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München 2009: ein Jahresrückblick

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München - Das Jahr 2009 neigt sich dem Ende zu. Zeit, um zurückzublicken auf die Ereignisse, die das Geschehen in München in diesem Jahr prägten. Eine Auswahl in drei Folgen.

Der Held von Solln

Kaum ein anderer Fall hat in den vergangenen Jahren bundesweit derartiges Aufsehen erregt: Der 50-jährige Geschäftsmann Dominik Brunner wird am 12. September auf dem S-Bahnhof Solln von zwei jugendlichen Gewalttätern getötet, weil er sich schützend vor vier Kinder gestellt hatte.

Nockherberg: Absage, Zoff, neuer Autor

Der Wurm ist drin beim Nockherberg. Zuerst wird das berühmte Politiker-Derblecken beim Paulaner-Starkbier-Anstich wegen des Amoklaufs eines Schülers in Baden-Württemberg verschoben. Trauernde Angehörige in Winnenden, lachende Promis beim Gaudi-Termin am Nockherberg – das passt nicht zusammen. Die Veranstaltung wird verschoben – und hinterher gibt’s auch noch Knatsch: Das Autoren-Trio des Singspiels tritt geschlossen zurück. Regisseurin Eva Demmelhuber sowie Co-Autor und Ude-Double Uli Bauer werfen der Brauerei politische Einflussnahme auf das satirische Theaterstück vor. Bauer spricht gar von Zensur.

Derblecken: Die besten Sprüche der letzten Jahre

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Die Brauerei reagiert mit Verständnislosigkeit, genauso wie Michael Lerchenberg, der als Fastenprediger den wichtigsten Auftritt beim Starkbieranstich hat. Veranstalter sei „nun mal eine Unternehmensgruppe, die mitten im Leben der bayerischen Wirtschaft steht“, sagt Lerchenberg. „Sie glauben doch nicht im Ernst, dass die sich so und so viele Bank-Vorstände einlädt und die dann relativ unbeaufsichtigt beschimpfen lässt.“ Auf der Suche nach einem weniger konfrontativen Kreativ-Nachfolger wird Paulaner im Kino fündig: Alfons Biedermann schrieb zusammen mit Bully Herbig die Kassen-Knüller „Der Schuh des Manitu“ oder „Wickie und die starken Männer“. Er gibt sich geheimnisvoll: Das Singspiel 2010 werde ganz anders – und definitiv weniger politisch. Auf die meisten Politiker-Doubles wird der Autor wohl verzichten. Lustig, das verspricht er, soll’s trotzdem werden.

Sechzger-Stadion: Keine Profi-Spiele

Am 2. Dezember fällt im Stadtrat eine für Löwen-Fans emotionale Entscheidung: Das Grünwalder Stadion bleibt erhalten und wird für die Dritte Liga saniert. Kosten: zehn Millionen Euro.

Tour durchs Grünwalder Stadion

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Das bedeutet aber auch: Aus den Träumen der Sechzger-Profis, in ihre alte Heimat zurückzukehren, wird voraussichtlich nichts. Zweitliga-Spiele sind dann dort nämlich nicht erlaubt.

Schranne: Absurdes Theater

Der Schrannen-Irrsinn geht wie im Jahr 2008 ungebremst weiter. Das absurde Theater beginnt im März: Die Betreiberfirma „Münchner Schrannenhalle“ (MSH) ist zahlungsunfähig. Dennoch wird der alte Wirt wieder der neue: Jürgen Lochbihler, früher Chef der MSH, übernimmt die Halle mit neuer Firma. Die Standl verschwinden, die Schranne wird zur „Event-Halle.“

Die Trachten-Nacht in der Schranne

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Die Eigentümerin, die Schrannenhalle KG, hält davon nichts: Sie kündigt Lochbihler und will Gastronom Michael Ecker als Pächter installieren. Doch Lochbihler pocht auf seinen Vertrag. Im Mai 2010 will er sich nun aber zurückziehen. Im Dezember steht die Zwangsversteigerung der Halle kurz bevor, beantragt von der Gläubigerbank. Doch sie wird abgeblasen – wohl weil die Bank einen Käufer für ihre Forderungen fand. Der niederbayerische Baulöwe Günther Karl ist nach eigener Aussage nun Hauptgläubiger der Halle. Dann die Sensation: Hans Hammer, Münchner Unternehmer, hat das Erbbaurecht für die Halle erworben. Doch auch Günther Karl will Eigentümer werden – ein Duell entspinnt sich. Über eine Einigung der beiden ist bislang nichts bekannt. Und so vergeht ein weiteres Jahr.

