Verhandlungen am Runden Tisch

Ausverkauf Galeria Karstadt Kaufhof in München? Auf knallhartes Scheitern folgt schicksalhafte Wende

Wird Stand jetzt Ende Oktober 2020 schließen: Die Galeria-Filiale am Stachus in München. Oder etwa nicht?
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Wird Stand jetzt Ende Oktober 2020 schließen: Die Galeria-Filiale am Stachus in München. Oder etwa nicht?

Nach dem Aus der Stachus-Filiale von Galeria Karstadt Kaufhof ärgerten sich Münchner Politiker über Unternehmer René Benko. Doch nun hat sich das Blatt ein Stück weit gewendet.

  • Das Unternehmen Galeria Karstadt Kaufhof wird drei Filialen in München schließen.
  • Die Verhandlungen über die Mietverträge waren „knallhart“ - und gescheitert.
  • OB Dieter Reiter (SPD) zog ein bitteres Fazit - Die Stadt denkt an einen Gegenschlag .
  • Doch nun gibt es neue Hoffnung für die Mitarbeiter. Involviert ist die Gewerkschaft Verdi.

Update vom 11. September, 17.18 Uhr: Möglich wurde diese Rettung (siehe Update vom 11. September, 14.55 Uhr) in letzter Minute nach fünf Verhandlungs- und Gesprächsrunden der Münchner Unternehmerfamilie Zechbauer mit Arndt Geiwitz dem Generalbevollmächtigter des Konzerns Galeria Karstadt Kaufhof (GKK). Moderator Dominik Datz von der Gewerkschaft Verdi ist erleichtert, dass nun die 200 Festangestellten und weitere 100 Arbeitskräfte im Dienstleistungsbereich „eine neue Perspektive bekommen“. Das hätten viele „kaum für möglich gehalten“. Datz dankt Michael Zechbauer und Arndt Geiwitz, „die sich offen auf unsere Initiative eingelassen haben“. Zechbauer, zeige beeindruckend soziale Verantwortung: „Da geht es um 90 Prozent Mietverzicht, das ist schon unglaublich!“

Zechbauer wiederum verweist gegenüber der SZ auf das Entgegenkommen auch von Seiten der GKK, das die Einigung ermöglicht habe. „Wenn auch leider ohne eine Beteiligung der Stadt oder des Freistaats“, wie er hinzufügte. Zechbauer hatte ursprünglich noch ein Mitwirken der öffentlichen Hand gefordert – ein Teil der Kaufhof-Flächen im Untergeschoss sind im Besitz der Stadtwerke (SWM). Die dürfen aber wie berichtet aus Gründen der Wettbewerbsneutralität keinen Mietnachlass gewähren. Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger hat das Konzept zur Weiterführung der Kaufhof-Filiale am Münchner Stachus begrüßt. Jetzt gelte es, „nachhaltige Perspektiven für die Zeit nach dem September 2022 zu entwickeln“.

Update vom 11. September 2020, 14.55 Uhr: Die Zukunft des Kaufhof am Stachus ist gesichert. Das Kaufhaus bleibt bis vorerst September 2022 erhalten. Darauf haben sich die Familie Zechbauer als Hauptvermieter und Arndt Geiwitz, der Generalbevollmächtigte des Konzerns Galeria Karstadt Kaufhof (GKK) bei einer Videokonferenz am Freitag geeinigt, wie sueddeutsche.de berichtet. Weiter heißt es, dass die Familie Zechbauer für die kommenden zwei Jahre auf 92,5 Prozent der bisherigen Miteinnahmen verzichten soll.

Somit gewinnt das Traditions-Kaufhaus Zeit, sich neu zu orientieren, um auch langfristig betrachtet eine Zukunft zu haben.

München: Kaufhof vor dem Aus? Überraschende Wende bahnt sich an

Update vom 7. August 2020: Eine unerwartete Wende im Krimi um den Kaufhof am Stachus: Für die rund 300 Mitarbeiter scheint es nun doch wieder einen kleinen Hoffnungsschimmer zu geben. Nachdem im Juli die Verhandlungen zwischen dem Vermieter und dem Eigentümer der Kaufhof-Karstadt-Gruppe gescheitert waren, hatte sich nun die Gewerkschaft Verdi eingeschaltet. Am Freitag lud Verdi den Generalbevollmächtigten Arndt Geiwitz und den Vermieter Michael Zechbauer zu einem runden Tisch ins Münchner DGB-Haus ein – für einen letzten Versuch, die Arbeitsplätze und Existenzen der Betroffenen zu retten.

