Jetzt ist die 2. Stammstrecke wieder am Zug

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Neue Lage nach dem Bürgerentscheid: OB Ude will das Flughafen-Geld in die Stammstrecke stecken, Boss Michael Kerkloh hält an der Startbahn fest

München - Die Startbahn ist beim Bügerentscheid abgeschmiert, die Stammstrecke bekommt grünes Licht: Jetzt erhöht der Freistaat bei der Finanzierung den Druck auf Berlin.

Der bayerische Finanzminister Markus Söder fordert Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (beide CSU) auf, dem See­hofer-Ude-Plan zuzustimmen – die Stadt München mache bereits mit. „Jetzt liegt es nur noch am Bund, das müsste doch zu schaffen sein“, sagte Söder dem BR. Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) und Söder hatten vorgeschlagen, Freistaat, Stadt und Bund sollten einen 500-Millionen-Euro-Kredit vom Münchner Flughafen zurückfordern und das Geld in den S-Bahn-Ausbau stecken. Der Münchner Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) signalisierte umgehend seine Zustimmung. „Das halte ich für eine sehr gute Idee“, sagte Ude der tz.

Auch OB Ude hat abgestimmt: Bilder vom Bürgerentscheid zur 3. Startbahn

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Damit würde sich die Finanzierungslücke der Stammstrecke dramatisch reduzieren: 2,2 Milliarden Euro soll das Projekt kosten. Bislang sollte der Freistaat 1,25 Milliarden übernehmen, der Bund wollte 200 Millionen zuschießen, die Bahn sogar nur 133 Millionen. Stadt und Landkreise verweigerten die Beteiligung, weil sie nicht für die S-Bahn zuständig sind. Mit dem Flughafen-Kredit würde der Fehlbetrag von rund 700 Millionen Euro auf 200 Millionen schmelzen.

Bayerns Verkehrs­minister Martin Zeil (FDP) mahnte, man müsse nun gemeinsam die letzten Stolpersteine aus dem Weg räumen. Hier sei zunächst der Bund gefordert. Dieser müsse mehr als die bisher zugesagten 200 Millionen Euro bereitstellen.

Wobei die Risse der Zustimmung quer durch Parteien sowie Stadt und Landtag gehen: Während FDP-Minister Zeil im Maximilianeum das Projekt befeuert, kämpft die FDP im Stadtrat gegen das Projekt. Für Fraktionschef Michael Mattar stehen die Kosten in keinem Verhältnis zum Nutzen. Er wehrt sich auch gegen die Kredit-Umschichtung.

Bei den Grünen geht das ähnlich: Im Landtag sitzen die Blockierer, im Stadtrat gehen die ­Meinungen quer durcheinander – Bürgermeister Hep Monatzeder dafür und die anderen OB-Kandidaten sowie die Basis dagegen.

Dagegen halten die Startbahn-Freunde das Projekt nicht für tot: „Wir werden den genehmigungsrechtlichen Prozess in jedem Fall zu Ende führen“, sagte er der SZ. „Es ist nicht das letzte Wort gesprochen.“ Zukünftige Politiker-Generationen könnten das anders sehen. Kerkloh beklagte außerdem mangelnde Unterstützung aus der Wirtschaft vor der Abstimmung.

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