Olympiapark wird aufgemöbelt

37 Jahren nach den Olympischen Spielen geht es im Olympiapark rund. Die Modernisierung läuft auf Hochtouren. Die Olympiahalle erhält einen VIP-Bereich, eine Lkw-Einfahrt, neue Tribünen. Bald soll auch ein neues Restaurant fertig sein. Mehr als 34 Millionen Euro werden hier verbaut. Zugleich beginnt der Bau einer neuen kleinen Halle, die weitere 30 Millionen kosten soll. Doch auch personell tut sich etwas. Der Mann, der die Modernisierung auf den Weg gebracht hat, Olympiapark-Chef Wilfrid Spronk, geht nach 16 Jahren als Geschäftsführer in Ruhestand. Sein Nachfolger wird Ralph Huber. Der bekommt auch gleich zu tun. Die Haupttribüne des Stadions muss wegen Einsturzgefahr saniert werden. Spektakulär ist sein Vorhaben, die Tourenwagen-Masters in das olympische Oval zu holen. Mit den Millionen, die die Autorennen ab 2011 bringen sollen, wird im Olympiastadion Kunstrasen verlegt werden. Der ist weniger empfindlich, wenn Konzerte stattfinden. Auch kleinere Baustellen gibt es: Der Olympiasee wird zwecks Beckenreinigung abgelassen. Zugleich rüsten die Planer für Olympia 2018. Erhält München den Zuschlag, müssen zwei neue Hallen und ein Olympisches Dorf gebaut werden.

2009: Monat für Monat

Januar

Wasser im Cuvilliéstheater: Ein Wachmann setzt die Sprinkleranlage in dem frisch sanierten Rokoko-Bau in Gang. Der Bühnenraum wird überflutet. Schaden: 1 Million Euro.

Trauer in Hellabrunn: Der acht Jahre alte Löwe Aramis ist tot. Der Tierpark gibt bekannt, dass das Raubtier bereits an Heiligabend gestorben ist – woran, bleibt ein Rätsel.

Aus für Dinnershow: „Do brazil“, die Varietéshow von Fußballstar Giovane Elber, ist pleite.

U-Bahn-Schubser verurteilt: Ein 70-jähriger Rentner, der eine 13-Jährige so rempelte, dass sie gegen eine einfahrende U-Bahn fiel, muss zwei Jahre und neun Monate ins Gefängnis.

Kletterer abgestürzt: Ein 39-Jähriger stürzt im Kletterzentrum in Thalkirchen zehn Meter in die Tiefe. Das Sicherungsseil war zu kurz. Der Mann bleibt querschnittsgelähmt.

Februar

Tod auf der Piste: Ex-Hypo-Chef Eberhard Martini stirbt nach einem Unfall beim Skifahren am Arlberg. Später stellt sich heraus. dass der Münchner einen Herzinfakt erlitten hatte.

Stillstand im Nahverkehr: Erst 12, dann 24 Stunden dauert der Warnstreik der Bediensteten der Münchner Verkehrsgesellschaft. Dank Notprogramm und viel Gelassenheit der Münchner bleibt das große Chaos aus.

Lotto-Glück: Ein Münchner knackt den mit 17,5 Millionen Euro dicksten Jackpot, der in Bayern je ausgeschüttet wurde.

Alkoholfrei im Untergrund: Das Alkohol-Verbot in der U-Bahn tritt in Kraft.

Wurst-Urteil: Das Bundespatentgericht urteilt, die Münchner Weißwurst dürfe auch so heißen, wenn sie nicht in München hergestellt wird.

März

Promiwirt tot: Sechs Wochen nach einem Selbstmordversuch stirbt Prom-Wirt Michi Beck (47) auf den Philippinen.

Beziehungsdrama: Bei einer Explosion in einem Forstenrieder Hochhaus sterben eine 24-Jährige und ihr Ex-Freund (28). Vermutlich eine Beziehungstat, die Toten waren aneinandergekettet.

April

Tödliches Bad: 14 Tage nachdem er von der Fischtreppe an der Mollbrücke in die Isar gesprungen ist, wird Sebastian S. (30) tot aus der Isar geborgen.

Den zweiten Teil des großen Jahresrückblicks lesen Sie am Dienstag.

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