Vier-Pfoten-Hype in München

Tausende Münchner holen sich im Lockdown einen Hund - Tierschützer fürchten Katastrophe

Ein Welpe lieg auf einer Decke.
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Immer mehr Münchner legen sich einen Hund zu, als Ausgleich für die Kontaktbeschränkungen während der Corona-Pandemie.

Homeoffice, Kurzarbeit und Ausgangsbeschränkungen reduzieren soziale Kontakte auf ein Minimum. Das macht mitunter recht einsam. Grund genug für viele Münchner, sich einen Hund anzuschaffen. Laut Informationen der Stadt hat sich die Zahl der Fellnasen-Anmeldungen seit Corona verdreifacht.

MünchenMünchen wächst und das gilt nicht nur für Zweibeiner. Seit Jahren steigt die Zahl der Zamperl in der Isarmetropole. 40.543 gemeldete Hunde verzeichnete die Stadtkämmerei, die auch die Hundesteuer eintreibt, Ende 2020. Ein Jahr zuvor waren es noch 37.623. Ein Anstieg um rund 3.000 Wuffis binnen zwölf Monaten. Davor hat es pro Jahr im Durchschnitt etwa nur um die 1.000 Neuanmeldungen gegeben. Von 2018 auf 2019 sonderbarerweise sogar nur 300. Der Grund, warum ausgerechnet im Jahr 2020 so viele Münchner auf den Hund gekommen sind, liegt auf der Hand: Corona!

München: Hunde als Mittel gegen den Corona-Blues immer gefragter

Die mit der Corona-Pandemie einhergehenden Ausgangssperren, Schließung von Fitnessstudios, Schwimmbädern, Kultureinrichtungen sowie Kurzarbeit und Homeoffice haben für eine Minimierung zwischenmenschlicher Kontakte gesorgt. Die Folgen sind Bewegungsmangel, Trübsal und Einsamkeit. Zustände, die vielen aufs Gemüt schlagen, einen so richtig runterziehen. Um dem zu entfliehen, ist Gesellschaft vonnöten und die bietet einem auch ein Hund. Also her mit den treuen Vierbeinern. Gerade München bietet mit dem Englischen Garten und den Isar-Auen gute Argumente für die Hundehaltung in der Stadt.

Wie die Münchner Abendzeitung berichtet, würden der Tierschutzbrücke - einem Verein zur Rettung und Vermittlung rumänischer Straßenhunde - Welpen und junge Hunde nahezu aus den Händen gerissen. Auch bei Züchtern sei die Nachfrage aktuell riesig und die Wartelisten für einen Rassehund lang, so die AZ. Der Hund als Ersatz für Freunde, Partner, Kinder. Dazu passt auch eine vom Statistischen Amt der Landeshauptstadt München publizierte Untersuchung, die besagt, dass Hunde in München von ihren Besitzern auch immer öfter menschliche Namen verpasst bekommen. Leo, Bruno, Hugo sowie Lily, Bella und Emma stehen auf der Beliebtheitsskala ganz weit oben.

Hunde-Boom in München während der Corona-Pandemie mit vielen Schattenseiten

Dass viele Münchner ihr Herz für Hunde ausgerechnet während der Corona-Pandemie für sich entdeckt haben, sieht so manch Tierschützer allerdings kritisch. So befeuere die hohe Nachfrage die Hundezucht durch „Hinz und Kunz“, wie Marianne Ruß vom Landesverband Bayern für das Hundewesen (VDH) gegenüber der AZ sagte. Die Hundeliebe kann auch teuer werden und der Alltag mit Hund anstrengend. Vor allem dann, wenn dieser sich nicht als pflegeleicht entpuppt. Dann brauchen Herrschen und Frauchen Erziehungshilfe durch eine Hundeschule, doch diese haben in Bayern während des Lockdowns geschlossen.

Dass ein Hund kein Gegenstand ist, den man nach Belieben zur eigenen Unterhaltung nutzen und dann wieder links liegen lassen kann, sollte eigentlich jedem klar sein. Leider wird der „beste Freund des Menschen“ von selbigen immer noch viel zu oft leichtfertig angeschafft und kurzerhand wieder ausgesetzt. So wie Mischlingshund „Fly“, der im Westpark zurückgelassen wurde, vermutlich weil die Hüftdysplasie der Hündin ihren Haltern zu lästig wurde. Das Münchner Tierheim rechnet damit, dass viele Hunde wieder bei ihnen abgegeben werden, sobald die Menschen wieder zwecks Arbeit vor Ort in den Unternehmen sein sollen oder Reisen und Ausgehen wieder moglich wird.  

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