Pegel steigt zunächst noch moderat an

Hochwassergefahr in München? Experte erklärt spezielle Situation an der Isar - Stadt sperrt Wege

Im Westen Deutschlands und in Teilen Bayerns nahm das Hochwasser dramatische Ausmaße an. München blieb verschont - doch früher war die Isar öfter ein Gefahrenherd.

München - Die Bilder der vergangenen Tage schockierten die Welt: Fluten reißen Häuser weg, töten Menschen. Während der Hochwasser-Katastrophe in Westdeutschland und Südostbayern wanderte auch manch banger Blick zur Isar: Kommt auch hier die Flut? Die Pegel sind hoch*, doch Christian Leeb, Leiter des Wasserwirtschaftsamts München, sagt: „Wir in München* haben das Glück, hochwassersicher zu sein.“ Einer der Gründe: die Renaturierung der Isar.

„Leichtes Hochwasser“ in München - Lage hat sich deutlich beruhigt

„Wir haben ein leichtes Hochwasser. Die Lage hat sich aber deutlich beruhigt“, erklärt Leeb. Nach den starken Niederschlägen im Alpenraum seien rechtzeitig Vorsorgemaßnahmen ergriffen worden: Am vergangenen Freitag war durch das Öffnen von Stauklappen damit begonnen worden, im Sylvensteinspeicher Platz für die Wassermassen zu schaffen. Für München bedeutete das: Die Wassermenge der Isar stieg kontinuierlich. Am Montag wurde die Meldestufe 2 überstiegen: Eine Wasserhöhe von über drei Metern. „Nun haben die Niederschläge nachgelassen, dennoch wird das Wasser noch moderat ansteigen.“ Ein Unterschreiten der Meldestufe 2 erwartet das Wasserwirtschaftsamt München erst am Dienstagabend.

Trotzdem bestand keine Situation, in der die Anwohner und Gebäude angrenzend an den Fluss in Gefahr waren. Die Feuerwehr meldete auch keine Vorfälle von gefluteten Kellern. Leeb: „München ist in der Lage, eine Fließgeschwindigkeit von 1100 Kubikmeter Wasser pro Sekunde zu vertragen. Momentan sind wir bei 400 Kubikmetern.“

Neben dem Sylvensteinspeicher und diversen Hochwasserschutzbauten, wie Staudämmen und Deichen (z.B. am Tierpark) ist vor allem die Renaturierung der Isar ein Segen für München. Martin Hänsel vom Bund Naturschutz München erklärt: „Sie hat den Effekt, dass die Menge des Wassers, das ins Isarbett hineinpasst, vergrößert wurde.“

München veranlasst vorläufige Sperrung der Rad- und Fußwege an der Ostseite der Isar

In den 90er-Jahren sei Hochwasser noch ein großes Problem für München gewesen. Bis 2011 aber wurde der „Isar-Plan“ realisiert: Das Flussbett wurde erweitert, Beton wich, unter Wasser wurden Steine eingebaut. So entstanden Kiesflächen, natürliche Uferformationen und Inseln. Das freut heute nicht nur die Sonnenanbeter am Isarstrand oder einige Tier- und Pflanzenarten – es hilft uns nun bei Hochwasser. Die Isar kann sich wieder schlängeln und ausbreiten, ohne Schaden anzurichten.

Dennoch heißt es: Vorsicht direkt am Wasser bleibt geboten! Neben dem Bade- und Bootsfahrverbot hat die Stadt München am Montag auch die vorläufige Sperrung der Rad- und Fußwege auf der Ostseite der Isar sowie des Flaucherstegs veranlasst. ANDREA STINGLWAGNER (*tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA)

Rubriklistenbild: © Oliver Bodmer

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