Und dieser Versuch scheint zumindest nicht misslungen zu sein, denn es gibt bereits einen Termin für eine Fortsetzung des Gesprächs. Am 21. August wollen sich die Parteien erneut zusammensetzen. „Es war ein sehr konstruktives Gespräch“, betont Dominik Datz, der bei Verdi München zuständige Fachmann für den Einzelhandel. Von ihm ging die Initiative zum runden Tisch aus. „Uns war klar, dass es keine einfachen und schnellen Lösungen gibt. Deshalb ist die Fortführung des Gesprächs in einem weiteren Termin und dem Ausloten von unterschiedlichen Alternativen ein wichtiger Schritt für die Beschäftigten.“ Über konkrete Gesprächsinhalte wurde Stillschweigen vereinbart.

Vermieter Michael Zechbauer nannte im Anschluss an das Treffen das Gespräch auf tz-Nachfrage „vernünftig“ – möglichweise hätten sich sogar „Lösungsansätze“ ergeben. Schlüsse auf einen möglichen Ausgang der weiteren Gespräche seien aber noch nicht möglich.

Karstadt-Filialen in München schließen - Gegenschlag bei der Alten Akademie?

Update vom 25. Juli 2020: Der Schock über die Enttäuschung mit Galeria Karstadt Kaufhof sitzt in München tief. Wie berichtet waren die Verhandlungen zwischen Kaufhof und dem Immobilieneigentümer (der Unternehmerfamilie Zechbauer) gescheitert. Knackpunkt war die Laufzeit eines neuen Mietvertrags: Während René Benko auf vergünstigte Mieten für mindestens vier Jahre bestanden habe, sei der Immobilieneigentümer und Hauptvermieter maximal bereit gewesen, einer Verlängerung um 1,5 Jahre zuzustimmen.

Ein Vermittlungsversuch von OB Dieter Reiter (SPD) scheiterte. „Den von mir daraufhin eingebrachten Kompromissvorschlag – Verlängerung der Laufzeit auf 2,5 Jahre – hätte zwar der Eigentümer, Herr Zechbauer akzeptiert, dieser wurde aber von Herrn Benko für Galeria Karstadt Kaufhof, mit dem Hinweis auf wirtschaftliche Zwänge, abgelehnt“, so der OB. Die Folge: Zum Ende dieses Monats wird der Mietvertrag gekündigt. Drei Monate beträgt die Kündigungsfrist. Ende Oktober werden die Angestellten wohl ihren Job verlieren.

Mitte Juni hatte der angeschlagene Konzern die Schließung von 62 Filialen in ganz Deutschland angekündigt. In München* sollen drei Filialen mit 350 Mitarbeitern schließen: Neben der Filiale am Stachus trifft es den Karstadt am Nordbad und den im Olympia-Einkaufszentrum. Ebenfalls auf der Streichliste: die Karstadt-Sports-Filiale am Karlstor.

Nach dem Aus für Galeria am Stachus soll die Stadt bei der Alten Akademie handeln.

Die Fraktion ÖDP/Freie Wähler verlangt nun nach einem Gegenschlag. In einem Antrag heißt es: Wem das Schicksal und die Existenzen der Arbeitnehmer egal sei, der solle der Innenstadt nicht seinen Stempel aufdrücken und eines der prägnantesten Bauwerke profitgierig entwickeln dürfen. Hintergrund ist die Alte Akademie, die im Erbbaurecht an Benkos Firma Signa vergeben wurde. ÖDP und Freie Wähler verlangen, das Erbbaurecht aufzukündigen. Fraktionschef Tobias Ruff sagt: „Wir müssen gemeinsam Politik für die Münchner machen und nicht für die Investoren. Dabei müssen wir alle Mittel ausschöpfen, die uns zur Verfügung stehen. Es ist ein Schlag ins Gesicht der Angestellten, wenn die Stadt Geschäfte mit dem Investor macht, als wäre die Causa Kaufhof nie passiert.“

Kaufhof-Karstadt in München: Filial-Aus an drei zentralen Stellen

Ursprungsartikel:

Michael Zechbauer zieht ein ernüchterndes Fazit der langwierigen Gespräche zur Rettung der Galeria-Filiale am Stachus. „Die Verhandlungen sind brachial gescheitert.“ Zechbauer ist der Hauptvermieter der Immobilie, tagelang hatte er mit den Kaufhof-Bossen um eine Einigung gerungen. Doch am Ende steht nun die Erkenntnis: „Es gab nicht mal ansatzweise eine Lösung.“

Zu weit lagen die Vorstellungen auseinander. Der Knackpunkt war die Laufzeit eines neuen Mietvertrags: Während Galeria Karstadt Kaufhof auf vergünstigten Mieten für mindestens vier Jahre bestanden habe, sei der Immobilieneigentümer und Hauptvermieter maximal bereit gewesen, einer Verlängerung um 1,5 Jahre zuzustimmen. 

