL Mbit, von denen auch nur zwölf Mbit ankommen.“ Vor über zwei Jahren stellte Philipp sein Problem beim Bezirksausschuss (BA) Feldmoching-Hasenbergl vor. Passiert ist bisher: nichts.

Die Stadt kann den Betroffenen aktuell nicht helfen. Zwar gibt es ein Programm der Stadtwerke zur Glasfaser-Erschließung. In der aktuellen Ausbauphase, die noch bis 2021 läuft und nach deren Abschluss 70 Prozent der Münchner Haushalte versorgt sein sollen, ist die Siedlung in der Fasanerie jedoch nicht enthalten. Das Referat für Arbeit und Wirtschaft teilte Philipp mit, dass es die Glasfaser-Erschließung „in Ihrem Wohngebiet nach derzeitigem Stand frühestens ab dem Jahr 2021 in Aussicht stellen“ kann.

Die Stadtwerke rieten Philipp und seinen Nachbarn, sich an die Telekom zu wenden, da sich „in der Nähe eine moderne Breitbandinfrastruktur der Telekom befindet“, wie ein Sprecher bestätigte. Doch die Antwort des Unternehmens fiel negativ aus. In dem betreffenden Viertel befänden sich lediglich 129 Bestandskunden. Dafür sei ein Ausbau wirtschaftlich nicht rentabel. Matthias Philipp wird wohl noch mindestens zwei weitere Jahre in der Internetwüste leben.

Tausende Nutzer waren kürzlich ebenfalls frustriert: Sie kämpften mit massiven Störungen des Internet- und Telefonieanbieters Vodafone.

80.000 Haushalte von Vodafone-Kunden können wegen einer Störung zeitweise nicht telefonieren.

Kathrin Hildebrand

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