Der Kampf um 2018

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Die Verteilung der Sportarten: Eiswettbewerbe in München, Ski alpin und nordisch in Garmisch-Par­tenkirchen, Rodeln in Schönau.

München - München bewirbt sich mit Garmisch-Partenkirchen und dem Berchtesgadener Land um die Olympischen Winterspiele und die Paralympics 2018. Das Konzept: „München plus zwei“.

Die tz beantwortet wichtige Fragen:

Warum machen nicht mehr Wintersportorte mit?

Olympia 2018: DAV droht mit Ausstieg

Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB, früher Nationales Olympisches Komitee, NOK)) drängte auf eine kompakte Bewerbung. Nur so gebe es eine Chance.

Wie sind die Sportarten verteilt?

Im „Zwei-Cluster-Konzept“ gilt: Alle Eiswettbewerbe finden in München statt, Schneewettbewerbe in Garmisch-Partenkirchen. Bob, Rodeln und Skeleton werden in Schönau am Königssee ausgetragen. Ein olympisches Dorf entsteht in München, ein „Snow Village“ in Garmisch. Es sollen ökologische Spiele werden: „Nachhaltigkeit ist Trumpf“.

Wie hoch sind die Kosten?

Der DOSB rechnet mit rund drei Milliarden Euro, wobei der Großteil für Infrastrukturmaßnahmen ausgegeben wird. Die Bewerbungskampagne allein soll rund 30 Millionen kosten.

Wie weit ist „München plus zwei“ mit der Bewerbung?

Im Dezember 2007 entschied sich der DOSB für die Bewerbung mit „München plus zwei“. Seit Oktober 2009 gilt der Status Applicant City (Bewerberstadt).

Wie geht’s weiter?

Am 15. März 2010 muss das Mini-Bid-Book beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) eingereicht werden. Darin werden 25 Fragen zu acht Themen (Konzept, Wettkampfstätten, Transport) beantwortet. Das Bewerbungslogo wurde in einer Internet-Abstimmung ausgewählt.

Wann wird München Kandidatenstadt?

Das IOC trifft die Auswahl der Kandidatenstädte aus dem Bewerberkreis im Juli 2010. Wird München nominiert, muss im Januar 2011 ein ca. 500-seitiges Bid-Book abgegeben werden. Außer den detaillierten Angaben zu 17 Themen werden „hundert Garantien“ gefordert, die von Bund, Land und den teilnehmenden Kommunen abzugeben sind.

Wann wird die Winter-Olympiastadt 2018 gekürt?

Bei der IOC-Versammlung am 6. Juli 2011 in Durban (Südafrika).

Wer sind die Konkurrenten?

Annecy (Frankreich) und Pyeonchang (Südkorea).

Wer kümmert sich um die Münchner Bewerbung?

Die Bewerbungsgesellschaft München 2018. Seit November 2009 ist Sportartikelhersteller Willy Bogner Vorsitzender der Geschäftsführung. Weitere Geschäftsführer: Richard Adam, Bernhard Schwank. Sechs Fachkommissionen suchen Antworten auf die Bewerbungs-Fragen: Sportstätten & Olympisches Erbe, politische Unterstützung & Finanzierung, Umwelt (hier ist der Alpenverein und war der Bund Naturschutz vertreten), Transport & Verkehr, Unterbringung, Sicherheit & Medizin.

Wer ist in der Gesellschaft?

Der DOSB (51 Prozent) mit Präsident Thomas Bach, die Stadt München (30 Prozent, OB Christian Ude), der Freistaat Bayern (9 Prozent, Ministerpräsident Horst Seehofer), Garmisch-Partenkirchen (8 Prozent) und der Landkreis Berchtesgadener Land, dem die Bobbahn in Schönau am Königssee gehört (2 Prozent).

Wo wirken die zahlreichen Prominenten mit?

Im Kuratorium der Bewerbungsgesellschaft. Vorsitzende ist Olympiasiegerin Katarina Witt. Mit dabei u. a. auch Franz Beckenbauer, Magdalena Neuner, Rosi Mittermaier, ... Willy Bogner und Katarina Witt sollen bei Olympia in Vancouver eine Charme-Offensive starten, so Thomas Bach: „Sie werden unsere Bewerbung auf sympathische Art und Weise und in einem bescheidenen Selbstbewusstsein präsentieren.“

BW.

Das Märchen von den kurzen Wegen

Unter dem Motto München plus zwei will die Bewerbungsgesellschaft für Olympia 2018 das größte Wintersportfest der Welt nach Bayern holen. Die Metropole der (Sommer-)spiele 1972 versucht zusammen mit Garmisch-Partenkirchen und Schönau am Königsee, die gestrengen Herren des IOC zu überzeugen, ihnen am 6. Juli 2011 den Zuschlag zu geben. Weitere (bestehende) Wettkampf­orte kommen nicht vor:

Weil die Wege zu weit seien und die Bewerbung dann aussichtslos wäre, halten die Münchner Olympia-Macher den Kritikern entgegen. Ein Blick auf andere Austragungsorte beweist allerdings, dass lange Wege das IOC bislang herzlich wenig interessiert haben:

Turin 2006: Die Italiener verschleuderten 1,5 Milliarden Euro für den Bau von Sportanlagen, drei (!) olympischen Dörfern und Straßen zu dem Wettkampfstätten in die Provinz des Piemonts. Turin 2006 ging als ein „Olympia der weiten Wege“ in die Geschichte ein: Die sechs weiteren Stadien lagen von der Stadt 80 bis 100 Kilometer entfernt. Viele Ränge blieben leer.

Vier Jahre nach den Spielen ist der Geist von Olympia zum Gespenst geworden: Die Sprunganlagen und Hotels in Pragelato sind verwaiste Ruinen. Sie werden nicht einmal von den Italienern selbst zum Trainieren genutzt – von einem Weltcup ganz zu schweigen ...

Vancouver 2010: Am 12. Februar beginnen die Spiele im kanadischen Wintersport-Paradies. Erinnerungen an Calgary 1988 werden wach, als die Nordamerikaner schon einmal als hervorragende Ausrichter glänzten. Doch auch diesmal sind die Wege weit: Von Vancouver nach Whistler, dem Mekka des Wintersports, sind es 130 Kilometer. Je nach Witterung muss eine Fahrzeit von mindestens zwei Stunden eingeplant werden. Zum Vergleich: München – Garmisch: 90 Kilometer; München – Schönau: 160 Kilometer. Die – wegen der weiten Wege ausgeboteten – renommierten Weltcup-Orte Ruhpolding (Biathlon) und Inzell (Eisschnelllauf) liegen von München 120 Kilometer entfernt. Dafür sollen in Oberammergau neue Anlagen entstehen, die nach den Spielen wieder abgebaut werden sollen!

Sotschi 2014: Olympische Winterspiele direkt am Schwarzen Meer – in einer subtropischen Klimazone: Über diesen Austragungsort kann man eigentlich nur den Kopf schütteln. Für Olympia 2014 gibt es noch keine einzige Wettkampfstätte – und das IOC tolerierte erstmals eine Bewerbung mit einer Computer-Animation. Mit den Spielen will sich Russlands allmächtiger Präsident Wladimir Putin ein Denkmal setzen, machte 12 Milliarden Euro staatliche Gelder für die Bewerbung und die Sportstätten locker. Doch die Athleten befürchten bereits jetzt reine Retorten-Spiele an der „Russischen Riviera“.

Stefan Dorner

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