Ein Vermittlungsversuch von Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) scheiterte. „Den von mir daraufhin eingebrachten Kompromissvorschlag – Verlängerung der Laufzeit auf 2,5 Jahre – hätte zwar der Eigentümer, Herr Zechbauer akzeptiert, dieser wurde aber von Herrn Benko für Galeria Karstadt Kaufhof, mit dem Hinweis auf wirtschaftliche Zwänge, abgelehnt“, sagte der OB Dienstagabend.

Kaufhof-Aus am Stachus/München: „Ich persönlich finde das geschmacklos“

Zechbauer erklärt: „Mehr ging nicht, wegen der hohen Verluste.“ Sogar Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger hätte seine Hilfsbereitschaft für einen Erhalt des Kaufhof am Stachus signalisiert, erzählt Zechbauer.

Doch die Kaufhof-Manager blieben hart. Die Konsequenz: Zum Ende dieses Monats wird der Mietvertrag gekündigt, sagt Zechbauer. Drei Monate beträgt die Kündigungsfrist. Zum Ende Oktober werden die Kaufhof-Angestellten voraussichtlich also ihren Job verlieren. Und die Stadt München* ein Stück ihrer Tradition. Kaufhof/Karstadt-Betriebsrat Markus Niklas hatte kürzlich noch seine Hoffnung für den Erhalt des Standorts ausgedrückt. Sie hatte sich auf einen möglichen Mieterlass gegründet – nach dem Beispiel anderer Städte wie Nürnberg*.

„Extrem bedauerlich und vor allem unnötig“, findet Zechbauer das Verhandlungsergebnis. Und findet deutliche Worte gegenüber Galeria Kaufhof Karstadt: „Rein strategisch“ sei deren Taktik gewesen, „knallhart“ das Vorgehen. „Ich persönlich finde das geschmacklos“, sagt Zechbauer.

München: Die lange Streichliste für Galeria Karstadt Kaufhof

Mitte Juni hatte der angeschlagene Konzern die Schließung von insgesamt 62 Filialen in ganz Deutschland angekündigt. Mittlerweile konnten durch erhebliche Mietnachlässe zwölf Filialen gerettet werden, darunter zwei in Nürnberg. In München sollen drei Filialen mit insgesamt 350 Mitarbeitern schließen: Neben der Galeria-Filiale am Stachus trifft es den Karstadt am Nordbad und den im Olympia-Einkaufszentrum. Ebenfalls auf der Streichliste: die Karstadt-Sports-Filiale am Karlstor.

Oberbürgermeister Dieter Reiter hatte in den vergangenen Tagen mit den verschiedenen Immobilieneigentümern von Galeria Karstadt Kaufhof Filialen in München gesprochen, bei denen die Schließung der Häuser noch nicht final feststand. Besonders am Stachus sind die Eigentumsverhältnisse kompliziert, ein Teil der Fläche gehört den Stadtwerken. „Ich stand seit Wochen in engem Kontakt mit den verschiedenen Beteiligten, um eine Schließung der Filiale am Stachus doch noch abzuwenden, zuletzt heute Nachmittag“, sagte Reiter Dienstagabend.

Kaufhof-Aus in München: OB-Reiter zieht bitteres Fazit

Dabei hatte er enorme finanzielle Zugeständnisse, bis hin zum Mietverzicht, angeboten. „Für die Flächen, die im Eigentum der Stadtwerke sind und über eine dritte Firma an Herrn Zechbauer und über diesen an Galeria Karstadt Kaufhof vermietet werden, habe ich zugesagt, mich für eine nennenswerte Mietreduzierung bis hin zu einem vollständigen Mietverzicht in Millionenhöhe einzusetzen. Dennoch kann nach heutigem Stand die Schließung der Filiale am Stachus wohl leider nicht verhindert werden.“

Reiters bitteres Fazit: Er müsse „leider feststellen, dass das Schicksal der Mitarbeiter bei den wirtschaftlichen Überlegungen der betreffenden Unternehmer am Ende keine Rolle gespielt hat. Das ist bitter für die Beschäftigten, die nun vor der unmittelbaren Kündigung oder dem Wechsel in eine Transfergesellschaft stehen.“

Einen kleinen Erfolg kann Reiter dennoch verbuchen. Die Karstadt-Filiale an der Münchner Freiheit ist demnach vor einer Schließung bewahrt worden, die Filiale war kurzzeitig ebenfalls bedroht – noch vor Veröffentlichung der Streichliste Mitte Juni.

In Rekordgeschwindigkeit werden geraden die siebeneinhalb Etagen der neuen Erlebniswelt des FC Bayern München am Dom hochgezogen. Ein Besuch bei den Machern. *tz.de und merkur.de gehören zum Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerk.

Geschlossene Warenhäuser, verrammelte Schaufenster – der Einzelhandel kämpft. Und das nicht erst seit Corona. Immer mehr Läden müssen schließen, freie Flächen stehen länger leer als früher.

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