Kampf gegen die Spielhöllen

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Das Casino Center an der Hansastraße 5 in Sendling soll nicht allein bleiben: Auf 2000 Quadratmetern will ein Investor zwölf weitere Betriebe ansiedeln.

München - München ist eine Stadt der Superlative und sieht sich gerne auf Platz 1. Bei einem Thema aber möchte die Bayern-Metropole auf keinen Fall deutscher Vorreiter sein: als Standort des bundesweit gigantischsten Spielhallenkomplexes.

 Neben den sechs bereits bestehenden Casinos ist an der Hansastraße 5 eine 2000 Quadratmeter große Halle mit zwölf weiteren Betrieben beantragt. An 213 Geldspielgeräten könnte dann so gut wie rund um die Uhr gezockt werden, das wäre ein Rekord. Gerade weil es sich um eine so riesige Größenordnung handelt, sieht Kreisverwaltungsreferent Wilfried Blume-Beyerle hier die Möglichkeit, die gewerberechtliche Genehmigung zu verweigern. In vielen anderen Fällen muss die Stadt gute Miene zum bösen Glücksspiel machen. Seit 1998 hat sich die Zahl der Spielstättenstandorte von 55 auf 98 erhöht!

Risikolos ist die Ablehnung, die sich Blume-Beyerle am Dienstag vom Stadtrat absegnen lässt, nicht: Eine Klage des Investors ist zu erwarten, je nach Dauer des Verfahrens kann es um Haftung in zweistelliger Millionenhöhe gehen. Der KVR-Referent hofft auf die für Januar 2012 angekündigte Verschärfung des Glücksspielrechts und ist entschlossen, alle bereits zur Verfügung stehenden und absehbaren rechtlichen Instrumente anzuwenden. Er fordert unter anderem Mindestabstände, „optische Sonderung“ (wie etwa eigene Eingänge für jede Spielhalle, bis zur Decke reichende Wände) sowie Verbindungstüren nur für Servicefunktionen und Personal. Es darf kein einheitlicher Eindruck entstehen, etwa durch die Reklame. Die beantragten zwölf Hallen halten diese Kriterien nicht ein.

Beispiel: In den Spielhallen 1 und 8 gibt es nur Damentoiletten, in 6, 7, 10 und 11 nur Herrentoiletten, in den Nummern 4, 5 und 12 gar keine. Blume-Beyerles Folgerung: „Ein Wechsel von Besucherinnen und Besuchern wird geradezu erwünscht oder sogar ,erzwungen‘.“ Aus allen Stellungnahmen, die dem Beschlussvorschlag beigeheftet sind, von der Lokalbaukommission über Polizei und Sozialreferat bis zum Arbeitskreis Spielsucht, ist herauszulesen, dass man Blume-Beyerle die Daumen drückt.

Nicht zuletzt der Bezirksausschuss: Die Sendlinger wollen in der Gegend, wo auch ein Bordell und ein Straßenstrich angesiedelt sind, nicht auch noch Deutschlands größtes Zockerparadies.

Barbara Wimmer

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